Kernstück der Recyclinganlage ist ein Shredder, der die Geräte schonend aufreißt, damit Bauteile

Kernstück der Recyclinganlage ist ein Shredder, der die Geräte schonend aufreißt, damit Bauteile mit giftigen Stoffen nicht zerstört und die Inhalte freigesetzt werden. (Bild: Erdwich Zerkleinerungssysteme GmbH)

Kaufering (rm). 75 bis 80 % aller ausrangierten Elektrogeräte sollen laut EU-Richtlinie wiederverwertet werden, vor allem weil darin wertvollen Stoffe wie Kupfer und Edelmetalle enthaltenen sind. Das bisher gängige Öffnen der Elektrogeräte und Aussortieren der Rohstoffe per Hand ist jedoch mühsam, zeitaufwändig und körperlich belastend. Zudem gingen viele der wertvollen Stoffe verloren, weil sie nur schwer von dem restlichen Material zu trennen waren.
Bei Ekan, einem südgriechischen Entsorgungsunternehmen, ist man daher zu einer automatisierten Methode übergegangen, mit der in kurzer Zeit große Mengen Elektroschrott zur Wiederverwertung aufgearbeitet werden können. Den dazu verwendeten Shredder hat der Zerkleinerungsspezialist Erdwich entwickelt.
25 000 t an Elektroabfällen wie Waschmaschinen und Elektroherde müssen jährlich verarbeitet werden. Mehr als ein Drittel des Materials ist Stahl, ein Fünftel Kunststoffe. Doch worauf es ankommt, sind die wertvollen Materialien wie Kupfer, Messing, Aluminium und Edelstahl. Diese stecken in Waschmaschinentrommeln, in Motoren und Kabeln.
Die speziell für Elektronikschrott entwickelte Zerkleinerungsanlage HT520/2-2000 von Erdwich kann bis zu 450 kg schwere Großgeräte verarbeiten und erreicht eine Kapazität von 6 t/h. Dabei kommt es vor allem darauf an, diese schonend zu öffnen, damit Bauteile mit giftigen Stoffen nicht zerstört und die Inhalte freigesetzt werden.
Die angewandte spezielle Zerkleinerungstechnik reißt die Objekte daher mittels langsamer Drehzahlen und eines ruhigen, vibrationsarmen Arbeitsprinzips vorsichtig auf, so dass die innen liegenden Teile unbeschädigt herausfallen. Dabei ist die Technik unempfindlich gegen Glas, Eisen und Beton. Jede Reißerwelle wird separat durch einen elektrohydraulischen Antrieb bewegt und über ein SPS-Automatisierungsgerät elektrisch gesteuert. Dadurch lassen sich sowohl die Drehzahlen als auch die Vorwärts-Rückwärts-Zyklen der Wellen bei jeder Anwendung anpassen.
Wegen der einzeln austauschbaren Reißersegmente und Gegenreißerbalken kann der Bediener die benötigten Stückgrößen und Kantenlängen des Outputs individuell einstellen, etwa 100 mal 100 mm für die anschließende Handsortierung oder 300 mal 300 mm für eine nachgeschaltete Maschinentechnik. Bei Verschleißerscheinungen können die Messer zudem innerhalb der Maschine aufgeschweißt werden, was die Kosten für die Wartung gering hält, so Erdwich.
Der Elektronikschrott wird zunächst mittels Greifer und Förderer in den Trichter des Shredders mit einem Öffnungsmaß von rund 2 000 mal 1 200 mm transportiert. Nach der schonenden Zerkleinerung separiert ein Magnet den freigelegten Stahl. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Stoffe in zwei verschiedenen Kabinen manuell sortiert: Im ersten Arbeitsraum, zu dem die eisenhaltigen Stücke geliefert werden, trennen die Mitarbeiter Wertvolles wie Kupfer heraus.
Anschließend werden die verbliebenen und nicht zerstörten Stahlreste in Pakete gepresst und wieder dem Schmelzprozess zugeführt. In der zweiten Kabine entfernen Fachkräfte aus dem Mischmaterial offen liegende und nicht zerstörte Schadstoffe wie Batterien, Quecksilber, Kondensatoren und Wertstoffe wie Kabel und Edelstahlkomponenten. Die Sortierkabinen sind dabei erhöht angebracht, damit die Mitarbeiter die eingesammelten Materialien durch Bodenöffnungen einfach in die entsprechenden Behältnisse abwerfen können.
Nach der manuellen Sortierung landen die restlichen Materialien in einer Siebstation mit integrierter Trennanlage. Dort werden kleine gemischte und sortenreine Kunststoffe, Buntmetallmischungen, Kupfer- und Edelstahlteilchen sowie zersplittertes Glas abgesondert. Ein Granulator zerkleinert das Material nachfolgend auf vordefinierte Größen, damit die Maschine in einer zweiten Sortieranlage Kunststoffe und Metalle automatisch trennen kann.
Auf diese Weise gehen keine wertvollen Materialien verloren und es gelangt nichts Schädliches in die Umwelt. Die gewonnenen Wertstoffe, besonders Kupfer sowie Gold, Silber und Palladium, werden verkauft und erneut verwendet.