IIC-Chef Richard Soley will eine eigene Referenzarchitektur für das Internet of Things vorstellen,

IIC-Chef Richard Soley will eine eigene Referenzarchitektur für das Internet of Things vorstellen, kündigte er im Interview mit Produktion-Redakteur Gunnar Knüpffer an. -Bild: Accenture

Dr. Soley, was halten Sie als Executive Director des Industrial Internet Consortium (IIC) in den USA vom deutschen Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0, kurz RAMI 4.0?Ich denke, dass es notwendig, aber unzulänglich ist. Ich sage das über Referenzarchitektur-Modelle im Allgemeinen. Das schließt auch die IIC-Referenz-Architektur mit ein, die wir in ein oder zwei Wochen veröffentlichen werden. Eine Referenz-Architektur ist praktisch, weil sie es erlaubt, darüber nachzudenken, wie die einzelnen Elemente zusammenpassen. Man kann eruieren, welche Standards man benötigt, um eine Testumgebung aufzubauen oder ein wirkliches Produkt. Referenzarchitekturen sind unzulänglich, aber sie geben einem Vergleichbarkeit.

Wie reagieren Sie auf RAMI 4.0?
Es ist ein großer erster Schritt. Ich freue mich auf die Gelegenheit, die Arbeit, die die Plattform Industrie 4.0 verrichtet hat, um RAMI 4.0 zu entwickeln, und die Arbeit, die das IIC für sein Referenzmodell geleistet hat, und die Arbeit in anderen Ländern in Einklang zu bringen. Wir müssen zusammenarbeiten und nicht ein Referenzmodell, sondern eine Reihe von Referenzmodellen entwickeln, die aufeinander abgestimmt sind.

Werden Sie RAMI 4.0 für Ihr IIC-Referenzmodell adaptieren?
Wir entwickeln unsere eigene Refe­renzarchitektur. Natürlich schauen wir uns RAMI 4.0 sowie andere Referenzmodelle an. Es gibt viele Referenzarchitekturmodelle. Wir kümmern uns um eine Referenzarchitektur, die in wirklichen Produkten zum Vorschein kommt. Weil RAMI 4.0 zumindest für die deutsche Industrie eine große Bedeutung hat, ist es für uns auch wichtig.

Arbeiten Sie mit der Plattform Industrie 4.0 zusammen?
Wir haben die ersten Schritte unternommen, um herauszufinden, wie eine Zusammenarbeit zwischen der Plattform Industrie 4.0 und dem IIC aussehen kann. Es finden Gespräche zwischen allen wichtigen Organisationen statt. An diesem Morgen habe ich mit dem VDMA gesprochen, am Montagmorgen mit der Bitkom, und zuvor mit dem ZVEI. Wir haben intensive Kontakte mit dem
BMWi und dem BMBF. Wichtiger ist jedoch eine überlappende Mitgliedschaft von Firmen wie SAP, Siemens und Bosch, die an beiden Organisationen beteiligt sind und so sicherstellen, dass wir so eng wie möglich zusammenarbeiten. Ich würde nicht sagen, dass das Problem gelöst ist, ich würde nicht sagen, dass es bereits ein Schichtenmodell gibt, aber es wird eines geben, wahrscheinlich noch in diesem Jahr.

Welches Land befindet sich in der Pole-Position bei der Entwicklung zum Internet der Dinge? Die Vereinigten Staaten, Deutschland oder ein anderes Land?
Ich verstehe nicht einmal die Frage. Was ist die Pole-Position? Jede Technologie, die in den Vereinigten Staaten entwickelt wird, ist sofort in Costa Rica verfügbar. Alles, was in Südafrika entsteht, kann sofort in Russland genutzt werden. Also kann sich wohl niemand in einer Pole-Position befinden. Unsere Absicht ist es deshalb, international vorzugehen, weil wir wollen, dass Unternehmen, Organisationen, Forschungsinstitute und Hochschulen zusammenarbeiten. Das Ergebnis ist dann, dass jedem überall dieselben Informationen zur Verfügung stehen. Das gilt bereits jetzt schon.

