Die geplanten Pilotausschreibungen für die Solarkraft werden nach Einschätzung von Experten nicht

Die geplanten Pilotausschreibungen für die Solarkraft werden nach Einschätzung von Experten nicht funktionieren. Eigentlich sollten mit dem Instrument die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesenkt werden, der von allen Stromkunden über die Ökostromumlage bezahlt werden muss. - Bild: Solarworld

Die geplanten Pilotausschreibungen für die Solarkraft werden nach Einschätzung von Experten nicht funktionieren. Eigentlich sollten mit dem Instrument die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesenkt werden, der von allen Stromkunden über die Ökostromumlage bezahlt werden muss.

“Wir haben die Chancen für große Kosteneinsparungen verstreichen lassen”, kritisierte jedoch der Energieexperte Felix Müsgens von der TU Cottbus. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte die Auktionen zu einem Thema auf seinem Kongress zur Zukunft der Erneuerbaren gemacht. Schon im April wird die erste Versteigerung unter der Ägide der Bundesnetzagentur über die Bühne gehen. Damit soll die Höhe der Ökostrom-Förderung nicht mehr staatlich festgesetzt, sondern mit einer Versteigerung im Wettbewerb ermittelt werden.

Wirtschaft teilt die Skepsis

Wie sein Kollege von der TU Cottbus war auch Karl-Martin Ehrhart ernüchtert. Der Karlsruher Wirtschaftsprofessor hat die Bundesregierung bei der Ausgestaltung der Auktionen beraten. Aus Ehrharts Sicht werden sie in der aktuellen Form allerdings keinen harten Wettbewerb bringen: Weil sich die Agrarlobby durchgesetzt habe, dürften die Module nicht auf Feldern aufgestellt werden.

Ackerflächen sind aber das günstigste und geeignetste Land. “Für eine Solaranlage von 10 Megawatt brauchen sie zwischen 15 und 20 Hektar”, erklärte Erhart. Auf den nun dafür zur Verfügung stehenden Flächen auf alten Bundeswehrliegenschaften und auf den Autobahnrandstreifen seien die Bedingungen schlechter, dies erhöhe die Kosten.

Die Skepsis der Wissenschaftler wird auch in der Energiewirtschaft geteilt. “Ich glaube nicht, dass die Flächenkulisse geeignet ist, um ausreichend Wettbewerb zu erhalten”, sagte Jörg Jasper, der beim Stromkonzern EnBW für Energiepolitik verantwortlich ist. Die Ausgangsbedingungen werden seiner Einschätzung nach viele Unternehmen abhalten, sich an den Auktionen zu beteiligen.

Testfeld für den Wind

Für Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) sind das schlechte Nachrichten. Denn die Photovoltaik-Auktionen sind das Testfeld für die weitaus wichtigere Windenergie. Die Experten sind nicht gerade optimistisch, was die erfolgreiche Übertragbarkeit des Solar-Versteigerungsmodells auf den Wind angeht. Die Angelegenheit sei dort noch einmal komplexer, sagte Müsgens.

Mitte April stehen zunächst 150 Megawatt an Solar-Flächen zur Ausschreibung an. Bei einschließlich 2017 werden insgesamt 1.200 Megawatt ausgeschrieben.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke