Bild: Arcyd - Fotolia.com

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Mit “Pöttinger Papier-Pappe” ist dem Künstler ein Glanzstück des neo-surrealen Minimalismus geglückt. Eine Hommage an Beckett verspielt andeutend, harpuniert der Künstler dennoch das Auge des Betrachters sehnervtötend in einer Art und Weise, die seit den Zeiten eines Giacomo Canelloni schon als für immer der Vergessenheit anheim gefallen galt.

Nichtsdestotrotz offenbart sich die dem Werk innewohnende, augenzwinkernd-verschmitzte Symbolik des Genius Loci. Dieser Gegenstand scheint abgesandt zu sein aus der mystischen Welt Hogwarths. Flammt da nicht spätestens jetzt der Gedanke auf an Harry Pöttinger, den Zauberlehrling? An ihn, dem es gelingt, aus unscheinbarer Pappe und unschuldig holzfreiem Papier containerweise redaktionellen Content zu erschaffen für Webseiten und Specials, für Newsletter und Blogs?

Aber gerade hierin steckt auch eine bipolare Tücke:
“Pöttinger Papier-Pappe” ist denn auch zweifellos ein Werk der Fotografie 3.0. Es durchtrennt radikal die Nabelschnur konventioneller Sehgewohnheiten. Es ist kantig. Es ist rostig. Es ist schmutzig. Es ist wie Kabul und Al-Kaida. Es klagt an. Es rechnet ab mit Öko-Romantik und Gutmenschentum.

Und deshalb ist es wichtig.