2009 wurden rund 14 000 Industrieroboter verkauft. Dem IFR Statistical Department zufolge ist das

2009 wurden rund 14 000 Industrieroboter verkauft. Dem IFR Statistical Department zufolge ist das weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Jahresverkäufe zwischen 2005 und 2008 (etwa 37 000 Stück). Nun aber geht es für die Branche wieder aufwärts.

von Annika Mentgen

FRANKFURT. Nach Angaben des IFR Statisitical Departments in Frankfurt schnellten die Roboterverkäufe im ersten Quartal dieses Jahres um über 50 % in die Höhe (im Vergleich zum ersten Quartal 2009). „Das ist der Beginn einer Erholung, die bis 2013 wieder zu weltweiten Verkäufen von annähernd 100 000 Industrierobotern jährlich führen kann“, erläutert Åke Lindqvist, IFR-Präsident, die aktuelle Situation. Das Niveau vom Spitzenjahr 2008 rücke damit wieder näher.

Großes Potenzial für den Absatz von Industrierobotern bietet nach wie vor die Automobilindustrie. Die Stichworte lauten hier neue Materialien, Hybrid-Fahrzeuge und Endmontage. „Die Autoindustrie wird auch in den nächsten zehn Jahren der Treiber für die Robotik sein“, sagt Olaf C. Gehrels, President und CEO von Fanuc Robotics Europe. Besonders Europa müsse hier automatisieren, damit die Fertigung nicht nach China abwandere. Auch Lindqvist schließt sich der Meinung an, dass die Automobilindustrie der größte Abnehmer von Industrierobotern ist – und mindestens noch fünf Jahre bleiben wird.

“Green Automation” ist Trend

Doch auch das Thema „Green Automation“ bietet den Roboterherstellern großes Potenzial und interessante Projekte. Auf der diesjährigen AUTOMATICA wurde das Thema – das auch gleichzeitig eine neue Initiative des VDMA Robotik + Automation betitelt – groß aufgezogen. Die Hersteller springen auf den „grünen“ Zug auf und bewerben ihre energieeffizienten Produkte. Nachhaltige und umweltschonende Produktion ist Trend.

Auch bei einigen Kunden der Roboterhersteller scheint der Begriff Energie-Effizienz bereits angekommen zu sein. „Seitens unserer Kunden haben wir verstärkt die Anforderung nach energieeffizienten Robotern erhalten“, sagt President und COO Wilhelm Seitz von Yaskawa Europe. Den Herstellern tut sich hier ein neues Geschäftsfeld mit neuen Anwendungen und neuen oder optimierten Produkten auf. Innovative Robotersteuerungen steigern die Energie-Effizienz. Roboter optimieren die Fertigung von Solarzellen und das Lackieren von Rotorblättern für Windkraftanlagen.

Laut einer Umfrage des IFR auf der AUTOMATICA zum weltweiten Automationspotenzial, in der die Roboterdichte in einzelnen Branchen beleuchtet wurde, bieten vor allem die wachsenden Branchen Pharma- und Kosmetik, die Medizintechnik sowie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie interessante Entwicklungsmöglichkeiten für die Hersteller. Aber auch in der Metall- und Solarindustrie sei der Robotereinsatz noch weit entfernt von dem in der Automobilindustrie.

BRIC-Staaten bieten gute Chancen

Betrachtet man die Märkte, die für die Roboterhersteller immer mehr an Bedeutung gewinnen, so zeigt sich, dass besonders die Entwicklung in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) beachtlich ist. Laut IFR sollen in diesen Ländern riesige Verbrauchermärkte erschlossen werden. Der Wettbewerb der Autoindustrie führe zu neuen Investitionen in Produktionsanlagen in diesen Märkten. Andere Branchen folgten ebenfalls. Olaf Gehrels sieht besonders in der brasilianischen Autobranche einen lohnenden Absatzmarkt: „Die Roboterdichte ist hier bereits um ein Vielfaches höher als in den anderen BRIC-Staaten. Dazu kommt eine gute Infrastruktur.“ Neben den BRIC-Staaten bietet auch Nordamerika gute Chancen. Der Automationsgrad ist dort noch verhältnismäßig niedrig und muss sich nach Aussagen des IRF „durch Investitionen in die Robotik anpassen“.

Doch nicht nur Märkte und Branchen versorgen die Robotikindustrie mit Wachstumsimpulsen. Auch neue Technologien und Anwendungen bergen Chancen. Ein großes Thema ist aktuell die sichere Kooperation von Mensch und Roboter. Viele Hersteller arbeiten mit Hochdruck an der Verwirklichung dieses Themas. Olaf Gehrels sieht darin einen „Megatrend“. Und auch Manfred Gundel, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Kuka Roboter GmbH, ist überzeugt: „In zehn Jahren wird die Mensch-Roboter-Kooperation Standard sein.“ Der Leichtbauroboter LBR 4+, den Kuka auf der AUTOMATICA in München präsentiert, kommt bereits heute mit begrenzten Schutzvorrichtungen aus. Sein Nachfolger LBR 5, der bereits Ende 2011 auf den Markt kommen soll, benötigt laut Gundel keinerlei Schutzvorrichtungen mehr. Auch der Roboterarm UR-6-85-5-A vom dänischen Hersteller Universal Robots soll dank eines neuartigen Schutzkonzepts problemlos und sicher mit dem Menschen zusammenarbeiten können.