Der einstige Solarzellenspezialist Q-Cells verkauft ab sofort auch fertige Sonnenstromanlagen – zu einem günstigeren Preis als Wettbewerber wie Solarworld oder Conergy.
HAMBURG (Dow Jones/ks)–”Unsere Module werden preislich in einem attraktiven Bereich liegen”, sagte Nedim Cen der “Financial Times Deutschland” (FTD – Mittwochausgabe). “Natürlich” seien die Q-Cells-Module “teurer als ein chinesisches Modul oder ein No-Name-Produkt aus Europa”, so Cen. “Wir werden irgendwo in der Mitte liegen zwischen diesen Modulen und einem deutschen Markenprodukt mit festem Kundenstamm.”
Cen hatte im März den Konzern übernommen und baut Q-Cells derzeit um. Mit der reinen Herstellung von Solarzellen, einem Vorprodukt der Module, lässt sich nicht mehr genug Geld verdienen. Künftig werde Q-Cells mit Solarzellen nur noch weniger als ein Drittel der Erlöse erwirtschaften. 2009 verbuchte das Thalheimer Unternehmen bei rund 800 Mio Euro Umsatz einen Verlust von 1,4 Mrd Euro.
“Wir wollen die beste Kostenposition unter den Europäern erreichen”, sagte Cen. “Im Gegensatz zu vielen anderen haben wir schließlich unsere Hausaufgaben schon gemacht.” Damit spielt der 44-Jährige auf das Restrukturierungsprogramm an, das der Konzern gerade durchläuft. Q-Cells hat eine Zellenfabrik in Malaysia eröffnet und im Gegenzug einen Teil der Produktion am Stammsitz Bitterfeld geschlossen. 500 Stellen fielen weg.
Die neuen eigenen Module lasse der Konzern bei einem Auftragsfertiger in Malaysia bauen. “Theoretisch wäre auch eine eigene kleinere Fertigung denkbar”, sagte Cen. Bislang verkaufe Q-Cells die Module nur an einzelne Händler und Großkunden wie den Heiztechnikkonzern Viessmann. Nun beginne der aktive Vertrieb. Auf der Branchenmesse Intersolar in zwei Wochen will Cen die Module erstmals vorstellen. “Ich bin verhalten optimistisch für das Modulgeschäft”, sagte Cen.
Doch auch der Modulmarkt ist hart umkämpft. Hier drücken ebenfalls vor allem die chinesischen Rivalen die Preise um rund ein Viertel pro Jahr. Der Preisverfall werde weitergehen, sagte Cen. “Das wird ähnlich wie bei den Zellen.” Deshalb will sich Q-Cells nicht mit dem Modulbau begnügen, sondern sich direkt an die Endkunden wenden – ohne Zwischenhändler – und eine starke Marke aufbauen.