Zwischen wem findet Ihrer Meinung nach der Wettbewerb statt?
Ich denke, dass der Wettbewerb nicht zwischen Ländern stattfindet, sondern zwischen Unternehmen. Ich erwarte, dass Hitachi, Siemens und General Electric gegeneinander antreten. Aber ich weiß nicht, was es bedeuten soll, dass ein Land in der Pole-Position ist. Ich habe gerade erst Artikel über diese Diskussion in Deutschland gelesen. Ich denke offen gesagt, dass diese Diskussion nicht nützlich ist. Die interessante Diskussion findet darüber statt, wie wir zu Erfolgen im Industrial Internet oder bei Industrie 4.0 kommen können.

Was muss getan werden, damit die verarbeitende Industrie mit den IT-Firmen im Bereich IoT zusammenarbeiten kann?
Die zwei Industrien sind getrennt gewachsen. Ich nenne sie IT und OT: Internet Technology und Operational Technology. Mein Beispiel, das ich häufig erwähne, ist, dass Programmical Logical Con-
troller, die in der diskreten Fertigung in Fabriken genutzt werden, auch Computer sind. Diese werden neben den Computern eingesetzt, auf denen das ERP-Programm läuft. Aber diese sind niemals verbunden. Ich denke, dass die Leute aus dem Bereich Operational Technology nicht dem Internet gemäß denken und dass die IT-Leute sich nicht so stark mit betrieblichen Dingen beschäftigen. Wir müssen diese beiden Bereiche zusammenbringen, so dass sie besser zusammenarbeiten. Das ist die größte technische Kluft im Internet der Dinge, die wir schließen müssen.

Haben Sie bereits Beispielumgebungen für die verarbeitende Industrie realisiert, an denen sich die Firmen orientieren können?
Unsere erste Testumgebung beschäftigt sich mit der Produktion. Die Führung haben dabei Bosch und der ITK-Dienstleister Tech Mahindra übernommen, wobei auch Cisco Systems beteiligt war. Das ist ein ziemlich interessanter Aufbau. Dabei geht es um die Integration von Positionsinformationen in einem Werk. Das betrifft die Teile, Werkzeuge, die Anlagen sowie Mitarbeiter auf dem Shop-Floor. Wenn man weiß, wo sich alles befindet, kann man sicherstellen, dass die Mitarbeiter die Werkzeuge auf die richtige Weise verwenden und dass die Werkzeuge nicht von der Arbeitsumgebung entfernt werden. Und man kann dafür sorgen, dass Teile in die richtige Ablage gelegt werden und dass Bestände auf die geplante Weise durch das Werk bewegt werden.

Welche Erkenntnisse hat Ihnen diese Testumgebung gebracht?
Bosch und Tech Mahindra haben entschieden, Teile ihrer bisher geleisteten Arbeit zu standar­disieren. Sie dokumentieren ihre Anforderungen und Prioritäten und senden diese an die Objects Management Group, um Standards entwickeln zu lassen. Sie haben es auch an die Eclipse Foundation geschickt, um Open-­Source-Standards zu ermöglichen. Das müssten sie nicht tun, denn sie haben für die Testumgebung bezahlt – es wurde nicht von öffentlichen Fonds finanziert. Aber sie haben entschieden, das zu tun, da es im Interesse vieler Produktioner ist. Auch gibt es ein paar Ergebnisse zum Thema, wie man Produktionssysteme konzipiert.

Mit welchen Standardisierungsorganisationen kooperieren Sie?
Wir müssen die Anforderungen und Prioritäten formulieren, die aus der Arbeit mit den Testum­gebungen entstehen. Rund zehn Organisationen haben zugestimmt, mit uns eine Zusammenarbeit einzugehen, um Standards zu schaffen. Wir wünschten, dass wir diese Standards gehabt hätten, als wir die Testumgebungen aufgebaut haben. Zu den Organisationen gehören das OIC, The Clubs Foundation for Open Source, UP&P Consortium, die Object Management Group, die GS1 und andere. Die Organisation, die zuletzt eine Verbindung zu uns aufgenommen hat, ist DIN.

Gunnar Knüpffer