Von Martin Rapp, Dow Jones

DÜSSELDORF (ks)–Unter dem Strich ergab sich wegen bilanzieller Effekte überraschend sogar ein Überschuss, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Das neue Jahr wird der Unternehmensführung zufolge “anspruchsvoller”. Kurzfristig könnten die Margen unter Druck geraten.

Auf Basis vorläufiger Zahlen wies die Thalheimer Q-Cells SE für 2010 einen um 70% gestiegenen Umsatz von 1,35 Mrd Euro aus, etwas mehr als die angepeilten 1,3 Mrd Euro. Das EBIT betrug insgesamt 82,3 Mio Euro. Damit wurde auch hier das Ziel von 75 Mio bis 80 Mio Euro übertroffen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen wegen hoher Abschreibungen und Rückstellungen für drohende Verluste einen EBIT-Verlust von fast 500 Mio Euro verbucht.

Inzwischen wurde massiv umstrukturiert: Im günstigen Malaysia wird mittlerweile mehr produziert als hierzulande, Kunden bekommen nun auch Module unter der Marke “Q”, die Rohstoffverträge wurden angepasst, die Verschuldung zurückgefahren. Unterstützend wirkte die starke Nachfrage, vor allem in Deutschland, auch wenn sich das Geschäft im vierten Quartal im Vergleich zum Sommer abgeschwächt hat.

Nach Steuern verdiente das TecDAX-Unternehmen in den fortzuführenden Geschäftsbereichen im Gesamtjahr 90,9 Mio Euro. Inklusive des Ergebnisanteils aufgegebener Geschäftsbereiche beläuft sich das Jahresergebnis auf 18,9 Mio Euro. Die Analysten hatten unter dem Strich nicht damit gerechnet, dass Q-Cells im vierten Quartal den nach neun Monaten aufgelaufenen Verlust von über 36 Mio Euro noch ins Plus drehen kann.

Der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen begründete den Gewinnsprung im vierten Quartal in einer telefonischen Pressekonferenz mit bilanziellen Effekten. Unter anderem hätten Währungs- und Zinseffekte sowie die Neubewertung von Darlehen dafür gesorgt, dass das Nachsteuerergebnis im Schlussquartal etwa doppelt so hoch sei wie das EBIT, das Q-Cells mit 27,7 Mio Euro angab.

Zum Jahresende musste Q-Cells eine zum Vorquartal niedrigere Gewinnspanne hinnehmen. Die EBIT-Marge verminderte sich auf 7,2%, nachdem sie in den Monaten Juli bis September noch bei über 9% gelegen hatte. Cen verwies auf hohe Materialkosten und sagte, dass sich diese im ganzen Jahr 2011 zeigen dürften. Auf der anderen Seite geben die Verkaufspreise weiter nach, Cen zufolge aber schneller als die Einkaufspreise. Die Margen könnten kurzfristig unter Druck geraten, warnte er.

Einen konkreten Ausblick auf 2011 wagte Cen noch nicht und verwies dazu auf den 29. März, wenn Q-Cells die Bilanz für 2010 vorlegt. Zum bisherigen Geschäftsverlauf sagte der Manager, dass der Januar wie jedes Jahr etwas schwächer als die Schlussmonate des Vorjahres verlaufen sei. “Wir sind aber zuversichtlich, 2011 ein vernünftiges Umsatzniveau zu erzielen”, sagte Cen. Er rechne mit einem soliden Marktwachstum in diesem Jahr.

Die Konzentration auf margenstärkere Produkte will die Führungsriege des Unternehmens fortsetzen, um dem “deutlich anspruchsvolleren” Marktumfeld zu begegnen. Auch die weitere Reduzierung der Kosten stehe auf der Agenda. “Unsere Zahlen belegen, dass wir auf dem richtigen Weg sind”, sagte Cen.

Ins neue Jahr startet das Unternehmen mit einer verbesserten Bilanzstruktur. Die Vorräte wurden abgebaut, das Nettoumlaufvermögen ist auf 340 Mio von 646 Mio Euro drei Monate zuvor gesunken. Die liquiden Mittel erhöhten sich um 22% auf 474 Mio Euro, die Nettoverschuldung wurde auf 330 Mio Euro mehr als halbiert. Am Ende des Jahres lag die Eigenkapitalquote bei 41% nach 31% Ende September.

Am Aktienmarkt konnten die Zahlen nicht überzeugen. Kurz nach Handelsbeginnn notierte die Q-Cells Aktie 2,1% im Minus bei 3,24 Euro.