Die weltweit erste Hightech-Serviettenfaltmaschine: Zwei Roboter von Denso falten im Team mittels

Die weltweit erste Hightech-Serviettenfaltmaschine: Zwei Roboter von Denso falten im Team mittels Paddel und Kammgreifer die gestärkten Stoffservietten. (Bilder: David Schuschkleb)

von Annika Mentgen

KORNWESTHEIM. Zur Kultur der gehobenen Gastronomie gehört die Kunst, Stoffservietten zu „brechen“. Doch diese Kunst ist mit viel Arbeit verbunden. Die Servietten werden in der Regel von Hand gefaltet, alle sollten identisch aussehen. Zusätzlich sind unterschiedliche Faltformen gewünscht. Bei rund 400 000 Servietten, die in einem Hotel pro Jahr gefaltet werden müssen, eine beachtliche Herausforderung.

Nach Angaben des Unternehmens Rofobox aus Kornwestheim benötigt ein Mitarbeiter für das Brechen einer Serviette mindestens 30 Sekunden, was zu jährlichen 3 333 Arbeitsstunden führt. Eine eintönige und wenig motivierende Tätigkeit für die Mitarbeiter, die ein Hotel oder einen Gastronomiebetrieb viel Zeit und Geld kostet. Zudem habe die Gastronomie ohnehin mit einer hohen Fluktuation und Fachkräftemangel zu kämpfen. Eintönige Tätigkeiten würden hier nicht gerade zur Sicherung des Personals beitragen.

Erleichterung könnte in Zukunft die neuartige Hightech-Serviettenfaltmaschine ROFOBOX (‚Robot Folding Box‘) der Rofobox GmbH bringen – weltweit die erste ihrer Art. Und gleichzeitig ein vollkommen neues Anwendungsfeld für Industrieroboter und Komponenten der Automatisierungstechnik.

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Das Unternehmen mit Sitz in Kornwestheim nahe Stuttgart hat bei der neuen Serviettenfaltmaschine eng mit dem Automatisierungsspezialisten Faude kooperiert, mehr als 2 Mio Euro Invest und rund dreieinhalb Jahre Entwicklung stecken in der Maschine. Zum Einsatz kommen Roboter, die ursprünglich aus der Industrie stammen: Der VS-6577 von Denso Robotics faltet die Servietten mithilfe eines Paddels und einem Kammgreifer, der Roboterarm UR-6-85-5-A des dänischen Herstellers Universal Robots legt die fertig gefalteten Servietten in Transportkisten ab. Auch Siemens, Schunk und Festo sind mit Komponenten und Technologien mit von der Partie.

Die Koordination der drei Roboterarme ist nach Angaben von Rofobox ein „Novum in diesem hochtechnisierten Bereich“. Der Automobilindustrie – sonst Vorreiter auf dem Gebiet der Roboteranwendungen – sei man hier sogar einen Schritt voraus.

„Mit seiner 6-Achsen-Struktur und seiner Ladegewichtskapazität von sieben Kilogramm vereint der VS-6577 Flexibilität und Stärke“, sagt Kartal Can, langjähriger Gastronom und Rofobox-Gründer. Trotz seiner geringen Größe habe er eine Armlänge von 854 mm und wiege nur 36 kg. „Zudem ermöglicht seine kleine Standfläche (200 x 200 mm) eine einfache Installation, sowohl auf dem Boden als auch an der Decke. Das sind genau die Fähigkeiten, die wir für unsere innovative Serviettenfaltmaschine brauchen“, so Can.

Der sechsachsige Roboterarm der Dänen ist bei der automatisierten Hightech-Maschine an einer „halbstabilen“ Seitenwand über dem Falttisch befestigt und greift von dort aus die bereits gebrochenen Servietten und legt sie vorsichtig in Transportkisten ab. Laut Universal Robots war auch bei ihrem Produkt das geringe Eigengewicht des Roboters von lediglich 18 kg ein entscheidendes Kriterium, dass der UR-6-85-5-A bei dieser neuartigen Maschine zum Einsatz kommt. Die relativ geringe Tragfähigkeit der Seitenwand, an der der Roboter befestigt ist, erlaubte keinen schweren Robotertypen.

Je nach Form der gefalteten Serviette schiebt oder umgreift der Roboter das Stofftuch von unterschiedlichen Winkeln aus und transportiert es unbeschadet und ohne den Ablauf zu unterbrechen in die freistehenden Kisten. „Wir freuen uns, dass unser Roboter in der Gastronomie zu einer wichtigen Prozessoptimierung beiträgt“, sagt Enrico Krog Iversen, CEO bei Universal Robots.

„Mit Servietten, den sogenannten biegeschlaffen Werkstoffen, ist es nicht leicht in der Roboter-Technologie, da zum Beispiel die Kanten oft nicht gerade sind oder die Ecken nicht exakt aufeinander passen“, berichtet Can. Mit spezieller Infrarot-Beleuchtung und einer Spezialkamera können die Roboterarme das Werkstück „sehen“ und wissen, wo sie anzusetzen haben.

Derzeit benötigt die ROFOBOX-Maschine knapp 50 Sekunden je Serviettenfaltung, hier das Beispiel der Kerze genannt. „Wir erreichen aber im Serienmodell bereits die Schallmauer von nur 35 Sekunden je Kerze. Prinzipiell sind wir gleichschnell, teilweise sogar langsamer als der Mensch, allerdings arbeitet die ROFOBOX 24 Stunden am Tag und in der Nacht. Wie bei jeder erfolgreichen Technologie kann über die Dauer der Mensch hier einfach nicht mithalten.“

Die innovative Serviettenfaltmaschine ist seit einigen Wochen im Berliner First Class Hotel Estrel unter realen Bedingungen mit verschiedenen Falt-Disziplinen und mit mehreren Zeit-Szenarien im Einsatz. Die Automatisierung des Faltprozesses ermöglicht laut Rofobox enorm gleichmäßige Faltergebnisse. Ein neuer Qualitätsstandard, wie er beim Brechen von Hand im Team fast nicht erreicht werden könne.

Rofobox-Inhaber Can verspricht: „Unsere Robotertechnologie steigert in der Gastronomie sowohl Qualität als auch Hygiene und sorgt auf Anhieb für Kosteneinsparungen von 20 bis 60 Prozent.“ Und Dieter Faude, Geschäftsführer der Faude Automatisierungstechnik GmbH und Entwicklungspartner der Hightech-Maschine, ergänzt: „Den Mitarbeitern bleibt mehr Zeit für den direkten Kontakt mit den Gästen, wodurch die Servicequalität optimiert werden kann.“