Christian Klostermann, Klostermann GmbH: „Neue Technologien ermöglichen messtechnische Analysen,

Christian Klostermann, Klostermann GmbH: „Neue Technologien ermöglichen messtechnische Analysen, die vor 10 Jahren noch undenkbar waren.“

Die Klostermann GmbH hat sich auf die 3D-Messtechnik spezialisiert und bietet hierzu Maschinen, Service und Lohnmesstechnik an. Was sich auf diesem Gebiet tut, berichtet Prokurist Christian Klostermann.

Sabine Spinnarke

Herr Kostermann, was macht die Firma Klostermann?

Zum einen verkaufen wir 3D-Messmaschinen; darüberhinaus bieten wir als akkreditiertes Unternehmen Service-Dienstleistungen für Messmaschinen an und zum anderen erbringen wir messtechnische Dienstleistungen, sprich Lohnmesstechnik.

Was sind die typischen Aufgabenstellungen die Ihre Kunden Ihnen entgegentragen?
Es sind immer komplexe Aufgabenstellungen, die an uns herangetragen werden. Das Teilespektrum ist dabei sehr vielfältig: Angefangen von sämtlichen Automotive-Bauteilen wie Motorenkomponenten, Sitzgestellen oder Dekorelementen aus dem Fahrzeuginnenraum bis hin zu Turbinenschaufeln, Getränkedosen, oder medizintechnischen Bauteilen. Wir erstellen Erstmusterprüfberichte; durchstrahlen Bauteile mittels CT oder führen für unsere Kunden prozessbegleitende Serienmessungen mit hunderten von Bauteilen durch.
Haben sich die Einsatzgebiete der 3D-Messtechnik verändert, wenn ja, wodurch?
Die Qualitätsanforderungen werden immer höher. Produkte werden in immer kürzeren Entwicklungszeiten auf ‚marktfähig‘ getrimmt. Wir müssen uns mit geringen Spaltmaßen, feineren Oberflächen, passgenaueren Komponenten immer mehr abgrenzen gegenüber dem Wettbewerb aus dem Rest der Welt. Somit steigen die Qualitätsanforderungen immer weiter.
Das ist hart, auch für Ihre Kunden…?
Unsere Kunden haben zum Teil mit extrem engen Toleranzen zu kämpfen.

Haben sich die technischen Möglichkeiten der Messtechnik verändert?

Neue Technologien ermöglichen messtechnische Analysen, die vor 10 Jahren noch undenkbar waren. Ich denke hier an optische Digitalisiersysteme und die industrielle Computertomografie. Die rasante technische Entwicklung in diesen Bereichen zeigt, was da noch möglich ist. Haben wir vor 8 Jahren für das Postprocessing einer Punktewolke der Größe von vielleicht 200 MB noch eine Rechenzeit von mehreren Stunden benötigt, so erledigt dies ein heutiges PC- System bei dreifacher Größe (600 MB) in wenigen Minuten.
Was kann man an Hand der Punktewolke erkennen?
Die 3D-Punktewolke beispielsweise eines Kunststoff-Spritzgussteils zeigt Unregelmäßigkeiten und Lunker (Lufteinschlüsse). Wenn ein Kunststoffteil Poren aufweist an Stellen, die vollkommen unkritisch sind, dann ist es nur gut zu wissen, dass sie da sind. Erkennt der Kunde aber beispielsweise im Verbauversuch, dass Rasthaken beim Zusammenbau abbrechen, dann können wir in ‚3D‘ darstellen, wieso das so ist; weil genau an diesen Stellen auch Poren im Werkstoff vorhanden sind.

Obwohl ihre Kunden häufig eigene Messmaschinen haben, kommen Sie zu Ihnen?

Kapazitätsengpässe machen häufig einen Dienstleister erforderlich. Aber Kunden kommen auch mit Spezial-Anwendungen zu uns. Wir halten auf allen Messmaschinen umfangreiche Software-Ausstattungen vor, zum Beispiel Schnittstellen zu allen gängigen CAD-Formaten. Dies würde sich bei unseren Kunden nicht amortisieren. Zudem können wir mache Aufgabenstellungen mit einer Kombination unserer Technologien schneller lösen, als nur mit einer Messmethode. Wir sind Ansprechpartner für alle messtechnischen Anforderungen, die auf einer technischen Zeichnung stehen. Wir bieten zum Beispiel auch REM-Analysen (Rasterelektronen-Mikroskop), Hochpräzisions-Schliffe als auch Werkstoffanalysen an.

Was war bislang Ihre kniffeligste Messaufgabe?

Wir arbeiten häufig unter strikten Geheimhaltungsvereinbarungen,

weil wir Produkte messtechisch bearbeiten, die erst in vielen Monaten auf dem Markt erhältlich sind oder in den nächsten Automobil-Generationen verbaut werden. Dennoch kann ich von einem Beispiel erzählen: Es ging hierbei um Wendeschneidplatten, die von 4 Seiten gemessen werden müssen. Mit ein paar Spezial-Prismen in einer bestimmten geometrischen Anordnung konnten wir realisieren, dass man die Wendeschneidplatte von allen vier Seiten messen kann – in nur einer einzigen Aufspannung und mit nur einer Kamera, die senkrecht von oben auf das Bauteil schaut.

…Ihre originellste Spannvorrichtung?

Beim Thema Spanntechnik geht es in nicht erster Linie um die professionellste Lösung, sondern darum eine sichere und vor allem schnelle Spannvorrichtung zu finden. Bei unseren optischen Multisensor-Messmaschinen setzten wir oftmals LEGO als Spannsystem ein. Für berührungsfreies Messen ist das transparente Kunststoff-Spielzeug bestens geeignet.

Klostermann ist Aussteller auf der Control: Halle 5, Stand 5204 und Halle 1, Stand 1110