Robotik: Die Leichtgewichte kommen 1

von Michaela Neuner

LANDSBERG (mg). Leichtbauroboter wiegen i. d. R. weniger als 20 Kilo. Muskelkraft und einfache Transporthilfen reichen aus, um sie von einem Einsatzort zum nächsten zu bringen. So können sie beispielsweise tagsüber Werkzeugmaschinen be- und entladen und in der Nachtschicht die gefertigten Teile prüfen oder kommissionieren.

Gerade das Be-und Entladen von Maschinen sei ein enormer Markt, weiß Dieter Faude von der Faude Automatisierungstechnik GmbH im württembergischen Gärtringen aus Erfahrung, auch im Mittelstand. Hier könne man  mit Leichtbaurobotern Stückkosten senken, ohne deutlich investieren zu müssen – einfach dadurch, dass Maschinen länger laufen: „Die Mitarbeiter machen tagsüber die schwierigen Teile und in den Abendstunden schafft der Roboter an derselben Maschine autonom und fertigt die einfacheren“, kann sich der Automatisierungsspezialist und Vertriebspartner von Universal Robots vorstellen.

Die meisten Leichtbauarme arbeiten mit 24 bzw. 48 V Gleichstrom und brauchen gewichtsbedingt relativ wenig Energie. Dadurch und wegen ihrer kompakten Bauweise können viele auch als mobile Greifarme auf autonome Transportsysteme montiert werden. Zudem birgt ein leichterer Roboter wesentlich weniger Gefahren für die Menschen in seinem Umfeld als ein schneller, schwerer.

Das prädestiniert Leichtbauroboter für die direkte Zusammenarbeit mit Menschen und es wirkt sich generell auf die nötigen Sicherheitsvorkehrungen aus: Robotersysteme, die für den „kollaborierenden“ Betrieb zugelassen sind, müssen nicht aufwendig abgesperrt werden. Aber: „Auch ein Leichtbauroboter muss gewisse Kriterien erfüllen“, bremst Dr. Matthias Umbreit von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall.

So dürfen im Fall einer Kollision mit einem Menschen bestimmte Kraft- und Druckgrenzwerte nicht überschritten werden. Grundsätzlich darf kein Roboter einen Menschen verletzen. Kommt es dennoch dazu, „muss ein Hämatom das Äußerste sein, was der Roboter verursachen kann“, betont Umbreit. Viele übersähen, dass ein Roboter nicht am Flansch ende, warnt er.

Gehe es um die Beurteilung der Arbeitssicherheit laut Maschinenrichtlinie, müssen auch die Werkzeuge am Roboter und die Arbeitsumgebung mit betrachtet werden. Der dänische Roboterhersteller Universal Robots (UR) wirbt für seinen UR-6-85-5-A mit zertifizierter Sicherheit – allerdings nur bis zum Flansch. Enrico Krog Iversen, CEO von Universal Robots, betont es sei sehr wichtig, dass der Kunde eine abschließende Sicherheitsbeurteilung der kompletten Anwendung durchführe.

„Wir haben unseren Roboter mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen entwickelt. Heute reichen unsere Kunden jedoch von kleinen Betrieben mit sechs Mitarbeitern bis hin zu großen, international operierenden Unternehmen in der Automobil- und der pharmazeutischen Industrie“, berichtet Iversen.

„Wir haben unseren Roboter mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen entwickelt.“ Enrico Krog Iversen, CEO Universal Robots ApS.

„Wir haben unseren Roboter mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen entwickelt.“ Enrico Krog Iversen, CEO Universal Robots ApS.

Mit einem Verkaufspreis von ca. 22 000 Euro ist der UR-6-85-5-A derzeit eines der günstigsten Modelle auf dem Markt – und setzt Standards: Grundsätzlich hätten sich Leichtbauarme ähnlich eingependelt wie Industriearme, beobachtete Dr. Roko Tschakarow von Schunk. „Aber es wird erwartet, dass eben auch Leichtbauarme in einem Preissegment zwischen 20 000 und 30 000 Euro erhältlich sind“, sagt er und solche könne auch Schunk liefern. Die LWA von Schunk sind keine vorgefertigten Katalogprodukte, sondern lassen sich aus Komponenten eines Modulbaukastens individuell konfigurieren.

Der Leichtbauarm von Schunk (links) ist kein Katalogprodukt; er wird individuell aus Komponenten eines Modulbaukastens zusammengestellt. (Bild: Schunk)

Der Leichtbauarm von Schunk (links) ist kein Katalogprodukt; er wird individuell aus Komponenten eines Modulbaukastens zusammengestellt. (Bild: Schunk)

Die Kunden für die LWA kommen bislang „vornehmlich“ aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, „die sich intensiv mit der Anwendung von Leichtbaurobotern in der Dienstleistungsrobotik auseinander setzen“, so Tschakarow. Auch Mitbewerber Kuka sieht als Zielgruppe für die aktuelle Version des Leichtbauroboters LBR vor allem „Hochschulen, wissenschaftliche Forschungsinstitute und die Produktions- und Verfahrensentwicklung in der Industrie“, zählt Dr. Ralf Koeppe, Leiter Forschung und Entwicklung der Kuka Laboratories GmbH, auf.

„Mit dem Start der Serienproduktion Anfang 2012 wollen wir den LBR vor allem in den Medizin- und Service-Markt einführen.“ Dr. Till Reuter, CEO Kuka AG.

„Mit dem Start der Serienproduktion Anfang 2012 wollen wir den LBR vor allem in den Medizin- und Service-Markt einführen.“ Dr. Till Reuter, CEO Kuka AG.

Mit dem Start der Serienproduktion Anfang 2012 will Kuka laut CEO Dr. Till Reuter den LBR vor allem in den Medizin- und Service-Markt einführen. In der Produktion hat er sich bereits Sporen verdient: Im Mercedes-Werk Untertürkheim montieren LBR Hinterachsgetriebe – mittlerweile sogar im Drei-Schicht-Betrieb.