Roland Bent, Geschäftsführer Marketing und Entwicklung, Phoenix Contact:

Roland Bent, Geschäftsführer Marketing und Entwicklung, Phoenix Contact: "Das Gebot der Stunde ist Flexibilität, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein."

Wie geht es Phoenix Contact?

Die Entwicklung der letzten Jahre war sehr turbulent: 2008 war für uns ein sehr gutes Jahr; unser Umsatz betrug 1,2 Mrd. Euro. Wie alle anderen Industrie-Unternehmen haben wir anschließend einen beispiellosen Absturz erlebt. Wir verzeichneten einen Rückgang von 19 %. Phoenix Contact konnte diesen Umsatzeinbruch ohne Entlassungen in der Stammmannschaft abfangen.

… und wie ging es nach der Krise weiter?

Im Jahr 2010 wuchs das Unternehmen um beachtliche 40 % gegenüber dem Vorjahr und 13 % im Vergleich zu 2008. Aktuell liegen wir bei etwa 15 % Wachstum zum Vergleichszeitraum des Vorjahres, wobei wir seit August eine deutliche Abschwächung der Wachstumsdynamik wahrnehmen. Insgesamt findet eine Wellenbewegung statt, die bisher keiner so erlebt hat.

Hat sich das Verhältnis Umsatz Gewinn verändert?

Da das Unternehmen in der Krise viele Prozesse optimieren musste und so eine hohe Effizienz erzeugen konnte, hat dies letztendlich zu einer zufriedenstellenden Ertragssituation geführt.

Was erwarten Sie im nächsten Jahr?

Wir sind uns sicher, dass es nicht in der Dynamik wie bisher weitergehen wird. Phoenix Contact merkt bereits jetzt, dass das Wachstum deutlich nachgelassen hat. Ich persönlich glaube, dass wir 2012 ein stabiles Jahr mit ‚normalen‘ Wachstumsraten im einstelligen Bereich erleben werden.

…trotz Schuldenkrise?

Momentan scheint die Wirtschaft stabil, nur die Finanzmärkte spielen verrückt. Dort finden Wetten auf Kursverläufe statt und in dem Moment, wo dies konkrete Folgen auf die Banken hat, wird es auch die Wirtschaft beeinflussen.

Wie schützten Sie sich vor künftigen Krisen?

Die größte Herausforderung besteht grundsätzlich darin, sich sehr schnell auf eine wechselnde Konjunkturlage einzustellen. Wir befinden uns am Ende der Linearität: es ist heute nicht mehr möglich Entwicklungen der Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren. Aus diesem Grunde ist das Gebot der Stunde Flexibilität, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Steht uns eine weitere Krise bevor?

Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in beide Richtungen – up und down – wird uns sicherlich in Zukunft immer stärker beschäftigen. Wenn ein Unternehmen eine sehr hohe eigene Wertschöpfung in einem hochinvestiven Bereich hat, so wie Phoenix Contact,  muss man sich intensiv über den richtigen Umgang mit ähnlichen Situationen Gedanken machen. Maschinen in einer stark automatisierten Fertigung kosten Geld, ob sie laufen oder nicht; die Frage ist, wie erhält man sich seine Flexibilität?

Welche Märkte sind für Phoenix Contact derzeit besonders interessant?

Die Wachstumsdynamik der asiatischen Märkte ist signifikant. Neben China und Indien entwickelt sich auch Brasilien sehr stabil; erstaunlicherweise zeigt sich selbst der US-amerikanische Industriemarkt noch als äußerst robust -  sogar in den letzten Monaten.

Ein weiterer sehr dynamischer Wachstumsmarkt ist darüber hinaus die Türkei.

Wie gefährlich ist Ihr Wettbewerb?

Wir haben keine Angst vor dem Wettbewerb, wir nehmen ihn aber sehr ernst. Phoenix Contact erhebt den Anspruch, immer wieder zu überdenken, wie man Produkte und Dienstleistungen verbessern kann. Mit dieser Innovationsstrategie  stellen wir uns auch dem asiatischen Wettbewerb. Asiatische Wettbewerber machen uns im Wesentlichen im Bereich der elektromechanischen Produkte durch das Kopieren unserer Produkte zu schaffen. Hier setzen wir zur Abwehr auf unsere Innovationsdynamik. Es gibt allerdings auch aufstrebende asiatische Unternehmen, deren Fähigkeiten  inzwischen über das reine Kopieren hinaus gehen. Hier müssen wir  zusätzlich versuchen, dem Kunden eine bessere Dienstleistung zu bieten.


Was sind die Innovationsschwerpunkte der nächsten Zeit?In der Verbindungstechnik liegt einer unserer Schwerpunkte im Bereich der Miniaturisierung. Die größte Herausforderung ist eine noch kleinere Bauform von Geräten, ohne die Ergonomie zu verlieren. Bei den Datensteckverbindern denken wir über immer höhere Datenraten nach. Bei den Powersteckverbindern geht es um immer höhere Ströme. Dabei sind gerade die technischen Herausforderungen der Elektromobilität hochspannend. Wir entwickeln beispielsweise Ladestecker für einige 100 Ampere für Batteriewechselstationen für Busse. In diesem Zusammenhang spielen die Themen Oberflächenstruktur und Kontaktausprägung eine große Rolle.

… und in der Automatisierung?

In der Automatisierungstechnik ist eines unserer Kernthemen weiterhin die industrielle Kommunikationstechnik. Bei der Weiterentwicklung der Profinet-Technologie haben wir gerade mit dem sogenannten Tiger-Chip einen Meilenstein gesetzt. Gemeinsam mit Siemens hat Phoenix Contact einen eigenen ASIC für einfache E/A-Geräte entwickelt, der bereits einen Großteil der externen Peripherie on-board hat und keine zusätzliche Beschaltung wie Prozessor oder Speicher benötigt.

Der Tiger-Chip ist eine Profinet-Anschaltung zum Preis einer Feldbus-Anschaltung.

Ausgelöst durch die neue Maschinenrichtlinie spielt die Sicherheitstechnik eine wichtige Rolle, gerade in Europa. Wir beschäftigen uns intensiv damit, auf jeder Ebene vom Relais bis zur Sicherheitssteuerung.

Was werden Sie auf der SPS zeigen?

Auf der SPS werden wir das Thema Energieeffizienz aufgreifen und unsere Lösungskompetenz in einer praktischen Applikation darstellen. Darüber hinaus wird der Ausbau eines unserer Innovationsschwerpunkte, des Axioline-Systems, gezeigt, es ist in der Automatisierung das schnellste IO-System am Markt.