Die Vorstandsvorsitzenden von BMW und PSA, Dr. Norbert Reithofer und Philippe Varin besiegeln ihr

Die Vorstandsvorsitzenden von BMW und PSA, Dr. Norbert Reithofer und Philippe Varin besiegeln ihr Hybrid-Joint-Venture (Bild: BMW).

Von Nico Schmidt und Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires

GENF (Dow Jones)–Das Gemeinschaftsunternehmen soll von zwei Standorten aus operieren: dem Großraum München und Mulhouse in Frankreich. Bis zum Jahresende sollen 400 Menschen für das Joint Venture arbeiten.

“Die BMW Group und PSA Peugeot Citroen haben die gleiche Vorstellung über die Bedeutung der Hybridisierung in der Zukunft”, sagte Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender des Münchener DAX-Konzerns, am Montag in Genf. “Sich partnerschaftlich zusammenzuschließen bedeutet für uns auch signifikante Skaleneffekte, geteilte Entwicklungskosten, die Verwendung von standardisierten Komponenten und einen schnelleren Entwicklungsprozess”.

Wie hoch die Ersparnis durch die Skaleneffekte sein kann, wollte Reithofer nicht sagen. Für das Nennen einer konkreten Zahl sei es noch zu früh. Das Gemeinschaftsunternehmen existiere offiziell noch gar nicht, denn erst müsse die Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden abgewartet werden. Den Betrieb aufnehmen werde das Joint Venture voraussichtlich im zweiten Quartal 2011.

Anfang Februar hatten BMW und Peugeot ihre im Herbst angekündigte Zusammenarbeit im Bereich Hybridtechnik besiegelt und erklärt, ein paritätisches Joint Venture zu gründen. Gegenstand des Gemeinschaftsunternehmens ist vor allem die Entwicklung und Produktion von Hybridsystemen einschließlich Hochvoltspeichern, E-Motoren, Generatoren, Leistungselektronik und Ladegeräten sowie die Entwicklung von Software für Hybridsysteme.

Fahrzeuge beider Partnerunternehmen sollen ab 2014 mit den Hybridkomponenten ausgestattet werden, die auch an andere Hersteller verkauft werden könnten. Hybridautos sind Fahrzeuge, die neben einem herkömmlichen Verbrennungsmotor auch einen Elektromotor besitzen. Für die Übergangsphase bis zur angestrebten vollständigen Elektrifizierung des Fahrens wird der Technologie von Branchenexperten eine hohe Bedeutung beigemessen.

Das Hybrid-Joint-Venture ist nicht die erste Kooperation der beiden Autohersteller: BMW und PSA Peugeot Citroen arbeiten bereits seit einigen Jahren bei Motoren zusammen. Zwischen 2006 und 2010 wurden gemeinsam mehr als 1,8 Mio Motoren hergestellt, die in Modellen der Marken Mini, Peugeot und Citroen verbaut werden. Seit Beginn des vergangenen Jahres entwickeln die beiden Unternehmen außerdem die nächste Generation des gemeinschaftlich konzipierten 4-Zylinder Benzinmotors, der den verschärften Abgasvorschriften in Europa (Euro-6-Norm) Rechnung trägt.

Reithofer sagte, BMW werde die gemeinsam gebauten Hybridkomponenten zunächst für künftige Fahrzeuge mit Frontantrieb verwenden. Später sollen sie aber auch bei Heckantrieben zum Einsatz kommen. Es gebe ein Verständnis darüber, dass beide Autohersteller ihre Kooperation künftig auch auf weitere Gebiete ausweiten könnten. Auf die Frage eines Reporters, ob die Allianz beider Konzerne auch in einer gegenseitigen Beteiligung münden könne, antwortete der BMW-Chef jedoch ausweichend: “Es ist zu früh, um über die nächsten Schritte zu sprechen.”

Für BMW als eigenständigen und vergleichsweise kleinen Autohersteller sind Kooperationen wichtig, um Kosten einzusparen. Gerade für die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien muss die Branche viel Geld in die Hand nehmen, und wann sich diese Investitionen rentieren, ist ungewiss. Der Münchener DAX-Konzern verkaufte 2010 knapp 1,5 Mio Autos der Marken BMW, Rolls-Royce und Mini. Zum Vergleich: Europas größter Hersteller Volkswagen brachte mehr als 7 Mio Wagen an die Kunden, Toyota und General Motors sogar weit mehr als 8 Mio.