„Wir müssen hin zu einem aktiven Energiemanagement.“ Philip Dingle, Segment Manager Power

„Wir müssen hin zu einem aktiven Energiemanagement.“ Philip Dingle, Segment Manager Power Utilities and Networks, Eaton Corporation.

Sabine Spinnarke

Welche Folgen hat Ihrer Meinung nach die Energiewende?

Philip Dingle, Segment Manager Power Utilities and Networks, Eaton: In Zukunft wird Energie zunehmend regional erzeugt werden, beispielsweise in Wind- oder Solaranlagen. Um der Zuladung standhalten und die Energie an ihren Bestimmungsort transportieren zu können, müssen nicht nur die Hochspannungs-, sondern auch die Nieder- und Mittelspannungsnetze ausgebaut werden, wie die Netzausbaustudie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft zeigt. Danach fehlen rund 195 000 Kilometer Verteilernetz. Da die lokale Erzeugung des Energiemixes und der lokale Energieverbrauch sich ständig ändern ist es entscheidend, Kontroll- und Steuerungsfunktionalitäten in die Leitungen zu integrieren. In der Vergangenheit wurde das nicht getan.  

Sie plädieren für „Micro Smart Grids“ ?

Um lokale Micro Smart Grids zu schaffen, müssen natürlich mehr Investitionen in diesem Bereich getätigt werden. Denn erst wenn die lokalen Netze gut funktionieren, wird die Nachfrage nach zentraler Energieversorgung sinken.   Wie nutzt man schwankende Energiequellen sinnvoll? Natürlich ist die dezentrale Energieerzeugung weniger steuerbar. Deswegen wird auch die Anzahl an Energiespeichern deutlich zunehmen. Allerdings brauchen wir zunächst lokale Steuerungssysteme, die dafür sorgen, dass überschüssige Energie gespeichert wird, wenn der Wind gerade weht oder die Sonne gerade scheint. Zu Spitzennachfragezeiten kann die gespeicherte Energie dann genutzt werden. So wird schließlich die Nachfrage nach Energie aus Kohle- und Ölkraftwerken sinken.

Wie sieht ein Energiemanagement für energieintensive Industrien aus?

Beispielsweise durch die Kombination von USV, Smart-Metering-Systemen wie Power Xpert und Kraft-Wärme-Kopplung. All diese Dinge spielen eine Rolle in Bezug auf lokale Netzwerke, die entweder von den Verteilernetzbetreibern selbst oder auch Unternehmen betrieben werden. Beispielsweise könnten größere Universitäten oder Krankenhäuser ein eigenes Micro Smart Grid aufbauen. Da in diesen Fällen eine große Nachfrage nach Wärme besteht, kann es zum Beispiel sinnvoll sein, Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen. Derzeit werden Energiemanagementsysteme entwickelt, die mit lokalen Micro Smart Grids verbunden sind und einen Netzwerkausgleich ermöglichen werden. Das Lastmanagement liegt derzeit noch in den Händen der Verteilernetzbetreiber. Allerdings geht es dabei bislang mehr um eine Entlastung, als um ein aktives Management der variablen Energieerzeugung und des Verbrauchs. Genau da müssen wir aber hin.

Müssen neue Energieverteilungstechnologien entwickelt werden?

Energieverteilungsschaltanlagen sind ein relativ reifer Markt. Hier kann es höchstens darum gehen, auf SF6-freie Schaltanlagen umzustellen. SF6 wird zur Isolation von Schaltanlagen genutzt, wobei die Emissionen des Gases aus Schaltanlagen mit zum Treibhauseffekt beitragen. Auf dem Markt sind absolut gleichwertige und nachhaltigere Alternativen erhältlich. Zudem muss in Bezug auf die Verteilungsschaltanlagen mehr in Messgeräte, Kontroll- und Steuerungsfunktionalitäten investiert werden. Es existiert zwar bereits eine Reihe von Technologien in diesem Bereich. Allerdings müssen diese für den Massenmarkt weiter entwickelt werden. Der innovativste Bereich sind die Softwareanwendungen, die es ermöglichen, dass das Netz intelligent – also zum „smart grid“ – wird.

Kann Eaton Erfahrungen aus anderen Märkten einbringen?

Ja, natürlich. Bei Eaton bündeln wir unsere Expertise über Ländergrenzen hinweg. Zum Beispiel wird das xComfort-System in über 25 Ländern eingesetzt. Mit dem  System wird der Energieverbrauch auf eine vollkommen neue, dynamische Art gesteuert. Die xComfort-Funktechnologie bildet gemeinsam mit dem „smart meter“ die Datenzentrale für die Erfassung der individuellen Energieverbräuche. Die verschiedenen Geräte von Eaton messen, visualisieren und regeln dabei den Energieverbrauch. Wenn die intelligenten Energiezähler direkt mit den Energieversorgern kommunizieren können die Endverbraucher von flexiblen Tarifmodellen profitieren oder auch Strom aus erneuerbaren Energiequellen einspeisen. Das ist das aktive Management des Energieverbrauchs, das im Rahmen einer dezentralen Energieversorgung benötigt wird.

Vita

Philip Dingle, Segment Manager Power Utilities and Networks, Eaton Corporation studierte Elektronik an der Huddersfield University in Großbritannien, bevor er einige Jahre bei Schneider Electric u. a. als Business-Unit-Manager und Produkt-Manager tätig war. Seit 2002 ist er bei Eaton für Nieder- und Mittelspannungs-Systeme zuständig.