MÜNCHEN (Dow Jones/rm). Dazu möchte der Münchener DAX-Konzern seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Voith Hydro an den Mehrheitseigner Voith abgeben, wie Dow Jones Newswires am Sonntag aus Unternehmenskreisen erfuhr. Siemens setze statt auf Wasserkraftwerke künftig auf Meeresströmungskraftwerke, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Dow Jones Newswires.

Vor zehn Jahren hatten Siemens und der Heidenheimer Maschinenbauer Voith ihre Wasserkraftaktivitäten im Gemeinschaftsunternehmen Voith Hydro zusammengelegt. Voith hält daran 65%, Siemens gehören 35%. Diesen wollen die Münchner nun an Voith abgeben, Verhandlungen dazu laufen bereits.

Siemens würde sich damit von einem florierenden Geschäft trennen, denn Voith Hydro konnte zuletzt sehr gute Zahlen vorlegen. Im ersten Geschäftshalbjahr (31. März) hatte der Umsatz um knapp 47% auf 450 Mio EUR zugelegt, die Bestellungen stiegen gar um 86%. Doch Siemens spricht den Wachstumsaussichten von Meeresströmungskraftwerken noch größere Zukunftschancen zu und will sich deshalb aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückziehen. Bis zum Jahr 2020 rechnet der Konzern hier mit zweistelligen Wachstumsraten.

Bei den Meeresströmungskraftwerken kann Siemens auf Technologie aus dem eigenen Hause zurückgreifen, denn sie nutzen ähnliche Rotoren und Turbinen wie Windkraftwerke. In diesem Geschäftsfeld konnten Siemens zuletzt mehrfach große Aufträge einfahren. Ein wesentlicher Vorteil der Meeresströmungskraftwerke: Die Stromproduktion ist aufgrund der Gezeitenzyklen vorhersehbar und damit planbar.

Den ersten Schritt ins neue Geschäftsfeld Meeresströmungskraftwerke ist der DAX-Konzern bereits im Februar gegangen, als er eine Beteiligung von knapp unter 10% an Marine Current Turbines erworben hat. Das britische Unternehmen plant und entwickelt Meeresströmungskraftwerke. Eine Aufstockung des Anteils oder weitere Zukäufe in diesem Bereich seien möglich, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Auch der “Spiegel” hatte am Samstag in einer Vorabmeldung über die Ausstiegspläne von Siemens bei Voith Hydro berichtet.