„Prozessanlagen in der Halbleiter-Industrie werden heutzutage an die Mindestanforderungen des

„Prozessanlagen in der Halbleiter-Industrie werden heutzutage an die Mindestanforderungen des Produktionsprozesses angepasst“, Michael Hummel, Manager der Freisinger Wafer Fab von Texas Instruments.

Sieht man ‚German Overengineering‘ -Lösungen noch in modernen Fabs?

Der Trend bei den meisten Consumer-Produkten geht eindeutig hin zu weniger Komplexität und möglichst einfacher Bedienung. Dies setzt allerdings voraus, dass das ‚Innenleben‘ der Produkte intelligenter wird, was wiederum zu einer enormen Zunahme der Komplexität der mikroelektronischen Bausteine führt. Damit steigen die Anforderungen an die Herstellprozesse und damit auch die an die Produktionsstätten ebenfalls kontinuierlich. Sich diesem Wettbewerb erfolgreich zu stellen bedeutet, in zunehmendem Maße Just-Enough-Technologien überall dort einzusetzen, wo vormals durch Überfunktionalität und Over-Engineering bestimmte Lösungen die Kostenstrukturen unnötig belastet haben.

Ist nicht gerade die Halbleiter-Fertigung besonders sensibel?

Seit Anbeginn der Halbleiter-Industrie wurden in diesem Bereich nur die anspruchsvollsten und umfassendsten Lösungen in Bezug auf Produktionsanlagen und Fabrikautomation zum Einsatz gebracht – Entwicklungskosten und Implementierungskosten dieser Anlagen spielten dabei über einen langen Zeitraum eine nachgeordnete Rolle, was angesichts der Herausforderungen bei der Herstellung von Strukturen in der Größenordnung von wenigen millionstel Millimetern verständlich erscheint.

….trotz der hohen Kosten…?

…In dem Maß, in dem diese hochkomplexen Bausteine ihren ursprünglichen Einsatzbereich in hochkomplexen Großrechnern verließen und Einzug hielten in nahezu allen Bereichen unseres täglichen Lebens – sei es im Mobiltelefon, im Automobil oder im modernen Flachbildschirm – nahm jedoch auch der Druck auf eine kontinuierliche Reduktion der Herstellkosten zu und in letzter Konsequenz mussten sich damit auch die Ansprüche der Ingenieure an die Perfektion der Produktionsanlagen und der Automationslösungen anpassen. Wo früher Millionen Euro teure, maßgeschneiderte Prozess-Equipments eingesetzt wurden, die bis ins letzte Detail auf die darauf zu fahrenden Prozesstechnologien angepasst waren, werden heute in vielen Bereichen gebrauchte Prozessanlagen beschafft, die dann mit Hilfe der Anlagenhersteller und der hauseigenen Ingenieure auf die Mindestanforderungen des Produktionsprozesses angepasst werden müssen.

…heißt es jetzt just-enough statt High-end?

Wo früher Millionen Euro teure Prozess-Equipments eingesetzt wurden, die bis ins letzte Detail auf die darauf zu fahrenden Prozesstechnologien angepasst waren, werden heute in vielen Bereichen gebrauchte Prozessanlagen beschafft, die dann mit Hilfe der Anlagenhersteller und der hauseigenen Ingenieure an die Mindestanforderungen des Produktionsprozesses angepasst werden müssen.

Welche Automatisierungslösungen werden bevorzugt?

Auch die Fabrikautomation, bei der die Halbleiter-Industrie traditionell auf Komplettlösungen gesetzt hatte, bei denen Roboter den Transport sowie das Be- und Entladen der Halbfabrikate durch die Produktion bewerkstelligen, hat sich diesem Trend nicht verschließen können. Vor allem in älteren Chip-Fabriken ist die Nachrüstung von robotergestützter Automation meist unmöglich. Hier bewerkstelligen heute eigens geschulte Mitarbeiter mit Hilfe von speziellen Transportwägen den Fluss der Halbfabrikate durch die Produktion.

Bedeutet dies ein Zurück zur Handarbeit?

Diese manuelle Lösung ist nicht nur günstiger als die maschinelle High-End Automation, sondern gleichzeitig auch wesentlich flexibler. Es gibt heute zunehmend Bereiche in der Halbleiterfertigung, in denen vormals unverzichtbare High-Tech-Lösungen durch maßgeschneiderte und zumeist wesentlich einfachere und weniger komplexe Just-Enough-Lösungsansätze verdrängt werden.