Die deutsche Antriebstechnik glänzt mit der Führungsposition. Diese gilt es in der

Die deutsche Antriebstechnik glänzt mit der Führungsposition. Diese gilt es in der Elektromobilität noch zu erobern (Bild: LVDESIGN - Fotolia.com)

LANDSBERG (pd).  Es braucht einen Markt, um Elektromobilität erfolgreich einzuführen. Den hat China. Er ist nicht nur riesig und schnell wachsend, sondern wird auch noch subventioniert. Ferner verfügt das asiatische Land über die Kontrolle wichtiger Rohstoffe wie Lithium für Batterien sowie Seltener Erden für Elektromagnete und zusätzlich noch über niedrige Lohnkosten. „Doch die besseren Autos bauen immer noch wir“, hält Professor Jörg Franke vom Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik der Universität Erlangen-Nürnberg dagegen.

Diese Meinung vertritt er nicht allein. Seitens des VDMA räumt man zwar ein, dass die Ausgangslage im Vergleich zu westlichen Volkswirtschaften in Teilaspekten wie Batterieentwicklung und Zweiradfertigung durchaus besser sein möge. „Doch der Weg zur technologischen Reife marktfähiger Fahrzeuge ist lang. Hybridsysteme werden dabei eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, so dass Führungspositionen in der konventionellen Antriebstechnik mittelfristig durchaus noch tragen“, erklärt Dr. Walter Begemann, Projektleiter E-Motive in der Forschungsvereinigung Antriebstechnik. Begemann sieht die deutsche Industrie in den relevanten Bereichen der Antriebs-, Produktions- und Energietechnik weltweit führend. „Von großem Vorteil ist ebenso das in allen beteiligten Industriezweigen vorhandene Know-how der Technologieintegration bei der Entwicklung komplexer Systeme.“

Weitere Vorteile im Speziellen und für die Elektromobilität von Relevanz sieht Franke „im Fahrzeug in der Leistungselektronik und auch in der Infrastruktur, das heißt in der Energieerzeugung, deren Übertragung und Verteilung“. Franke denkt dabei vor allem an den Zeitpunkt, die Energie kontaktlos ins Fahrzeug zu übertragen, „vielleicht sogar beim Fahren“. Entwicklungspotenzial sieht er noch beim elektrischen Speicher hinsichtlich Leistung, Energiedichte und Kosten. „Vielversprechend sind jedoch auch die neu oder wieder aufkommenden Motorentopologien wie Transversal-/Axialfluss-, Synchron-Reluktanz-Motoren, Integration der Elektronik und die komplett neuen Fahrzeugkonzepte wie CFK-Karosserie oder Radnabenmotoren.“

Um die gute Ausgangslage nicht zu verspielen, fordert Professor Achim Kampker, WZL der RWTH Aachen, von der Industrie Geschlossenheit und Tatendrang. Denn den Chinesen gehe es nicht nur darum, Autos zu bauen. So könne die komplette Ausrüstungsindustrie nach China abwandern. „Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Das ist das erste Feld, wo es den Chinesen gelingen könnte, uns tatsächlich als Technologieführer abzuhängen. Deshalb müssen wir uns auf die Hinterbeine stellen, um ein gehöriges Wort mitzureden. Und das geht nur gemeinsam.”