Paul Merz (links) und Dr. Michael Wenzel erzählen im exklusiven Produktion-Interview über die

Paul Merz (links) und Dr. Michael Wenzel erzählen im exklusiven Produktion-Interview über die Geschäftsentwicklungen bei Reis Robotics und der vor einem Jahr gegründeten Reis Group Holding.

von Annika Mentgen

Herr Dr. Wenzel, seit April 2010 sind Sie Geschäftsführer der neu gegründeten Reis Group Holding GmbH. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Wenzel: Mit der Reis Group Holding haben wir nun eine klare Struktur und eine übergeordnete Klammer für die mittlerweile über 20 Reis-Firmen geschaffen. Ich bin in der Holding für alle kaufmännischen Belange, das Marketing und den gesamten Vertrieb zuständig. Dr. Eberhard Kroth, früher auch Geschäftsführer von Reis Robotics, ist in der Reis Group Holding für Entwicklung, Engineering, Produktion und Systemintegration zuständig. Unser gemeinsamer Schwerpunkt ist es nun, das bestehende Know-how der einzelnen Gruppenunternehmen zusammenzuführen, weiter auszubauen und somit in der Firmengruppe das kontinuierliche Wachstum der vergangenen Jahrzehnte fortzusetzen.

Seit einem Jahr sind Sie, Herr Merz, Geschäftsführer von Reis Robotics. Womit beschäftigen Sie sich dort konkret?

Merz: Vorher war ich Leiter des Bereiches Anwendung und Engineering. Als Geschäftsführer bei Reis Robotics bin ich nun zusätzlich für das Ressort Vertrieb zuständig. Die  Themen neue Märkte und neue Technologien habe ich beibehalten. Ich beschäftige mich auf der einen Seite damit, wohin sich unsere Kunden weltweit bewegen. Auf der anderen Seite eroiere ich, welche Produkte in welchen Märkten benötigt werden und welche Technologien wir vorbereiten müssen, um in diesen neuen Märkten dann rechtzeitig präsent und dann auch erfolgreich zu sein.

Von der Technikwelt in den kaufmännischen Bereich…

Merz: Ja, das ist in der Tat eine Herausforderung. Aber Herausforderungen sind da, um sie anzunehmen. Und nach einem Jahr kann ich sagen, dass die Bilanz bisher sehr positiv ist.

Können Sie noch einmal die Hintergründe der Umstrukturierung bei Reis erläutern?

Wenzel: Die Firmengruppe Reis ist in den vergangenen 15 Jahren auf über 20 Gesellschaften im In- und Ausland gewachsen. Dr. Kroth und ich haben als Geschäftsführer von Reis Robotics gruppenübergreifende Themen mit betreut, aber  eine ordnende Struktur hat immer gefehlt. Die haben wir nun dank der Reis Group Holding, in der die Zentralfunktionen gebündelt sind. Und Dr. Kroth und ich können uns jetzt verstärkt auch mit dem Thema Internationalisierung beschäftigen.

Welche Märkte haben Sie dabei besonders im Fokus?

Merz: Zunächst einmal ist hier China zu nennen. Hier wird die Produktion momentan massiv ausgebaut. Zum einen im Bereich Gießerei, Schweißtechnik und Automotive. Zum anderen in der Photovoltaik. China rüstet hier stark auf.

Die Chinesen drängen mit ihren eigenen Produkten auch auf den deutschen Photovoltailk-Markt. Inwieweit profitiert Reis davon?

Wenzel: Dadurch wächst natürlich der Umsatzanteil, den wir mit chinesichen Kunden aus der Photovoltaik generieren. Das ist ein Massenmarkt, beschränkt auf einige wenige Prozesse, die qualitativ sehr hochwertig abgebildet sein müssen. In Europa hingegen wird die Produktion im Photovoltaik-Bereich kaum noch ausgebaut. Hier fokussiert man sich eher auf Entwicklung und neue Technologien. Auch hier partizipieren wir mit unserer jahrelangen Erfahrung im Photovoltaik-Bereich.

