"Wir adaptieren das, was der PC besser kann, in die Hardware der SPS", Dipl.-Ing. Jürgen Pulcher, Regionalleiter Nord, Mitsubishi Electric (Bild: Mitsubishi Electric).

Sabine Spinnarke

Welche Strategie verfolgt Mitsubishi in der Steuerungstechnik
Mitsubishi Electric ist Hersteller klassischer speicherprogrammierbarer Steuerungen. Wir gehen nicht den Weg einiger Mitbewerber, unsere Automatisierungstechnik auf Basis einer PC-Plattform aufzubauen. Wir sehen jetzt und in Zukunft die Überlegenheit der sehr speziellen Hardware einer klassischen SPS gegenüber dem PC-System.

Wohin geht die Entwicklung?
Die Steuerungsplattform der Zukunft wird meiner Meinung nach bestimmt werden durch eine Anpassung dieser spezifischen Hardware im industriellen Bereich an die Möglichkeiten der modernen IT-Technologie. Auf Basis der hochverfügbaren SPS-Hardware werden neue Schnittstellen geschaffen, die den Nachteil der nicht vorhandenen PC-Software ausgleichen sollen, zeitgleich aber den Vorteil einer belastbaren industriellen Hardware erhalten werden.

SPS oder PC…?
SPS und PC stehen sich in zwei Lagern gegenüber. Wir sehen einen großen Wachstum bei den PC-Lösungen, die ausgestattet mit Echtzeit Betriebssystemen und Soft-SPS immer weiter in die Welt der Automatisierung dringen, die aber von ihren Wurzeln her der SPS gegenüber im Nachteil bleiben, weil sie nicht die gleiche Verfügbarkeit bieten. PC-Lösungen sind grundsätzlich kurzlebiger und unzuverlässiger im industriellen Einsatz.

Und die Vorteile der PC-Technologie…?
Wir adaptieren das, was der PC besser kann, in die Hardware der SPS; das umfasst die Anbindung an ERP-Systeme über spezielle Baugruppen, die schnellen Datenverkehr gewährleisten, wir verfeinern den Durchgriff in die Maschinen durch MES-Lösungen. Wir haben die Möglichkeit auf Steuerungsebene mit unserer speziellen Hardware inhomogene Feldbusnetze zu vereinen, die Daten hier aufzubereiten und ans ERP System zu leiten. Bisher war die Aufarbeitung dieser Daten den PCs vorbehalten, wenn es aber darum geht, Daten in der Fertigung zu verfolgen, ist die Steuerung von Vorteil. Auf ihr laufen die Daten sehr schnell und sicher, daher glauben wir, dass die Entwicklung auf jeden Fall auch weiterhin in diese Richtung gehen wird.

Welche Bussysteme unterstützen Sie?
Mitsubishi Electric ist als Global Player auf allen Märkten aktiv und daher bestrebt, die wichtigsten Kommunikationsstandards anbieten zu können. Dabei arbeiten wir grundsätzlich auf Basis von Ethernet, übernehmen dann aber die Anpassung verschiedener Protokolle wie EtherCAT oder Profinet.

Wie sieht die Anbindung an übergeordnete Systeme aus?
Grundsätzlich sehen wir die hochverfügbare Hardware in der Produktion, um dort die Fertigungsprozesse am Laufen zu halten. Wir koppeln die Automatisierungsplattform nicht an das Prozessleitsystem an, gemäß der Mitsubishi-Electric-Philosophie gibt es eine klare Trennung zwischen PC und Feldebene.

…dort läuft dann ein PC?
Auf oberster Ebene läuft das PC-basierte Leitsystem, darunter befindet sich die eigentliche Automatisierungsplattform. Der PC könnte durch seine hohe Rechenleistung auch dort viele weitere Aufgaben übernehmen, wir aber nutzen die genauso geeignete Steuerung dafür: unsere Steuerungsplattform ‚iQ Platform‘, hat mehrere CPUs an Bord und übernimmt sowohl IT- als auch Motion-Funktionalitäten, desweiteren läuft der Roboter-Controller auf dem gleichen System. Wir vermeiden auf diese Weise zusätzlichen Aufwand, um Schnittstellen abzugleichen. Zwischen den einzelnen Komponenten gibt es kein Nadelöhr, die Kommunikation läuft über einen sehr starken Rückwandbus. Diese Strategie werden wir auch in Zukunft verfolgen, und immer mehr Funktionalitäten vereinen.
Ist ein Umstieg auf eine integrierte Steuerungsplattform nicht extrem kostspielig?
Wenn ein Hersteller im Serienmaschinenbau ein funktionierendes System, das aus Komponenten verschiedener Hersteller besteht, auf dem Markt hat, wird er es kaum ändern wollen.

Ab wann lohnt sich denn dann Ihrer Meinung nach ein Umstieg?/strong>
Wenn er eine neue Maschine auflegt, eine neue Motion benötigt oder einen Industrie-PC für sein Rezepthandling verwenden möchte, dann bedeutet dies einen Eingriff ins Gesamtsystem. Das ist der Punkt, an dem er sämtliche Vorteile eines integrierten Systems nutzen kann. Damit vermeidet er den Aufwand, die Komponenten verschiedener Hersteller aneinander anpassen zu müssen, er kann neben den eigentlichen Steuerungsfunktionen seine Robotik und Bewegungsachsen steuern, PC-Funktionalitäten nutzen und hat nur einen Ansprechpartner. Der gesamte Schaltschrankaufbau wird vereinfacht, die Programmierung durchgängig, was alles in allem Kosten reduziert.
Wir sind der einzige Anbieter, der von Motion-Control bis zur Robotik alles anbieten kann: wir haben auf unserer Automatisierungsplattform auch die Robotik integriert. Unsere Wettbewerber produzieren selbst keine Roboter und sind deshalb auf offene Schnittstellen angewiesen, in Folge hat auch der Kunde wieder mehrere Ansprechpartner.

Jürgen Pulcher
Dipl.-Ing. Jürgen Pulcher studierte Elektrotechnik an der Universität Duisburg. Seit 1987 ist er für Mitsubishi Electric tätig. Zu seinen Stationen im Unternehmen gehört u.a. die Leitung des Systemengineering. Momentan leitet er die Region Nord im Bereich Factory Automation.

aus Produktion Nr. 28, 2011