Peter Heiligensetzer, Inhaber und Geschäftsführer der MRK-Systeme GmbH in Augsburg.

Peter Heiligensetzer, Inhaber und Geschäftsführer der MRK-Systeme GmbH in Augsburg.

von Annika Mentgen

Herr Heiligensetzer, Ihr Unternehmen steht nicht nur im wörtlichen Sinn für die Mensch-Roboter-Kooperation. Was bieten Sie dem Markt in dieser Richtung an?

Wir haben eine neue Art von Roboter entwickelt: den KR 5 SI, der von einer Schaumstoffschutzhülle umgeben ist. Er lässt die direkte Zusammenarbeit von Roboter und Mensch zu – ganz ohne aufwändige Sicherheitstechnik wie Lichtschranken oder Laserscanner und noch dazu normenkonform. In den Schaumstoff eingearbeitete kapazitive Näherungssensoren führen zu einer sofortigen Geschwindigkeitsreduzierung, sobald der Mensch sich dem Roboter nähert. Kommt es zur Kollision, stoppt der Roboter sofort. Zum zweiten haben wir die SafeGuiding Technologie entwickelt, die es dem Menschen ermöglicht, den Roboter manuell und sicherheitsgerichtet zu führen.

Wie kann ich mir das in der Praxis vorstellen?

Durch eine einfache Teach-In-Hilfe, bei der der Roboter über einen an der Roboterhand befestigten Sensor intuitiv „durch Anfassen“ bewegt werden kann, lässt sich die Bewegungsprogrammierung besonders bei umfangreichen Programmen und hoher Variantenvielfalt sehr effizient und einfach gestalten.

Ihr Unternehmen gibt es ja erst seit 2004. Konnten sich Ihre Produkte bereits im praktischen Einsatz bewähren?

Ja. Einige Modelle des KR 3 SI, das Vorgängermodell des KR 5 SI, sind seit Jahren in der Automobil-Zuliefer-Industrie erfolgreich im Einsatz. SafeGuiding wird zum Beispiel in der Montagetechnik, der Gießereitechnik und auch im Automobilbau eingesetzt. Außerdem sind wir an dem aktuellen Forschungsprojekt ‚CustomPacker‘ als Entwicklungspartner beteiligt und setzen dort ebenfalls die Produkte ein.

Worum geht es bei diesem Forschungsprojekt?

Ziel des EU-Projektes ist es, für den Endkunden Loewe ein Verpackungssystem mit einem Roboter für schwere Fernsehgeräte zu kreieren. Mensch und Roboter sollen dabei nicht mehr nur nebeneinander, sondern miteinander arbeiten, sich gegenseitig unterstützen. Das Projekt ist sehr international angelegt und wird im Herbst 2013 seinen Abschluss finden.

Warum möchte Loewe eine Lösung, bei der Mensch und Roboter so eng zusammenarbeiten?Schließlich ist das noch nicht Stand der Technik…

Loewe verspricht sich von der direkten Mensch-Roboter-Kooperation Steigerungen bei Taktzeit und Flexibilität. Die Produktionslinie soll schneller, interaktiver werden. Aktuell verpackt bei Loewe in der Fertigung ein Roboter vollautomatisch die schweren Fernsehgeräte in Kartons. Danach fährt er zurück auf seine Parkposition. Erst dann kann der Mitarbeiter den Arbeitsraum des Roboters betreten und beispielsweise eine Fernbedienung oben in den Karton dazu legen. Der Mitarbeiter faltet den Karton zu, gibt ihn für den Weitertransport frei. Dieser ganze Prozess ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach zu langsam und für den Mitarbeiter körperlich zu anstrengend. Das will Loewe mit Hilfe einer Mensch-Roboter-Kooperation lösen, die wir gemeinsam mit unseren Entwicklungspartnern in dem Projekt CustomPacker aktuell entwickeln.

An welcher Stelle kommen Ihre Produkte in dem Forschungsprojekt zum Einsatz?

Bei dem Endkunden Loewe und dem relevanten Verpackungsprozess können wir unsere Technologien an zwei Stellen einsetzen: Bei der Handhabung der schweren TV-Geräte im direkten Arbeitsumfeld mit dem Mitarbeiter, zum anderen schon im Vorfeld des Verpackungsprozesses beim Falten der Kartons. Dies geschieht bisher ausschließlich manuell, die Mitarbeiter schneiden sich an den scharfen Kanten der Kartons häufig. Auch an dieser Stelle kann der KR 5 SI sinnvoll integriert werden. Bei Projektabschluss im Herbst 2013 werden wir dann hoffentlich eine intelligente und ausgereifte Mensch-Roboter-Interaktion bei Loewe erleben.

Vielleicht auch später außerhalb der Konsumgüterbranche?

Generell wäre das natürlich denkbar. Allerdings haben wir es in der Konsumgüterbranche mit weitaus höheren Stückzahlen als im industriellen Umfeld zu tun. Aber adaptierbar auf stückzahlreiche Industriegüter wird die Lösung auf jeden Fall sein. Im Zusammenhang mit Mensch-Roboter-Kooperation werden häufig auch die kleinen und mittleren Unternehmen genannt.

Werden diese auch eine Zielgruppe dieser zukunftsweisenden Verpackungstechnologie sein?

Auch hier gilt: Generell ja. Und auch hier gibt es ein Aber: Kleine und mittlere Unternehmen haben oftmals keine Erfahrung mit Robotertechnik und ein gewisses Maß an Angst oder Respekt vor dieser Technik. Darum werden meiner Ansicht nach zunächst vornehmlich größere Firmen die Lösung einsetzen.