Jean-Marie Amann,  Schneider Electric:

Jean-Marie Amann, Schneider Electric: "Im Maschinenbau wird es immer schwieriger, Fachpersonal mit hoher Automatisierungskompetenz vorzuhalten."

von Sabine Spinnarke

Wohin zielt Ihre Entwicklung der Steuerungstechnologien?
Wir setzen den Schwerpunkt unserer Entwicklungsaktivitäten der nächsten Jahre dediziert auf zwei Bereiche: zum einen auf die Wei-terentwicklung der integrierten Softwarepakete, die wir bereits erfolgreich auf dem Markt platziert haben und zum anderen auf Transparenz und Offenheit.

Welche Rolle wird die Software in Zukunft spielen?
Bei der Erstellung von Software geht es heutzutage nicht mehr um reine Programmiersoftware, sondern um Softwarepakete, mit deren Hilfe der Anwender den kompletten Zyklus seiner Anlage realisieren kann, von der Planung über das Engineering und die Inbetriebnahme bis hin zum störungsfreien permanenten Betrieb. Im Maschinenbau kann der Anwender mit unserer Software SoMachine auf einer einzigen Plattform die Visualisierung, die Inbetriebnahme und die Programmierung durchführen. In der Prozess- und Anlagentechnik werden wir mit SoCollaborative Engineering das vollintegrierte Engineering Schritt für Schritt weiter ausbauen.

Handelt es sich um Schneider-Electric-eigene Sprachen?
Basis für unsere Softwarelösungen sind die IEC-Sprachen. Unsere besondere Leistung besteht aber nicht nur darin, Software und applikationsspezifische Bibliotheken vorzubereiten. Wir stellen dem Kunden je nach Anwendungsfall auch fertige und geprüfte Architekturen zur Verfügung. Dabei gibt es Funktionsblöcke für Standardanwendungen, in denen die komplette Hardware inklusive der Peripherie bereits vorkonfiguriert ist. Das reduziert den Engineering-Aufwand für den Kunden extrem.

Wollen oder können Ihre Kunden nicht mehr selber programmieren?
Im Maschinenbau, in der Prozessindustrie und auch in der kompletten Lieferantenkette wird es immer schwieriger, ausreichend Fachpersonal mit der notwendigen hohen Automatisierungskompetenz vorzuhalten. Die Gründe sind bekannt: fehlender technischer Nachwuchs auf der einen Seite, hohe Anforderungen an Produktivität und Wirtschaftlich-keit bei komplexen Automatisierungs- und Produktionssystemen auf der anderen Seite. Umso wichtiger ist es, Software-Lösungen soweit zu vereinfachen, dass sich der Kunde auf das Wesentliche konzentrieren kann. Er muss bei der Programmierung z.B. des Frequenzumrichters, der Steuerung, oder der Visualisierung nicht mehr von einem Tool zum nächsten springen, um alles von Grund auf zu programmieren, sondern kann seine Automatisierungskomponenten wesentlich integrierter und einfacher konfigurieren, programmieren und in Betrieb nehmen.

Sie nannten noch ein zweites Thema…?
Zum Thema Transparenz und Offenheit: Schneider Electric setzt auf Ethernet als Backbone von der Enterprise-Ebene bis hinunter ins Feld. Wir sind davon überzeugt, dass die Ethernet-Technologie die Automatisierungs-Topologie ist und sich trotz vielfältiger Versuche proprietärer Strukturen durchzusetzen, als langfristiger Standard etablieren wird. Die Offenheit ist definitiv eine Philosophie von Schneider Electric, denn wir möchten unseren Kunden ermöglichen, Enterprise- und Feldebene bruchfrei zusammen zu bringen.

Weiter zu Seite 2: Schnittstellen, Steuerungsplattformen und Trends

Wie sehen Ihre Schnittstellen zu den Feldgeräten aus?
Wir nutzen beispielsweise FDT/DTM als offenen Standard für Feldgeräte. Damit lassen sich nicht nur eigene Produkte einfach konfigurieren, sondern es können auch Third-Party-Produkte leicht integriert werden.

