Von Michael Vetter

LANDSBERG (gk). Im „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ strebt die Bundesregierung bis 2020 eine Mio Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen an. Deutschland soll zum „Leitmarkt“ für Elektromobilität werden. Dass es bis dahin allerdings noch ein weiter und vor allem kostspieliger Weg ist, zeigt nicht zuletzt eine aktuelle Umfrage, die im Auftrag von PricewaterhouseCoopers (PwC) und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation bei Autofahrern durchgeführt wurde. Danach werden dem Elektroauto auf absehbare Zeit in Deutschland lediglich begrenzte Marktchancen zugetraut. Rund 60 % der Verbraucher wären zum Kauf eines Elektroautos nämlich erst dann bereit, wenn es zu einem vertretbaren Preis die vom Verbrennungsmotor gewohnten Fahrleistungen bringt. Bis diese leistungsfähigen und bezahlbaren Batterien für den elektrischen Antrieb zur Verfügung stehen, sind nach Meinung von PwC Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich.
Hinzu kommen offensichtliche Informationsdefizite, deren Reduzierung finanziellen Aufwand benötigt: So glaubt nicht einmal jeder zehnte Befragte, dass er über die Vor- und Nachteile des elektrischen Antriebs gut Bescheid weiß. Selbst bei der ökologischen Bewertung gibt es kein einheitliches Bild. So glauben lediglich knapp 50 % der Befragten, dass nur mit Elektrofahrzeugen die Umweltschäden durch den Pkw-Verkehr begrenzt werden können.
Keine erfreulichen Aussichten also – dennoch wurde das Gipfeltreffen von Politik und Wirtschaft im Mai zum Thema Elektrofahrzeuge bei einer Reihe von Teilnehmern bereits als Durchbruch angesehen. Die Realität sieht offenbar anders aus, da zum Beispiel über weitere Forschungssubventionen erst entschieden werden soll, wenn Arbeitsgruppen ihren ersten Zwischenbericht vorgelegt haben. Da scheint es auch nicht zu helfen, dass BMW-Chef Reithofer finanzielle Hilfen bei der Einführung alternativer Antriebe fordert und auf Steuererleichterungen in Japan verweist.
Deshalb überrascht es nicht, dass PwC-Automotive-Experte Felix Kuhnert „eine weitere Förderung von Forschung und Entwicklung“ für „unverzichtbar“ hält. Direkte Kaufanreize, die neben den herkömmlichen Förderprogrammen aktuell gefordert werden, lehnt er dagegen ab, da sie „eine künstliche Nachfrage für eine noch nicht marktreife Technologie“ schaffen würden.
Auch Professor Friedbert Pautzke vom Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum beurteilt diese Frage eher zwiespältig. Zwar hält auch er zusätzliche Fördergelder für wünschenswert. Wichtiger sei aber, „die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize zu schaffen, um durch ein positives Klima die Entwicklung im Bereich Elektromobilität zu fördern und zu beschleunigen.“ Es könnten sogar „viele Rahmenbedingungen und Anreize ohne großen Kostenaufwand geschaffen werden.“
Pautzke sieht derzeit Entwicklungsvorsprünge vor allem in China. Seiner Meinung nach habe „bei Zweirädern die elektromobile Revolution“ zu Gunsten Chinas „unbemerkt von den Europäern bereits stattgefunden“. „Nimmt man Elektroräder als Frühindikator für Elektromobilität, hat Europa den Startschuss bereits verpasst“, so der Wissenschaftler. Immerhin bezeichnet Pautzke Deutschland bei Elektro-Pkw im Vergleich zu europäischen Ländern und zu den USA als konkurrenzfähig. Auch nach Meinung Kuhnerts treiben die deutsche, aber auch die europäische Automobilindustrie das Thema Elektrifizierung beziehungsweise Hybridisierung aktiv voran.
Hartmut Rauen, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung, hält eine „subventionierte Markteinführung“ von Elektrofahrzeugen derzeit für wenig sinnvoll. „Was der Käufer nicht zahlen will, sollte der Steuerzahler nicht zahlen müssen.“ Aus Sicht seines Hauses muss jetzt die Forschungsförderung im Mittelpunkt stehen. Es sei ein „Mix aus direkten und indirekten Instrumenten“ erforderlich, also die industrielle Gemeinschaftsforschung, die Verbundforschung und eine steuerliche Forschungsförderung. Knappe öffentliche Mittel seien dort einzusetzen, „wo sie eine tatsächliche Hebelwirkung für Wertschöpfung in Deutschland entfalten können“. In jedem Fall zeigen die Förderprogramme europäischer als auch nichteuropäischer Länder, dass der Wettbewerb um die so genannte „grüne Zukunft“ auch auf den Straßen in vollem Gange ist.

Förderprgramme für die Elektromobilität

Deutschland: Innerhalb des Konjunkturpaketes II werden Fördermittel von insgesamt 500 Mio. Euro in 15 Bereichen ausgeschrieben (u. a. Energieforschung, Feldversuche im Pkw-Verkehr und Flottenversuche im Wirtschaftsverkehr).
Diverse Programme der KfW-Mittelstandsbank und von Bundesländern.
Auf europäischer Ebene: Im Rahmen der Green-Cars-Initiative des European Economic Recovery Plan sollen bis 2013 gemeinsam mit der Industrie eine Milliarde Euro für Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden.
Frankreich: Im „Pacte Automobile“ aus dem Jahr 2009 sollen 250 Mio. Euro an Krediten für „grüne Produkte“ zur Verfügung gestellt werden.
Bis 2012 soll darüber hinaus ein „fonds démonstratuer“ mit insgesamt 400 Mio. Euro für die Entwicklung von Prototypen und Vorführmodellen zu Elektrofahrzeugen ausgestattet werden.
Italien: Im Rahmen des „Industria 2015 Projektes“ hat das Wirtschaftsministerium Mittel bereitgestellt, mit deren Hilfe Mobilität im Allgemeinen und das Elektroauto im Einzelnen gefördert werden sollen.
USA: Das Amerikanische Energieministerium stellt im „American Recovery and Reinvestment Act“ 2,4 Mrd. Dollar zur Hilfe bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen bereit.
China: Start eines Programmes zur Gewinnung von Joint-Venture-Partnern und weiteren Kooperationen ausländischer mit chinesischer Unternehmen;
Japan: Mit Hilfe einer „Roadmap für Fahrzeugakkus“ soll eine Verdreifachung der Energiedichte und eine Kostensenkung innerhalb der kommenden zehn Jahre erreicht werden.