BONN (Dow Jones/rm). Trotz der Unsicherheiten des Marktumfelds will der Konzern in diesem Jahr weiter wachsen. Das sollte sich dann auch irgendwann auf den Aktienkurs auswirken, den Asbeck am Donnerstag als “grottenschlecht” bezeichnete.

Während sich die Unternehmenslenker am Nachmittag im ehemaligen Bundestag in Bonn den Fragen der Aktionären stellten, notierte die Solarworld-Aktie in einem sehr schwachen Marktumfeld mit 8,28 EUR rund 4,6% tiefer als am Vortag. Das ist der tiefste Stand seit Mitte 2005. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier drei Viertel seines Werts verloren.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende warb um Verständnis. Auch er habe “eine Milliarde” eingebüßt, sagte er. Allerdings sei das nur virtuell, wenn man keine Absicht habe, zu verkaufen, fügte Asbeck hinzu. Er hält ein Viertel der Anteile des Bonner TecDAX-Unternehmens.

Auch Finanzvorstand Philipp Koecke wies darauf hin, dass der Aktienkurs nicht immer dem Unternehmenswert entspreche. Er führte den Kursverfall auf die Unsicherheiten zurück, die die Investoren zurückhaltend machten. Vor allem den beobachteten Preisrutsch für Solartechnik, die Frage der chinesischen Konkurrenz und die beschlossene Kürzung der Solarförderung in Deutschland hob Koecke hervor.

Die größte Unsicherheit kommt durch die bevorstehende Absenkung der Einspeisevergütungen in Deutschland, das 2009 mit rund der Hälfte aller Installationen weltgrößter Markt war. Die von der im Herbst ins Amt gekommenen schwarz-gelben Bundesregierung initiierte Kürzung der Einspeisevergütungen sieht vor, dass die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Fördersätze zum 1. Juli für Dachanlagen um 16% gekappt werden. Die Subvention von Anlagen auf Ackerflächen soll ganz wegfallen.

Der Gesetzgebungsprozess ist noch nicht endgültig abgeschlossen, aber mit Änderungen rechnet kaum noch jemand. Asbeck hofft zwar nach eigener Aussage, dass über eine Initative des Bundesrats der “harte Tobak” von 16% noch auf 10% abgemildert wird, erwartet das aber nicht wirklich, wie er später zugab.

Im Ergebnis rechnen die Solarworld-Lenker, dass rund die Hälfte der Absenkung am Ende der Produktionskette bei den fertigen Solarmodulen ankommen wird. Das soll durch Kostensenkungen mittels Effizienzsteigerungen und Prozessoptimierungen “mehr als kompensiert” werden, wie Asbeck sagte. Der Umsatz soll 2010 deutlich über dem 2009 erzielten Niveau von 1 Mrd EUR liegen.

Die Kostenbasis ist laut Asbeck dabei nicht so weit von der Konkurrenz aus Fernost entfernt, wie Beobachter befürchten. Er bezifferte den Nachteil gegenüber dem “günstigsten vergleichbaren Anbieter aus China” auf 10%. Durch den schwächeren Kurs des Euro liege man nun sogar gleichauf mit den Produzenten, die leistungsfähige Module herstellen, ergänzte Asbeck.

Zudem setzt das Unternehmen die Hoffnungen auf die geänderte Eigenverbrauchsregelung im novellierten EEG. In der Vision des Managements werden die Kunden zukünftig einen immer größeren Anteil ihres Strombedarfs selbst erzeugen. Dazu soll die verbesserte Förderung beitragen, die laut Vertriebsvorstand Frank Henn auf Initiative von Solarworld in den Gesetzestext aufgenommen wurde.

Solarworld schneidet derzeit das Marketing in Deutschland auf den Eigenverbrauch zu. Und auch im Ausland will das Unternehmen weiter wachsen. Damit soll der Aktienkurs irgendwann wieder zweistellig sein. “Unter 10 EUR – so geht das nicht”, sagte Asbeck und begründete damit auch das in der vergangenen Woche eingeleitete Aktienrückkaufprogramm.