Welche Ebenen sind eingebunden?
Wir setzen auf CANopen und Ethernet, und sind der Meinung, dass wir damit ein absolut offenes System zur Verfügung stellen, von den Schnittstellen des ERP-Systems bis hinunter in die Feldebene.

Integrieren Sie die Robotik?
Wir haben schon heute sehr leistungsfähige Robotik-Bausteine, die wir sukzessive weiter entwickeln werden.

Die Basis Ihrer Steuerungsplattform…?
Unsere Angebote sowohl für den Anlagen- und Maschinenbau, als auch für die Fertigungs- und Prozessindustrie jetzt und in Zukunft basieren auf einem skalierbaren Programm speicherprogrammierbarer Steuerungen.

Welche Entwicklungstrends zeichnen sich noch ab?
Das weltweite ‚Energiedilemma‘ wird immer größer; daher ist ein brisantes und aktuelles Thema das Energiemanagement. Wir müssen auf der einen Seite immer produktiver werden, dürfen dabei aber immer weniger Energie konsumieren, sonst geht die Rechnung schon sehr bald nicht mehr auf. Die Verschmelzung von Produktionsprozess und Energiemanagement ist das Alleinstellungsmerkmal von Schneider Electric: wir verknüpfen innerhalb unserer integrierten Software-Lösungen die Prozessthemen mit den Energiemanagement-Themen.

Wie genau funktioniert Ihr Energiemanagement?
Interessant für den Kunden ist nicht nur wieviel Tonnen er produziert, sondern wie viel Megawatt pro Tonne und an welcher Stelle des Produktionsprozesses diese verbraucht werden. Nur durch Transparenz von Produktions- und Energiedaten in Echtzeit und daraus resultierenden sofortigen Handlungsoptionen kann in Fertigungsanlagen das wirtschaftliche und nachhaltige Optimum erreicht werden. Stahl, Zement und die Chemieindustrie sind Beispiele für extrem energieintensive Branchen, in denen Energiemanagement schon lange eine Rolle spielt. Aber auch in der diskreten Fertigung, oder bei der Auslegung von Großmaschinen wird der Druck auf Energieeffizienz weiter zunehmen. Mit unserer EcoStruxure-Architektur kann der Anwender unter Berücksichtigung des Energieaspekts seine Prozesse optimal steuern.

Steigt die Verletzbarkeit mit der zunehmenden Vernetzung?
Das Thema Security ist noch in aller Munde und wird uns auch in Zukunft stark beschäftigen. Die enge Vernetzung innerhalb der Unternehmen muss einhergehen mit der Entwicklung sehr cleverer Maßnahmen zur entsprechenden Absicherung, ganz klar: Produktionsdaten sind heikle und sensitive Informationen, die definitiv sauber geschützt werden müssen.

Welche Schutzmechanismen setzen Sie ein?
Wir setzen verstärkt auf Passwort-Abfragen in verschiedenen Ebenen der Automatisierungspyramide, die nur den berechtigten Zugriff auf die jeweiligen Daten ermöglicht.

EcoStruxure


EcoStruxure ist der ganzheitliche Lösungsansatz von Schneider Electric, für das Thema Energiemanagement mit Hard- und Softwarelösungen für Infrastruktur, Industrie, Rechenzentren, Gebäude und Wohngebäude. Damit bietet Schneider Electric dem Anwender Konzepte, die Energie sicher, zuverlässig, effizient und produktiv machen. Einsparpotenziale von bis zu 30 % sind durch Energiemanagement realisierbar. Dazu gehört die Nutzung von Messtechnik zur Ermittlung exakter Verbrauchsdaten sowie der entsprechenden Energiemanagement-Software und Automatisierungs- und Antriebstechnik, die alle dazu beitragen, Energie produktiver zu machen.

Schneider Electric

Gegründet wurde Schneider Electric, „the global specialist in energy management“, 1836 von den französischen Brüdern Schneider.
Hauptsitz: Rueil Malmaison, Frankreich
Mitarbeiter: 118 819
Umsatz 2010: 19,580 Mrd Euro
Nettoergebnis 2010: 1,72 Mrd Euro
Produkte: Energieverteilung

aus Produktion Nr. 26, 2011