Lapp-Vorstand Siegbert Lapp sieht den Markt für Elektrofahrzeuge als strategisches Feld.

Lapp-Vorstand Siegbert Lapp sieht den Markt für Elektrofahrzeuge als strategisches Feld.

Siegbert Lapp, Vorstand der Lapp Holding AG und Werner Becker, Geschäftsführer der Lapp Systems GmbH erläutern Produktion, inwiefern sich ein Engagement für Elektro-Cars lohnt.

Sabine Spinnarke

Was für Produkte für den Markt Elektromobilität haben Sie im Portfolio?

Becker: Wir haben Kabel, Steckdose und Verbindungsstecker in unserem Produktportfolio; innerhalb des Elektrofahrzeugs selbst bieten wir unter anderem eine patentierte Lösung für die Hochvoltverkabelung zwischen Batterie und Antriebseinheit an; außerdem haben wir gemeinsam mit unserem Kunden, der Firma Continental, ein Kabelsystem für die interne Verbindung innerhalb von Lithium-Ionen-Batterien entwickelt und werden schon in Serie geliefert.
Lapp: Dieses System kommt bereits im Mercedes S 400 Hybrid zum Einsatz.

Warum dieses Thema…?

Lapp: Als Hersteller für Spezialkabel werden wir seit einigen Jahren von verschiedenen Anwendern immer wieder nach speziellen Lösungen für  die Hochvoltverkabelung im Fahrzeug gefragt. Es fing mit Projektlösungen für General Motors an. Daraus ergaben sich verschiedene Weiterentwicklungen, die wir heute mit verschiedenen Anschlusstechniken den Automobilmarkt anbieten.
Becker: Für uns war das Thema Automotive lange Zeit uninteressant. Wir haben uns nicht als Hersteller von Kabelbäumen gesehen, der Markt war bereits besetzt und preislich nicht attraktiv. Erst jetzt mit der Entwicklung des Elektrofahrzeugs spielen anspruchsvolle Kabel und Leitungssysteme eine größere Rolle. Daher haben wir uns vor eineinhalb Jahren entschieden hier aktiv zu werden.  Nächstes Jahr wird sich die Lapp Systems der Automotive-Zertifizierung unterwerfen und damit das Thema auch produktionstechnisch darstellen können.

Wie hoch ist Ihr unternehmerisches Risiko?

Lapp: Ein Risiko besteht immer;  in diesem Fall allerdings ist die Frage weniger, ob die Technologie kommt oder nicht, sondern eher wann sie kommt.
Becker: Hybrid- und Elektrofahrzeuge werden mittelfristig den Verbrennungsmotor nicht ersetzen können, aber sie werden sich ihren Marktanteil erarbeiten.

Sind Ihre Produkte bereits auf dem Markt?

Becker:  Unsere Produkte werden heute schon in verschiedene Kundenprojekte und Pilotversuche eingesetzt. Es handelt sich hierbei noch um überschaubare Bedarfe – aber der Markt wächst stetig, das spüren wir jetzt schon. Conti baut in einem neu gegründeten Werk die Batterien für den Mercedes S400 Hybrid bereits in Serie. Die Planzahlen sind steigend. In einem nächsten Schritt werden diese Batterien auch in andere Fahrzeuge eingesetzt.

Gibt es bereits nennenswerte Umsätze?

Becker: Im letzten Krisenjahr haben wir allein mit der Verkabelung der Lithium-Ionen Batterie bereits ansehnliche Umsätze erzielen können.
Lapp: Wir erwarten, dass die Umsätze bereits 2015 ein Vielfaches davon betragen werden. Der Markt für Elektrofahrzeuge ist für uns ein strategisches Feld.

Was sind die technischen Herausforderungen?

Becker: Die neuen Antriebssysteme stellen hohe Anforderungen insbesondere auch an die neuen Kabel- und Leitungssysteme innerhalb und außerhalb des  Fahrzeuges. Dies wird besonders deutlich, wenn wir uns klar machen, dass die Bordspannung mit bis zu 800V eine besondere Gefährdung für Leib und Leben darstellt. Daher sind die technischen und qualitativen Anforderungen – Temperatur von minus 40 bis plus 180 Grad und Dichtigkeit der Schutzklasse  IP69K – besonders hoch und erfordern besondere Maßnahmen.

Wie sehr engagieren Sie sich in den USA?

Becker: In Zusammenarbeit mit General Motors haben wir bereits etwa 3 000 Fahrzeuge mit unserer Hochvoltverkabelung ausgestattet. Alles weitere muss man abwarten.

… und in Asien?

Lapp: Wir haben uns auf den europäischen Markt konzentriert und mit Verwunderung die Entwicklung in Asien beobachtet – derartige Wachstumsraten sind wir so nicht gewohnt. Wir müssen uns ganz klar verstärkt um diesen Markt kümmern.

Muss die Regierung mehr tun?

Lapp: Ich denke wir sind in Deutschland emotional nah am Thema Elektromobilität dran. Die Vielfalt an Lösungen, die wir als Tüftler-Nation bereits geschaffen haben, ist interessant für viele andere Regionen der Welt. Ich glaube nicht, dass wir mehr Förderung seitens der Regierung brauchen. Aber wir müssen wissen woran wir sind. Die Regierung sollte helfen klare Richtlinien und Standards zügig umzusetzen. Wann werden Elektrofahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen gebaut?
Becker: In Europa und USA geht der Weg sicherlich über das Hybridfahrzeug. Das Thema Energiespeicher ist dabei der entscheidende Knackpunkt.

…die Batterie der Zukunft?

Becker: Die Batterien werden immer besser, ihre Kapazität größer und parallel dazu wird der Verbrennungsmotor immer kleiner. Die ersten Hybridfahrzeuge mit beispielsweise 120 PS hatten einen Verbrennungsmotor mit 80 PS und einen Elektromotor mit 40 PS, inzwischen ist das Verhältnis bei 60 zu 60 angelangt. Im Fortschritt der Batterieentwicklung wird der Verbrennungsmotor zunehmend als sogenannter Range Extender Verwendung finden. In 10, 20 Jahren können wir hoffentlich, mit moderneren Netzstrukturen, den Strom aus regenerativen Energien über größere Distanzen transportieren – und sind einer umweltfreundlichen Mobilität noch einen Schritt näher.