MÜNCHEN (Dow Jones/rm). “Wir haben im zweiten Quartal die Preise für Solarzellen um einen mittleren einstelligen Prozentsatz erhöht”, sagte der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen im Interview mit Dow Jones Newswires.

Als Grund für die Preiserhöhungen nannte Cen die Materialkosten, insbesondere für Siliziumscheiben, die weltweit wieder gestiegen seien. “Sollte dieser Trend weiter anhalten, rechnet der Vertrieb damit, dass die Preise stabil bleiben oder mittelfristig sogar weiter steigen können”, fügte Cen am Rande der Branchenmesse Intersolar hinzu, die am Donnerstag in ihren zweiten Tag ging.

Der von vielen Marktbeobachtern befürchtete Nachteil gegenüber asiatischen Herstellern wird dadurch Cen zufolge aber nicht größer. “Wegen des schwächeren Euro müssen jetzt auch die Chinesen ihre Preise anheben”, verwies Cen auf die Auswirkungen der jüngsten Devisenkursentwicklung. Da in der Solarbranche die Nichteuropäer meist in US-Dollar abrechnen, gerät bei einem Verfall des Euro deren Marge bei stabilen Preisen im wichtigen europäischen Markt unter Druck.

Die Thalheimer Q-Cells SE hat als Produzent von Solarzellen angefangen und stieg 2007 sogar zum Weltmarktführer auf. Dann wurde das Geschäft mit dem Einstieg in den Bau großer Photovoltaikanlagen und der Herstellung von Dünnschichtmodulen verbreitert, was im vergangenen Jahr zu hohen Abschreibungen führte.

Da war das Unternehmen in den Strudel der Branchenkrise geraten. Gesunkene Nachfrage und stärkere Konkurrenz belasteten das Geschäft. Die Folge waren Überangebot und ein Preisrutsch, den das Unternehmen bei Solarzellen auf über 50% bezifferte. Dazu belasteten zusätzlich in Boomzeiten zu hohen Preisen geschlossene langfristige Lieferverträge für Silizium die Margen.

Insgesamt wies der einstige Hoffnungsträger unter den ostdeutschen Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,4 Mrd EUR aus – fast 600 Mio EUR mehr, als überhaupt an Umsatz verzeichnet wurde. Für dieses Jahr prognostiziert das TecDAX-Unternehmen einen Umsatz von 1 Mrd bis 1,2 Mrd EUR und ein positives operatives Ergebnis.

Cen wurde vom Aufsichtsrat Mitte 2009 zunächst als Finanzvorstand geholt und übernahm Mitte März dann noch das Amt des Vorstandsvorsitzenden. Im Gespräch mit Dow Jones Newswires gestand Cen ein, vom Ausmaß der Probleme überrascht worden zu sein. “Die Fülle an Herausforderungen war so im Vorfeld nicht absehbar”, sagte er. Auf die nötige Restrukturierung, Portfoliooptimierung und das geforderte Liquiditätsmanagement, dazu noch unter den Bedingungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, sei Q-Cells nicht vorbereitet gewesen.

Die Verantwortung für die Finanzen wird Cen ab Juli an Marion Helmes abgeben, die diese Aufgabe bislang bei der Aufzugsparte von ThyssenKrupp wahrgenommen hat. Mit dem 60-jährigen Hans-Gerd Füchtenkort hat Q-Cells zudem seit kurzem einen neuen Vertriebsvorstand. Er war unter anderem für die Distribution beim Sanitärhersteller Grohe zuständig.

Beide neuen Führungskräfte kommen nicht aus der Branche, was Cen nicht als Problem betrachtet. “Mit neuen Managern soll die Erfahrung größerer Unternehmen zu Q-Cells kommen”, sagte er. So kenne etwa Füchtenkort die Vertriebsstrukturen genau.

Ein Eckpfeiler der Strategie Cens ist der Einstieg in die Produktion kristalliner Solarmodule. Damit soll dem Restrukturierungsexperten zufolge die Lücke zwischen der eigenen Zellproduktion und der Entwicklung größerer Solaranlagen geschlossen werden.

Die modulherstellenden Kunden von Q-Cells sehen diesen Schritt laut Cen bisher nicht mit Sorge. “Bislang haben wir keine kritischen Kommentare von Zellkunden vernommen”, sagte er unter Verweis auf die gegenseitige Abhängigkeit. Q-Cells stütze mit den eigenen Modulen den auch von den Zellabnehmern fokussierten Premiumbereich, erklärte Cen.

Der Manager stellte klar, dass auch Q-Cells hochwertige Produkte mit besonders guten Zellen zu Preisen verkaufen werde, die die eigenen Zellkunden für ihre hochwertigen Module verlangten. Dazu werde es günstigere qualitativ abgestufte Varianten für unterschiedliche Anwendungen geben, kündigte Cen an. Kleinere Mengen der neuen Produkte seien im ersten Halbjahr schon verkauft worden.

Für größere Unsicherheit in der Branche hatte zuletzt die langanhaltende Diskussion um die Zukunft der Solarförderung in Deutschland gesorgt. Die von der im Herbst ins Amt gekommenen schwarz-gelben Bundesregierung initiierte Kürzung sieht vor, dass die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Fördersätze zum 1. Juli für Dachanlagen um 16% und für Anlagen auf Freiflächen um 15% gekappt werden. Die Subvention von Anlagen auf Ackerflächen soll ganz wegfallen.

Momentan hängt die Novelle noch zwischen Bundestag und Bundesrat fest, doch mit gravierenden Änderungen wird weithin nicht gerechnet. Cen erwartet dadurch aber keinen weiteren Preisdruck. “Wir sehen derzeit nicht, dass die EEG-Absenkung zu Preisanpassungen für Zellen und Module führt, da diese schon 2009 besonders stark vom Preisverfall betroffen waren”, sagte er.

Cen sieht Q-Cells bei den Bemühungen um die Wiedergewinnung der Profitabilität in diesem Jahr auf gutem Weg. Eine Verlängerung seiner eigentlich befristeten Tätigkeit schloss er trotzdem nicht aus. “Ob ich auch noch nächstes Jahr im Amt bleibe, muss der Aufsichtsrat entscheiden. Ich habe den Auftrag zunächst bis Jahresende und diesen werde ich erfüllen”, sagte er.