BERLIN (Dow Jones/ks)–Die als “Carbon Capture and Storage” (CCS) bezeichnete Technologie zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid gilt als Schlüssel, um Strom aus Kohle sauberer zu machen. In Hürth bei Köln hat die Essener RWE AG ein CCS-Kraftwerk mit einer Leistung von 450 Megawatt geplant, welches ursprünglich 2015 in Betrieb gehen sollte. Vor kurzem hat der Konzern den Entwicklungsprozess vorerst gestoppt.

“In Hürth könnten wir konkrete Angebote zur technischen Umsetzung einholen. Was fehlt, sind ein Gesetz und die Akzeptanz für den Transport und die Speicherung”, erläuterte Lambertz am Rande der vom “Handelsblatt” veranstalteten “Jahrestagung Energiewirtschaft” den Stand des Projekts. Ein Gesetz dürfe aber nicht nur Demonstrationsanlagen, sondern müsse den Betrieb von Kraftwerken und Speichern ermöglichen, forderte er.

Lambertz sieht CCS bereits als technologisch machbar an. Von der Wirtschaftlichkeit ist die Technologie jedoch noch ein Stück entfernt. “Der Preis für die Emission einer Tonne CO2 muss über 30 bis 35 Euro je Tonne liegen, um CCS profitabel zu machen”, sagte er und zeigte sich damit skeptischer als Tuomo Hatakka am Vortag. Der Deutschland-Verantwortliche des schwedischen Vattenfall-Konzerns hatte diesen Emissionspreis als Grenze zur Profitabilität genannt.

Momentan kostet ein Zertifikat für den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid an der Leipziger Energiebörse weniger als 15 Euro. Dabei müssen die Energiekonzerne derzeit noch gar nicht für alle Emissionen zahlen, da ein Großteil der Zertifikate noch kostenlos zugeteilt wird. So hatte RWE im Jahr 2009 rund zwei Drittel der knapp 150 Mio Tonnen Kohlendioxid nicht bezahlen müssen. Ab 2013 müssen die Versorger dann für den ganzen Ausstoß zahlen.

Besonders viel Kohlendioxid fällt bei der Verbrennung von Kohle an. Entsprechend verteuert sich diese Erzeugungsart ab 2013 besonders. “Die Marktgegebenheiten für Kohleverstromung werden durch die CO2-Auktionierung natürlich schwieriger”, sagte Lambertz. Seiner Ansicht nach werden besonders ältere Steinkohlekraftwerke dann unrentabler.

Generell ist für Lambertz die Kohle als Brennstoff aber noch lange unverzichtbar. “Wir brauchen noch viele Jahrzehnte einen Mix konventioneller Erzeugung, zu dem auch die Kohle gehört”, sagte er und begründete dies mit der mangelnden Versorgungssicherheit aus erneuerbaren Energien.