Der dänische Windradhersteller Vestas hat die Börse am Mittwoch mit einer deutlichen Reduzierung seiner Prognose für das Jahr 2010 schockiert.Von Johan Anderberg, Dow Jones

STOCKHOLM (Dow Jones/ks)–Die Hinweise auf den starken Auftragseingang im zweiten Quartal fanden kaum Gehör bei den Anlegern. Der Titel gab an der Börse in Kopenhagen um 23% auf 242 DKK nach. Damit ist die Aktie fast nur noch ein Drittel wert, wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise und der damit einhergehenden Verschiebung von Windkraftprojekten weltweit. Das Kurshoch im Juni 2008 lag bei 692 DKK.

Das zweite Quartal verlief für die Vestas Wind Systems A/S deutlich schlechter als am Markt erwartet. Sie verbuchte für die drei Monate per Ende Juni einen Nettoverlust von 119 Mio Euro nach einem Gewinn von 43 Mio Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Mittel nur mit einem Fehlbetrag von 45 Mio Euro gerechnet. Operativ stellte sich das Minus auf 148 Mio Euro nach einem Gewinn von 78 Mio Euro. Der Umsatz sank um 17% auf 1,01 (1,21) Mrd Euro.

Im Gesamtjahr plant Vestas nun nur noch mit einer EBIT-Marge von 5% bis 6% bei einem Umsatz von 6 Mrd Euro. Bisher lautete die Prognose auf 10% bis 11% EBIT-Marge und 7 Mrd Euro Umsatz. Die Gewinnwarnung begründete Vestas damit, dass erwartete Bestellungen aus den USA, Spanien und Deutschland sich verzögerten und nicht mehr, wie geplant, in diesem Jahr gebucht werden könnten.

Inzwischen hat sich die Auftragslage laut dem Konzern deutlich erholt. Mit Ordern für gut 3 Gigawatt sei im zweiten Quartal ein Rekord erreicht worden.

Ungeachtet des hohen Auftragseingangs wird Vestas ihre Pläne zum Personalaufbau nicht vollständig umsetzen. Die Belegschaft würde 2010 um nahezu 3.000 Mitarbeiter aufgestockt, hieß es am Mittwoch. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 3.400 Personen eingestellt werden.

Hakon Levy, Analyst bei Fondsfinans, sprach von einem “sehr schwachen” Bericht. Die Prognosesenkung sei viel schlimmer ausgefallen als erwartet.

Anfang des Monats hatte auch der deutsche Wettbewerber Nordex von steigenden Aufträgen berichtet, sich eine konkrete Gewinnprognose aber nicht zugetraut. Auch bei Nordex hatten die Nachwirkungen der Finanzkrise zu einem Umsatzrückgang geführt – auf 350 (mehr als 500) Mio Euro im ersten Halbjahr. Der Hamburger Hersteller REpower musste aufgrund von kundenseitigen Verschiebungen von Projekten Einbußen beim Umsatz und beim Ertrag hinnehmen.