Merz: Wir bei Reis Robotics setzen sehr stark auf Technologie und Weiterentwicklung. So haben wir beispielsweise neue Verfahren zum Einbetten von Zellen entwickelt. Somit können wir auch unsere Kunden in Europa bestens bedienen.

Keine Angst, dass die Chinesen solch eine Technologie kopieren, wenn Sie so intensiv im chinesischen Markt aktiv sind?

Wenzel: Eigentlich nicht. Nachahmer gibt es immer, sei es in China oder in einer anderen Ecke der Welt. Das Problem hat jeder, der innovativ ist und technologisch vorne mit spielt. Das ist die Natur des Wettbewerbs und die Natur der Innovation.

Wir wirkt sich das Geschäft mit China auf Ihre eigene chinesische Niederlassung aus?

Wenzel: In China kann man die Situation aktuell als sehr dynamisch bezeichnen, auch im Hinblick auf die Mitarbeiter. Allein im vergangenen Dreivierteljahr haben wir 30 bis 40 neue Mitarbeiter in unserer chinesischen Niederlassung eingestellt, eine ähnliche Größenordnung bei den Anstellungen ist noch einmal geplant. Dann werden wir in China etwa 180 Leute beschäftigen.

Eine sehr dynamische Situation in China – was heißt das konkret auf Ihren Umsatz bezogen?

Wenzel: Noch vor drei Jahren haben wir in China circa zwei bis drei Millionen Euro Umsatz generiert. Heute liegt der Anteil im guten zweistelligen Millionenbereich. Absolute Zahlen möchte ich hier nicht nennen. Aber auf die Steigerungsraten bezogen sprechen wir hier von vielen hundert Prozent. Das sind ganz anderen Dimensionen als die, die wir aus Europa gewöhnt sind.

Wie verhält es sich mit dem Gesamtumsatz von Reis Robotics?

Wenzel: Das Geschäftsjahr 2010 haben wir Ende März mit rund 130 Millionen Euro Umsatz abgeschlossen. Für 2011 rechne ich mit einem zweistelligen Wachstum für Reis.

Kommen wir noch einmal auf die Auslandsmärkte zu sprechen. China hat hohe Zuwachsraten. In welchen anderen Märkte sehen Sie großes Potenzial?

Wenzel: Gott sei Dank ist die Erholung der Wirtschaft auf breiter Front spürbar. Die anderen wichtigen Märkte für uns sind die USA und Europa. Hier vor allem die nördlichen Länder wie Deutschland, Frankreich aber auch osteuropäische Länder. Das Wachstum findet auf breiter Front statt, in allen Bereichen.

Geschäftsführer bei Reis Robotics: Paul Merz.

Geschäftsführer bei Reis Robotics: Paul Merz.

Merz: In den USA existiert aktuell allerdings noch insbesondere im Marktbereich Photovoltaik ein Problem mit dem Thema Finanzierung. Viele Unternehmen, die in der Entwicklung stark sind, können keine Produkte am Markt etablieren, weil die finanziellen Mittel fehlen. Und dadurch eröffnen sich ihnen natürlich keine neuen Märkte, Anwendungen und somit Auftragseingänge. Um diesen Markt zu generieren, muss also mit geeigneten Maßnahmen gegengewirkt werden.

Wie reagiert Reis Robotics auf dieses Problem?

Merz: Großvolumige Projekte splitten wir nun in Mosaikbausteine auf. Sprich: Die Anlagenkonzepte haben wir modular und standardisiert aufgebaut, der Kunde zahlt immer nur für einen Baustein. Damit kann er dann bereits mit der Fertigung seines Produktes starten und später die Anlage aufrüsten. Finanzierung mittels Produktion also. Wir profitieren dabei auch von einem Platzgewinn durch Reduktion der Montageflächen innerhalb unserer Fertigung. Denn wir müssen nur noch Teile einer Anlage aufbauen und vorinstallieren.

Wenzel: Mit diesem „Modulkonzept“ sind wir hier in Obernburg in der Lage, bei gleicher Hallenfläche 20 bis 25 Prozent mehr Durchlauf zu generieren. Eine typische Win-win-Situation also.