Noch ist das Geschäft mit Batterien bei BASF klein, doch Sparte wird derzeit kräftig ausgebaut

Noch ist das Geschäft mit Batterien bei BASF klein, doch Sparte wird derzeit kräftig ausgebaut (Bild: BASF).

von Heide Oberhauser-Aslan

Die Hightech-Batterien sind für die Produktion leistungsstarker Elektroautos von großer Bedeutung. Denn mit Hilfe innovativer Materialien kann die Reichweite solcher Fahrzeuge deutlich erhöht werden. Gleichzeitig können so die Kosten gesenkt werden.

BASF entwickelt solche innovativen Materialien für Hochleistungsbatterien. Ein Schwerpunkt ist die Forschung an Materialien für Lithium-Ionen-Batterien.

Der Chemiekonzern wittert ein riesiges Marktvolumen: “Wir gehen davon aus, dass 2020 das globale Marktpotenzial allein für Batterien für die Elektromobilität bei 20 Milliarden Euro liegen könnte”, sagte Ralf Meixner, Senior Vice President Battery Materials. Das Umsatzpotenzial für BASF bezifferte er bis dahin auf etwa 500 Mio Euro.

Derzeit erzielt die seit einem halben Jahr aktive Geschäftseinheit “Battery Materials” erst etwa 10 Prozent der angepeilten Erlöse. Um das langfristige Ziel zu erreichen, will BASF weiterhin in die eigene Forschung investieren aber auch Zukäufe tätigen und Kooperationen eingehen. Etwa 100 Mitarbeiter forschen bei BASF derzeit im Bereich Batteriematerialien.

Die Basis für das angepeilte Wachstum hat sich BASF bereits geschaffen. Hauptsächlich über Akquisitionen, aber auch über Lizenznahmen wurde in den zurückliegenden Monaten ein breites Portfolio aufgebaut. Im Zeitraum 2011 bis 2016 will BASF einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag in der Batteriesparte investieren. Etwa die Hälfte dieser Summe ist bereits verbraucht. Beispielsweise kaufte BASF im April von der Darmstädter Merck die bereits vermarkteten Elektrolyt-Produkte für Hochleistungsbatterien sowie das Forschungsportfolio.

Auf Einkaufstour ging BASF aber auch in den USA. Dort akquirierte die Gesellschaft mit der Ovonic Battery Company im Februar den Weltmarktführer bei den auch in Elektroautos gebräuchlichen Nickel-Metallhydrid-Batterien. Damit übernahm der Chemiekonzern auch die langjährigen Geschäftsbeziehungen zu den weltweit größten Batterieherstellern.

Mit dem Kauf von Novolyte Technologies im April erwarb BASF zudem einen globalen Hersteller von Elektrolytformulierungen für Lithium-Batterien mit Produktionsstandorten in den USA und China. Ebenfalls in diesem Jahr beteiligte sich BASF an der US-Gesellschaft Sion Power, dem Weltmarktführer bei der Entwicklung von Lithium-Schwefel-Batterien.

Neben Zukäufen setzt der Konzern auch auf die eigene Stärke. In den USA baut BASF derzeit eine erste eigene Produktionsanlage für Kathodenmaterialien. Sie soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. “Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren zum führenden Anbieter von Materialien und Komponenten für heutige und zukünftige Lithium-Ionen-Batterien zu werden und unsere Kunden, die Batteriehersteller, zu beliefern”, sagte Meixner.

Der Markt für Batteriematerialien wächst und wird traditionell von japanischen und koreanischen Firmen dominiert. In der ersten Liga spielen etwa Firmen wie Unicor Korea, Asahi Kasei Chemicals, Nikchia und Nippon Chemicals. In Europa stark wachsend ist neben BASF die schweizerische Clariant, Muttergesellschaft der deutschen Südchemie.

Experte erwartet Einstieg weiterer Hersteller

Werner Tillmetz, Vorstand im Zentrum für Sonnenergie und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg, rechnet wegen des starken Marktwachstums nicht mit einer Konsolidierung in den nächsten Jahren. Wegen des starken Interesses der Automobilindustrie an Lithium-Ionen-Batterien erwartet er eher, dass noch weitere Spieler in das Geschäft mit Batteriematerialien drängen werden.

Seinen Kunden ins Gehege kommen will BASF trotz aller Expansionsbestrebungen definitiv nicht. Interesse an einem eigenen Einstieg in die Produktion von Batteriezellen oder gar Batterien habe BASF nicht, sagte Meixner. “Unser Fokus ist dort, wo wir als Chemieunternehmen zu Verbesserungen beitragen können, nämlich in der Materialchemie.”

Marktforscher gehen davon aus, dass in drei Jahren fünf große Batteriehersteller gut 80 Prozent des Marktes für Lithium-Ionen-Batterien beherrschen könnten. Dazu zählen unter anderem japanische und koreanische Unternehmen wie AESC, ein Joint Venture von Renault-Nissan und dem japanischen Elektronikkonzern NEC, LG Chem, Panasonic/Sanyo und der US-Konzern A123, der auch Batteriematerialien produziert. Auch der deutsche Automobilzulieferer Bosch hat sich mit dem Elektronikkonzern Samsung auf dem weltweiten Markt für Elektrobatterien gut positioniert. Das deutsch-koreanische Gemeinschaftsunternehmen SB-LiMotive baut innovative Batteriezellen und Systeme.