Bild: Undine Aust / Fotolia

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Sie haben eine Dreiviertelstunde einem Redner aufmerksam zugehört. Nun ist der Vortrag beendet. „Gibt es dazu noch Fragen?“ will der Vortragende wissen. Geben Sie es zu, in den meisten Fällen werden Sie den Finger nicht heben. Warum?

Zunächst einmal wegen der Formulierung. Durch das „noch“ klingt sie nach: „Ich habe ja alles umfassend dargestellt, wollen Sie etwa auch noch etwas wissen?“ – auch, wenn es sicher nicht so gemeint ist.

Und dann wegen der Situation. Die kennen Sie. Und zwar sehr gut. Hat nicht auch der Lehrer am Ende der Stunde immer wissen wollen, ob alles verstanden wurde und es noch Fragen gibt? Und was geschah? Das Gros der Schüler blickt unauffällig auf das Pausenzeichen und versank halb unter der Bank, um sich möglichst unauffällig zu machen. Nur der Klassenbeste oder der Frechste stellten garantiert noch eine Frage – die oft eine bis in die Pause hineinreichende Erklärung des Lehrers nach sich zog.

Das sitzt. Das steckt drin. Und auch wenn man als Zuhörer noch so motiviert ist, kommt man von dieser frühen Prägung doch nie so ganz los. Auch wenn man es als Profi auf seinem Gebiet nie zugeben würde.

Übrigens: Klassenbeste gibt es bei Vorträgen auch heute noch. Das sind dann jene, die nicht eine sondern gleich vier Fragen stellen. Oder meinen, den Redner korrigieren zu müssen.

von Susanne Bader