Die Erzeuger von Erneuerbaren Energien sollen künftig Strom liefern, auch wenn der Wind nicht weht:

Die Erzeuger von Erneuerbaren Energien sollen künftig Strom liefern, auch wenn der Wind nicht weht: Mit seiner "Marktprämie" will Umweltminister Röttgen einen Anreiz für die Erzeuger von Erneuerbaren Energien schaffen, in Stromspeicher zu investieren (Bild: Günter Menzl - Fotolia.com).

HAMBURG (Dow Jones/ks)–Dafür soll eine neue “optionale Marktprämie” sorgen. Das geht aus Eckpunkten für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hervor, die der “Financial Times Deutschland” (FTD – Donnerstagausgabe) vorliegen.

Die bisherigen Garanten des Ökostrombooms – der Vorrang vor den konventionellen Energien und die garantierte Einspeisevergütung – sollen dabei erhalten bleiben. Die neuen Regeln sind Teil des Gesetzespakets zur Energie, das am 6. Juni vom Bundeskabinett beschlossen werden soll.

Bisher speisen Anbieter ihren Ökostrom nur dann ins Netz ein, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Die Anpassung des Stromangebots an die Nachfrage, ohne die das Stromnetz nicht funktioniert, müssen die konventionellen Kraftwerke allein übernehmen. Wenn der Anteil der Ökoenergien am Strommix wie geplant von heute 17% bis 2020 auf 35% wachsen soll, wird dies nicht mehr gelingen. Daher sollen auch Anbieter erneuerbarer Energien lernen, ihren Strom dann einzuspeisen, wenn die Nachfrage groß ist – also zum Beispiel Windstrom nachts zu speichern und tagsüber anzubieten.

Bislang erhalten Ökostromproduzenten eine fixe Vergütung, die teilweise deutlich über dem Börsenpreis liegt. In Zukunft sollen sie die Möglichkeit erhalten, sich für eine Marktprämie zu entscheiden. Dann könnten sie ihren Strom direkt an der Börse verkaufen. Die Differenz zwischen der bisherigen Garantievergütung und dem durchschnittlichen Börsenpreis bekämen sie erstattet. Wer es schafft, seinen Ökostrom zu einem überdurchschnittlichen Börsenpreis zu verkaufen, könnte also zusätzlich Geld verdienen.

Kritiker sehen in der neuen Marktprämie ein teures Placebo, schreibt die “Financial Times Deutschland” weiter. Viele Unternehmen würden die insgesamt 200 bis 300 Mio Euro  Zusatzverdienst zwar gern mitnehmen, hieß es aus der Ökobranche. Allerdings setze die Prämie keine wirksamen Anreize, die Stromerzeugung tatsächlich zu verlagern. So könne man an der Börse zu Hochpreiszeiten maximal zwischen 0,5 und 1 Cent pro Kilowattstunde zusätzlich verdienen – die Kosten für Speicher lägen jedoch deutlich höher. Wirksamer sei es, die Nutzung von Speichern direkt zu fördern.