Der spanische Industrieminister Miguel Sebastián testet den Golf blue-e-motion. Das ist das erste

Der spanische Industrieminister Miguel Sebastián testet den Golf blue-e-motion. Das ist das erste E-Mobility-Fahrzeug der Wolfsburger. Auf den Markt kommen soll es wie zwei weitere E-Modelle 2013 (Bild: Volkswagen).

LANDSBERG. Während Toyota Motors und Daimler Kooperationen vereinbaren, besinnen sich Volkswagen und BMW auf die eigenen Kräfte.

Von Gunnar Knüpffer

Einige der führenden Automobilhersteller haben ihre Strategie konkretisiert, wie sie in die Elektromobilität einsteigen wollen. So ist die Toyota Motor Corporation eine Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Pionier für Elektrofahrzeuge Tesla Motors eingegangen.  Volkswagen hat mit Dr. Rudolf Krebs einen Konzernbeauftragten für Elektro-Traktion benannt und die Daimler AG und die BYD Company Limited in China haben einen Vertrag über die Gründung des Joint-Venture „Shenzen BYD Daimler New Technology C. Ltd“ zur Entwicklung eines Elektrofahrzeuges für den chinesischen Markt unterzeichnet.
Toyota möchte zusammen mit Tesla Motors Elektrofahrzeuge, Teile und Produktionssysteme entwickeln. Aus diesem Grund beteiligt sich der japanische Automobilhersteller mit 50 Mio Dollar am dem US-amerikanischen Unternehmen. Damit will Toyota seine Position bei der Entwicklung innovativer Antriebe stärken.
Der Präsident von Toyota, Akio Toyoda, zeigte sich beeindruckt von der Aufbruchstimmung bei Tesla und von der Geschwindigkeit, wie dort auf Herausforderungen reagiert werde. Die Zusammenarbeit soll für Toyota ein weiteres Standbein bei der Entwicklung von Mobilität sein, die die Umwelt möglichst wenig belastet und  geringe CO2-Emissionen verursacht.Dennoch ändert sich laut Toyota nichts an den bisherigen Entwicklungsarbeiten im Bereich elektrische Mobilität und Batterietechnik. Für das Unternehmen bleibe „der Voll-Hybridantrieb die optimale Plattform für alle aktuellen Entwicklungen“. Toyota lege besonderen Wert auf die elektrischen Anteile durch die Plugin-Technik, wie sie derzeit im Prius PHV erprobt werde. Zum Bereich Hybridentwicklung gehört bei Toyota neben dem batterieelektrischen Fahrzeug auch der Brennstoffzellenhybrid FCHV.
Noch stärker als Toyota setzt Daimler bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen auf eine Kooperation mit Technologiepartnern. In dem Joint-Venture mit dem chinesischen Entwickler moderner Batterietechnologie BYD soll eine neue Generation eines Elektrofahrzeugs geschaffen werden. Dabei soll das Know-how von Daimler bei Fahrzeugarchitekturen und Sicherheit mit der Kompetenz von BYD bei Batterien und elektrischen Fahrzeugsystemen kombiniert werden. BYD hat seit 1995 in die Entwicklung modernster Batterietechnologie investiert und ist Chinas führender Hersteller in diesem Bereich. Das Unternehmen ist seit seinem Einstieg in den Automobilsektor 2003 der am schnellsten wachsende chinesische Automobilhersteller. Vor kurzem brachte das Unternehmen mit dem e6 ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug auf den Markt und ist damit der erste Hersteller in China, der sich das Taxigeschäft mit diesem Elektrofahrzeug erschloss.
Bereits am 1. März hatten Daimler und BYD eine Absichtserklärung für das Jont-Venture unterzeichnet. Ingenieure, Fahrzeugkonstrukteure und weitere Mitarbeiter beider Unternehmen richteten danach Arbeitsgruppen ein und begannen mit der Entwickkung eines Fahrzeugkonzepts. Die zuständigen Behörden müssen der Erteilung einer Geschäftslizenz für das neue Joint-Venture jedoch noch zustimmen.
Ganz auf die eigenen Kräfte beim Einstieg in die Elektromobilität besinnt sich dagegen Europas größter Automobilhersteller Volkswagen. Die Wolfsburger haben den Werksleiter von Volkswagen in Salzgitter, Dr. Ridolf Krebs, zum Konzernbeauftragten für Elektrotraktion auserkoren. Damit ist Krebs für alle Fahrzeuge zuständig, deren Räder ausschließlich mit elektromechanischen Energiewandlern angetrieben werden. Krebs, der in Salzgitter unter anderem für die Entwicklung und Produktion des Blockheizkraftwerks Ecoblue verantwortlich war, folgt auf Dr. Karl-Thomas Neumann, der zum President und CEO der Volkwagen Group China ernannt wurde.
Volkswagen plant mittelfristig und strebt 2018 „die Marktführerschaft im Bereich nachhaltiger Mobilität an“, wie das Unternehmen mitteilte. Ein erster Schritt bei der Entwicklung ist der Golf blue-e-motion, den die Wolfsburger in Spanien erstmals beim Auto Salon Madrid zeigten. Nach einem konsequenten Zeitplan sollen schrittweise die Volumenmodelle mit E-Antrieb  angeboten werden: 2013 will Volkswagen mit dem Golf blue-e-motion, dem Up! blue-e-motion und dem Jetta blue-e-motion reine Elek-troautos auf den Markt bringen. Darüber hinaus will der Automobilhersteller mit der Entwicklung eines Elektromodules, das eine flexible und  wirtschaftliche Intergration des Elek-tromotors in verschiedene Fahrzeugplattformen erlauben soll, die Elektrifizierung weiterer Baureihen vorantreiben.
Dabei hängt die Zahl der künftig verkauften Elektromobile nicht nur von Ölpreis und Batteriereichweite, sondern vor allem von politischer Förderung und Akzeptanz der Endnutzer ab, wie eine Studentengruppe der Universität der Künste Berlin in einer Studie für Vattenfall Europe feststellte.
Diese Kenntnis macht sich auch ein gemeinsames Projekt von BMW Group, Siemens und den Stadtwerken München, „Gemeinsam für München“, zu nutze: In der Modellregion München können sich interessierte Autofahrer für einen elektrisch betriebenen Mini E bewerben, um ein dreiviertel Jahr lang diese Mobilitätsmöglichkeit zu testen.
BMW will damit das Kundenverhalten erforschen. Diese Erfahrungen fließen in die Entwicklung des zukünftigen Megacity Vehicles ein, das in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts unter einer Sub-Marke von BMW auf den Markt kommen soll.