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Retrofit spart Kosten und kommt auch den Mitarbeitern entgegen. - Bild: Unsplash

Denn Stillstandzeiten gefährden Anlagen in erheblichem Maße. Wenn eine Anlage einen Defekt aufweist oder einfach ihren Zenit längst überschritten hat, ist eine Neuanschaffung jedoch nicht in jedem Fall die optimale Lösung. Hiermit sind erhebliche Anschaffungskosten verbunden. Faktoren wie eine Einpassung in die vorhandene Stellfläche, neue Bedienungselemente und Schulungen für die Mitarbeiter können ebenso hinzukommen. In Form der Retrofit-Methode gibt es eine interessante Alternative zur Anschaffung einer neuen Anlage, die natürlich kein Allheilmittel darstellt, doch bemerkenswertes Potenzial bereithält.

Die Bedeutung von Retrofit

Zunächst zur naheliegenden Frage: Was ist Retrofit genau? Schauen wir uns zur Beantwortung zunächst die einzelnen Wortbestandteile an. Dieser kleine Exkurs wird uns mitten ins Zentrum des Konzepts führen. „Retro“ stammt auf dem Lateinischen und bedeutet „rückwärts“, während sich das englische „to fit“ bekanntlich mit „passen“ übersetzen lässt. Retro hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch längst etabliert und steht für den Rückgriff auf die Vergangenheit. Wenn es heißt, dass in der diesjährigen Sommermode eine Retrowelle grassiert, wissen wir alle, um es etwas salopp zu sagen, dass ein Trend aus vergangenen Tagen wieder angesagt ist.   

Auch bei Retrofit geht es um etwas aus der Vergangenheit, das gewissermaßen wieder topaktuell ist: eine Bestandsanlage, die durch neue Bauteile wieder an die derzeitigen technischen Verhältnisse angepasst wird. In der eigentlichen deutschen Übersetzung von Retrofit („Nachrüstung“ oder „Umrüstung“) wird dies leider nicht so deutlich. Eine solche Nachrüstung erfährt durch die gängigen Trends im Maschinenbau eine zusätzliche Begünstigung. Gerade die Mechanik veraltet trotz langjähriger Verwendung kaum. Auf dieser Grundlage lassen sich bei der Modernisierung einer Anlage oder Maschine mittels Retrofit neue Bestandteile aus den Bereichen Steuerung, Antrieb oder Automatisierung integrieren. Auf diese Weise entsteht im Idealfall eine nahtlose Verschmelzung von Techniktradition und moderner Industrietechnik.

Vorzüge einer Nachrüstung

Der auffälligste Vorteil von Retrofit wurde eingangs bereits genannt – die Kosten sind geringer als bei einer Neuanschaffung. Das ist aber weitem nicht der einzige positive Aspekt. Für die Mitarbeiter ist die Handhabung einer Anlage längst zur liebgewonnenen Routine geworden, dank Retrofit müssen sie sich in den meisten Fällen nicht umgewöhnen oder an zeit- und kostenaufwendigen Schulungen teilnehmen. Auch Umbauten in der Produktionshalle oder Platzprobleme entfallen komplett: Alles bleibt wie bisher, der Grundaufbau ist derselbe, wenn auch mit entscheidenden Modifikationen. Bisweilen vermag Retrofit sogar das letzte Quäntchen Potenzial freizusetzen, das eine Anlage zuvor noch nicht entfalten konnte, etwa hinsichtlich der Steigerung der Produktqualität.

Auch eine IT-Integration kann gegebenenfalls durch Retrofit möglich werden. Trotz der genannten Vorteile für Retrofit sollte man allerdings keine Pauschalempfehlung aussprechen: Während sich diese Methode für eine bestimmte Maschine als perfekt erweisen mag, kann es sich bei einer anderen ganz anders darstellen. Es kommt auf den konkreten Einzelfall an. Hier ist also der geschulte, abwägende Blick des Fachmanns gefragt. Dies gilt auch für Sicherheitsbestimmungen, denn gerade bei Nachrüstungen kann die Rechtslage in punkto Maschinensicherheit und Mitarbeiterschutz komplex ausfallen. Umgekehrt vermag jedoch gerade Retrofit eine Anlage erst wieder fit für moderne Sicherheitsbestimmungen zu machen und sie somit bestens für die Zukunft aufzustellen.