DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Beim Solarzulieferer SMA laufen die Geschäfte offenbar weiter blendend. Das Unternehmen aus dem hessischen Niestetal hat seine Ergebnisziele am Mittwoch nochmals erhöht und rechnet nun de facto mit einer Verdopplung der Erlöse in diesem Jahr sowie höheren Gewinnen. Für das kommende Jahr ist SMA dagegen vorsichtiger und erwartet für 2011 momentan stagnierende Umsätze und rückläufige Margen.

Das Unternehmen profitiert von seiner starken Stellung im Markt für Wechselrichter, einem Kernelement jeder Photovoltaikanlage, mit dem der produzierte Gleichstrom in netzfähigen Wechselstrom umgewandelt wird. Den eigenen Anteil am Weltmarkt für diese Produkte beziffert SMA auf rund 40%.

Der im TecDAX notierte Konzern sieht das weltweite Marktwachstum in diesem Jahr mit großem Optimismus. Die SMA Solar Technology AG rechnet für 2010 mit einer neu installierten Photovoltaikleistung von weltweit 17 Gigawatt (GW), davon 8 GW allein in Deutschland. Bisher war das Unternehmen insgesamt von 14 GW ausgegangen.

Mit der Annahme hoher Wachstumsraten, sowohl global als auch lokal, steht SMA nicht allein. Auch unabhängige Marktbeobachter rechnen mit deutlichen Zuwächsen. Allerdings unterscheiden sich die Prognosen in ihrem Ausmaß. So erwarten die Branchenanalysten der Investmentbank Lazard für Deutschland ein Volumen von mindestens 7 GW in diesem Jahr. Die Marktforscher von EuPD Research gehen in Deutschland von rund 6,5 GW aus und weltweit von über 11 GW.

Ein Sprecher von SMA verwies auf den eigenen hohen Marktanteil, der eine gute Einschätzung der Nachfrageentwicklung erlaube. Unter der Annahme eines größeren Marktes erhöhte der Konzern die Umsatzprognose und will in diesem Jahr nun 1,7 Mrd bis 1,9 Mrd Euro erlösen. Zuvor hatte das Ziel auf 1,5 Mrd bis 1,8 Mrd Euro gelautet. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll dabei ein Gewinn von 26,5% bis 28,5% des Umsatzes erzielt werden, wobei nun statt eigentlich geplanter 160 Mio Euro Investitionen 210 Mio Euro erwartet werden. Die bisherige Zielspanne lag bei 24% bis 27%.

SMA hatte seine Prognosen erst Anfang Juli angehoben. Ursprünglich war das Unternehmen von einem Weltmarktvolumen von 9 bis 11 GW ausgegangen und wollte dabei einen Umsatz von 1,1 Mrd bis 1,3 Mrd Euro erzielen mit einer maximalen EBIT-Marge von 23%. Die Vorhersage nachlassender Profitabilität – 2009 war bei einem Umsatz von 934 Mio Euro eine Gewinnspanne von 24,6% erreicht worden – hatte SMA unter der Prämisse höheren Wettbewerbsdrucks getroffen.

Diesen sieht das Unternehmen nun im kommenden Jahr auf sich zukommen, wie der Sprecher sagte. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift “Photon” wurde eine Analyse der Baukosten eines SMA-Wechselrichter und eines koreanischen Konkurrenzmodells vorgenommen. Im Ergebnis ermittelten die Experten, dass die Hessen mehr als doppelt so hohe Materialkosten pro Watt Leistung einsetzen. SMA stehe vor großen strategischen Herausforderungen, schlussfolgerte “Photon”.

Zugleich machen die jüngsten Änderungen bei der Förderung der Technologie in verschiedenen Ländern die Prognosen für die globale Nachfrageentwicklung schwierig. Die Schätzungen von SMA lauten auf ein Wachstum von bis zu 20%. Allerdings sei auch ein Rückgang um bis zu 10% nicht auszuschließen, hieß es.

In Deutschland, mit weitem Abstand der größte Markt weltweit, sind die Vergütungen für Sonnenstrom zur Jahresmitte um bis zu 13% gesenkt worden und im Oktober kommen weitere 3% hinzu. Das hat im Zusammenspiel mit niedrigeren Anlagenpreisen für einen Nachfrageboom gesorgt, der wiederum eine weitere stärkere Absenkung der Förderung zum Jahreswechsel nach sich ziehen wird. Dazu haben zuletzt Frankreich und Italien die Subventionen gekürzt; Spanien ist kurz davor.

SMA geht davon aus, 2011 Erlöse von 1,5 Mrd bis 1,9 Mrd Euro zu erzielen. Die EBIT-Marge werde voraussichtlich 21% bis 25% betragen, hieß es weiter. An der Börse richten sich die Blicke nach anfänglicher Euphorie eher auf die Prognose abschwächender Dynamik. Zunächst springt die Aktie auf 93,40 Euro, was ein Plus von 5,5% zum Schlusskurs vom Dienstag bedeutete. Um 13.34 Uhr notiert sie bei 88,08 Euro, ein Abschlag von 0,5%.