Die Zahl der Unsicherheitsfaktoren für den Solarzellenhersteller Q-Cells hat sich deutlich erhöht,

Die Zahl der Unsicherheitsfaktoren für den Solarzellenhersteller Q-Cells hat sich deutlich erhöht, der Vorstand schließt einen Gewinnrückgang nicht aus (Bild: Q-Cells).

Das Solarunternehmen Q-Cells ist für die Entwicklung in diesem Jahr äußerst skeptisch. Der Preisdruck im Markt ist zu hoch und ein Ende nicht absehbar.

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen wollte bei Vorstellung der Bilanz am Dienstag einen Gewinnrückgang nicht ausschließen. “2011 wird deutlich schwieriger werden als 2010″, sagte Cen. Zu Jahresanfang hätten die Preise für Solarzellen um rund 10% und für Solarmodule um ca 15% nachgegeben, berichtete Cen. “Im März standen die Preise weiter unter Druck”, fügte er hinzu. Es sei nicht klar, ob diese Entwicklung anhalte. “Wir müssen jetzt den April abwarten und werden im Mai beim Quartalsbericht schon klarer sehen”, deutete der Manager, der im vergangenen Jahr zum Konzernumbau an die Unternehmensspitze gerückt war, eine Anpassung der Prognose für diesen Zeitpunkt an.
Im Geschäftsbericht, der am Morgen veröffentlicht wurde, hatte die Q-Cells SE einen Umsatz von 1,3 Mrd bis 1,5 Mrd Euro in Aussicht gestellt sowie ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf Vorjahresniveau von 82,3 Mio Euro. In seinem Vortrag vor Pressevertretern hatte Cen diese Vorhersage jedoch nicht explizit wiederholt und einen in etwa gleichbleibenden Umsatz in Aussicht gestellt. 2010 lagen die Erlöse bei 1,35 Mrd Euro.
Das Unternehmen berichtete von einer “sehr schwachen” Nachfrage im Auftaktquartal. Laut Cen wird das erste Vierteljahr “tendenziell schwächer” sein als im Vorjahr. Da wurde ein EBIT-Verlust von 9,3 Mio Euro verbucht. Zu Jahresbeginn ist der Bedarf im Solarsektor generell nicht hoch. Q-Cells führte den Preisverfall zudem auf die Kürzungen der Solarförderung in den wichtigsten Absatzmärkten Deutschland und Italien zu Jahresbeginn zurück.
Zwar rechnet das Unternehmen mit steigenden Absatzmengen bei Solarzellen und Modulen. Wegen der sinkenden Preise würden die positiven Mengeneffekte jedoch gemindert, hieß es. In Deutschland und Italien, die 2010 die größten Märkte der Welt stellten und auch bei Q-Cells für 60% des Umsatzes sorgten, sind zudem weitere Förderanpassungen geplant. Wie sich die Kunden verhalten werden, ist nicht klar.
Nicht in die Karten spielt den Thalheimern zudem, dass viele Unternehmen der Branche, vor allem in Asien, im vergangenen Jahr ihre Produktionskapazitäten deutlich ausgebaut haben. “Uns ist nicht klar, ob das Kampfpreise sind, um Mengen in den Markt zu drücken”, sagte Cen mit Blick auf die Wettbewerber.
Wie sich zudem die neue energiepolitische Diskussion nach dem Atomunglück in Japan auf die Rahmenbedingungen und damit auf das Geschäft auswirkt, sei derzeit noch unklar, so Cen. Sein Fazit: “Die Zahl der Unsicherheitsfaktoren hat sich deutlich erhöht.”
Analyst Götz Fischbeck von der BHF-Bank geht davon aus, dass sich die EBIT-Marge von Q-Cells in diesem Jahr halbieren wird. Das würde unter dem Strich seiner Schätzung zufolge einen Nettoverlust bedeuten. Die Reaktion der Börse zeugt auch von enttäuschten Erwartungen: Der Kurs der Aktie verliert am Nachmittag fast 6,5% auf 3,18 Euro.
Den Markt kann Q-Cells nicht beeinflussen, sondern kann nur hoffen, dass die Preise sich stabilisieren und währenddessen den 2010 eingeleiteten Umbau fortsetzen. Nach dem Milliardenverlust im Jahr davor wurde massiv umstrukturiert: Im günstigen Malaysia wird mittlerweile mehr produziert als hierzulande, Kunden bekommen nun auch Module unter der Marke “Q”, die Rohstoffverträge wurden angepasst, die Verschuldung zurückgefahren. Unter dem Strich wurde so im vergangenen Jahr wieder ein Gewinn von knapp 19 Mio Euro erwirtschaftet.
Q-Cells will die neue Strategie vertiefen. Die für dieses Jahr geplanten Investitionen von 120 Mio Euro sollen in die Weiterentwicklung der Solarzellenfertigung sowie den Aufbau einer eigenen Fertigung für kristalline Solarmodule fließen. Bislang lässt das Unternehmen in Asien im Auftrag herstellen. 2011 soll eine eigene Produktionskapazität von 130 Megawatt (MW) aufgebaut werden, mit osteuropäischen Partnern weitere 150 bis 200 MW hinzukommen, wie Cen sagte.
Auch im Kerngeschäft, der Produktion von Solarzellen, soll die Kapazität demnach gesteigert werden. Allerdings soll ein zunehmender Anteil davon in die eigene Weiterverarbeitung gehen, laut Q-Cells bis zu 50% statt 30% im abgelaufenen Jahr. Mit Solarmodulen und dem ebenfalls neuen Geschäft mit mittelgroßen Dachanlagen und auf kleineren Flächen setzte das Thalheimer Unternehmen 2010 schon über 360 Mio Euro um, über ein Viertel der Gesamterlöse.