BERLIN (Dow Jones/ks)–”Das Umsteigen in eine andere Energie wird am Schluss auch Geld kosten”, sagte Brüderle am Dienstag in Berlin nach einer Sitzung der von der Bundesregierung eingerichteten “Plattform” zum Thema Netzausbau.

Die Höhe der dadurch für den Verbraucher entstehenden zusätzlichen Belastung, die momentan in einer Spanne zwischen 1,2 bis 2 Cent pro Kilowattstunde geschätzt werde, werde vom Tempo der Umstrukturierung abhängen, sagte der Minister. Damit dies im erträglichen Rahmen bleibe, setze sich die Bundesregierung für einen europäischen Strommarkt ein, in dem arbeitsteilig Kostensenkungen erfolgten, da die Solarnutzung in Südeuropa etwa effizienter als in Deutschland sei. Dennoch werde es auch dann “nicht ganz gelingen”, zusätzliche Kosten völlig zu vermeiden.

In Deutschland bestehe ein “gigantischer Netzausbaubedarf”, sagte der Minister. Notwendig seien vermutlich Investitionen in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrages. Es müsse mit allen Betroffenen Tempo gemacht werden, sagte Brüderle. Dazu diene auch die Plattform, die als “Motor für Fortschritt” fungieren solle.

Im Sommer 2010 hatte die Bundesregierung als Teil ihres Energiekonzeptes beim BMWi die Plattform “Zukunftsfähige Netze/Systemsicherheit” eingerichtet. Diese versteht sich als permanentes Forum für Fragen um die Stromnetze. In der Plattform tauschen sich die verschiedenen Akteure wie Netzbetreiber, Vertreter von Wirtschafts- und Umweltverbänden sowie Bundesländern aus, um Konzepte zur Bewältigung der Herausforderungen beim Netzausbau zu entwickeln.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte ein Netzausbaubeschleunigungsgesetz. “Der Bau neuer Übertragungsleitungen dauert wegen langwieriger Genehmigungsverfahren oft mehr als zehn Jahre und das ist zu lang”, sagte Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, am Dienstag in Berlin. Notwendig seien intelligente Anreize für Investitionen sowie deutlich schnellere und schlankere Genehmigungsverfahren.

Das Übertragungsnetz muss laut Deutscher Energieagentur (Dena) um rund 3600 Kilometer ausgebaut werden, um die steigenden Mengen an erzeugten regenerativen Strommengen zu transportieren.