Klaus Findling, Geschäftsführer der Findling Wälzlager GmbH

Klaus Findling, Geschäftsführer der Findling Wälzlager GmbH

Herr Findling, der Auftragseingang Ihres Unternehmens liegt derzeit über dem von 2008. Demnach hat sich die Wirtschaftslage für Sie schon mehr als nur erholt!?

Es ist richtig – der derzeitige Auftragseingang liegt tatsächlich über dem Durchschnitt von 2008. Das stellt uns vor massivste Probleme. Natürlich konnten auch wir nicht erahnen, dass es genauso schnell wieder bergauf geht, wie es für uns auch bergab ging. So haben wir in der Zeit vom Januar 2009 bis Juni 2009 50% unseres Umsatzes eingebüßt. Dann ging es bis September wieder zügig bergauf, doch in der Winterzeit war das Geschäft wieder leicht rückläufig, bzw. stagnierte. Seit Februar geht es rapide bergauf, so dass wir im Juni ein Umsatzplus von 100% erreichten – etwas in 90-jähriger Unternehmensgeschichte Einmaliges.

Wie viel Prozent liegen Sie derzeit beim Auftragseingang über 2008 bzw. über 2009?

Unser Rahmenauftragsbestand ist derweil sehr konstant – ein deutliches Zeichen dafür, dass es sich noch nicht um einen dauerhaften bzw. langfristig erwarteten Aufschwung handelt. Es ist also noch immer Vorsicht walten zu lassen. Die Kunden sind selbst nach den jüngsten Erfahrungen noch stark verunsichert. In der Krise wurden selbst als sicher und fest gedachte Aufträge storniert, mit erheblichen Folgen – und daher traut man sich auch heute nicht mehr, längerfristige Planungen aufzustellen. Für uns bedeutet das: Wir müssen noch stärker in Vorleistung treten, was Lagerbestand und Kapazitätsplanungen betrifft. Nicht umsonst haben wir unsere Lager- und Umschlagskapazitäten erweitert und führen derzeit die beleglose Kommissionierung ein.

Woran machen Sie den Aufschwung bei Ihrem Unternehmen fest?

Zu allererst mache ich es an der guten Vertriebsarbeit unserer Kunden fest. Solange diese keine Aufträge erhalten, können wir davon auch nicht profitieren. In dieser Hinsicht bin ich stolz auf deren Leistung. Auf der anderen Seite mussten wir auch unsere eigenen Hausaufgaben machen: Wir haben keine Entlassungen vorgenommen, haben unsere Lagerbestände soweit notwendig reduziert, aber noch ausreichend Reserven gehabt, um dieses Wachstum unserer Kunden mitmachen zu können. Und nicht zuletzt: Wir haben uns ebenfalls verstärkt um Neukundengeschäft gekümmert, unser Sortiment ausgebaut und Partnerschaften zu unseren Technologielieferanten und Werken gestärkt. Leider lässt uns so mancher Hersteller am langen Arm verhungern, weil man in der Produktion mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann. Da scheinen die europäischen Hersteller stärker unter der Krise gelitten zu haben als die japanischen, koreanischen und chinesischen Werke.

Stehen Sie derzeit besser da als Ihre Branche bzw. der Wettbewerb?

Ich würde mich freuen, wenn es den anderen Anbietern ähnlich gut gehen würde. Wir Unternehmer hatten eine gesellschaftliche Aufgabe zu bewältigen und dies scheint gelungen zu sein. Ob wir als Unternehmen besser dastehen als andere ist da zweitrangig – Hauptsache die Gesellschaft gewinnt wieder Vertrauen in die Sicherheit der Arbeitsplätze und die Loyalität der Unternehmer.

Kommt der starke Auftragseingang aus speziellen Branchen oder vielmehr aus speziellen Ländern bzw. Regionen zustande?

Es gibt Branchen, die deutlich schneller wachsen, doch der Weg zurück zur Normalität ist auf breiter Front festzustellen. Insbesondere die Automobilwirtschaft treibt so manchen unserer Kunden den Schweiß auf die Stirn. Das betrifft aber nicht nur die Wälzlager, die in Automobilen direkt verbaut sind – hier liefern wir ja an diverse Second-Tier Anbieter – sondern auch die Automatisierungstechnik ist wieder gefragt.

Aus welchen Branchen kommt die stärkste Nachfrage?

Wie sollte es anders sein: alles was mit Export zu tun hat! Im Getriebebau sind wir bekanntermaßen sehr stark vertreten, dann kommt die Automatisierungstechnik und Medizintechnik, aber auch Konsumgüter sind stark nachgefragt. Bei den Landmaschinen und Druckmaschinenherstellern scheint es dagegen noch nicht so richtig zu laufen.

Wie ist Ihre weitere Prognose für 2010?

Der Sommer ist bereits da und er ist sehr heiß. Wir werden wohl unsere Klimaanlagen dieses Jahr sehr gut brauchen können, damit wir unsere Aufträge pünktlich abgearbeitet bekommen.

Welche Entwicklung erwarten Sie für das Jahr 2011?

Unser Know-how haben wir mit der eigenen Entwicklung eines Leistungsprüfstands für Wälzlager gestärkt. Diesen werden wir gezielt einsetzen, um Kunden und Interessenten von der Leistungsfähigkeit unserer Produkte und Dienstleistungen zu überzeugen. Allein daraus generieren wir ein eigenständiges Wachstum. Daher haben wir auch schon jetzt wieder die Möglichkeit, neues Personal im Bereich der technischen Anwendungsberatung und Key-Account einzustellen.

www.findling.com