BERLIN (Dow Jones/ks)–”Die Entwicklungen zeigen, dass wir Chancen haben, aber auch noch Gas geben müssen”, sagte Brüderle am Donnerstag in Berlin bei einer Veranstaltung der BMW Group zum Thema “Elektromobilität – Ein neuer Motor für die Wirtschaft?”. Dabei sollte möglichst viel Wertschöpfung in Deutschland gehalten werden. Die Elektromobilität schaffe eine ganz neue Wertschöpfungskette, die branchenübergreifend sei. Viele Glieder dieser Kette reichten über die Autobranche hinaus etwa hinein in den Energiesektor.

Die erste Strecke bei der Etablierung der Elektromobilität liege hinter uns. “Es heißt jetzt weiter Tempo machen”, sagte Brüderle. Die noch vorhandenen “Stolpersteine” müssten beseitigt werden. Wichtig hierfür sei die weitere intensive Forschung, die von der Bundesregierung auch finanziell unterstützt werden. Die Unterstützung werde andauern. “Wir wollen keinen Etappensieg, sondern wollen das gelbe Trikot”, sagte Brüderle.

Es sei das gemeinsame Ziel der im Mai eingerichteten Nationalen Plattform Elektromobilität, dass Deutschland bei der Elektromobilität vorne mit dabei sei. Dabei sei klar, dass die Entwicklung der Elektromobilität nicht die bewährten Gesetze der sozialen Marktwirtschaft aushebeln dürfe. Elektrofahrzeuge müssten sich auf Dauer selbst am Markt durchsetzen. “Wir setzen nur auf eine Anschubfinanzierung für Forschung und Entwicklung”, sagte Brüderle.

Elektrofahrzeuge dürften nicht durch Stoppschilder an den Grenzen ausgebremst werden, sagte Brüderle. Wichtig hierfür sei die Festlegung von gemeinsamen Standards und Normen. Deshalb hätten Deutschland und Frankreich dazu eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet, um in Europa bei der Festsetzung gemeinsamen Standards voranzukommen.

Die Erwartungen an Elektroautos sind nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG zu optimistisch. “In zehn Jahren wird ihr Marktanteil voraussichtlich immer noch im einstelligen Prozentbereich liegen”, sagte CEO Dieter Zetsche am Donnerstag bei einer Veranstaltung in Stuttgart. Aus heutiger Sicht sei klar, dass mit Elektroautos in Zukunft keine hohen Erträge zu erzielen seien – und das sei noch optimistisch formuliert.

Langfristig werde es allerdings keine Alternative zum Elektroauto geben. Daher seien umfangreiche Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich, um in zehn Jahren wettbewerbsfähig zu sein, sagte Zetsche. Die Daimler AG liege voll im Plan mit der Produktion des ersten Elektroautos ab 2012. Der jährliche Ausstoß soll im “fünfstelligen” Bereich liegen.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat im Mai 2010 ihre Arbeit aufgenommen. In der Plattform kommen Spitzenvertreter aus Wissenschaft, Industrie, Verbänden und Politik zusammen. Ziel der Plattform ist, Deutschland bis 2020 nicht nur zum Leitmarkt, sondern auch zum Leitanbieter für Elektromobilität zu machen.