MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Dabei wurde neben der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 80% bis 2050 im Vergleich zum Jahr 1990 festgelegt, wie Jürgen Becker, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, am Dienstag in München auf einer Energiekonferenz sagte.

Am Ziel einer Reduktion um 40% bis 2020 wird im Energiekonzept festgehalten. Dazu wurden die Zwischenschritte einer Senkung um 55% bis 2030 und um 70% bis 2040 festgelegt. Dies soll über den Ausbau erneuerbarer Energien erreicht werden.

Im Jahr 2020 sollen 18% des Energieverbrauchs durch sie gedeckt werden, 2030 werden 30% angestrebt, 2040 soll der Anteil 45% betragen und 2050 dann 60%, wie Becker sagte. Der Strom soll am Ende des Betrachtungszeitraums zu 80% aus erneuerbaren Energien stammen. Im Jahr 2020 sollen es 35% sein. Im vergangenen Jahr waren es gut 16%.

Dabei setzt die Bundesregierung laut Becker vor allem auf Windenergieprojekte auf offener See. Bis 2030 soll eine sogenannte Offshore-Kapazität von 25 Gigawatt entstehen, das entspricht gut 20 Atomkraftwerken. Die von der Politik geschätzten Investitionen von 75 Mrd EUR sollen durch ein Darlehensprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 5 Mrd EUR ab 2011 für die ersten zehn Projekte angeschoben werden.

Großes Gewicht legt das Energiekonzept auf Energieeinsparung. Bis 2020 soll der Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 um 20% und bis 2050 um 50% sinken. Der Stromverbrauch soll 2020 um 10% niedriger und 2050 um 25% unter den Werten von 2008 liegen. Dazu sei die Verdopplung der Sanierungsrate beim Gebäudebestand auf 2% pro Jahr erforderlich, heißt es in dem Entwurf.

Zur Steigerung der Energieeffizienz wird ein Fonds mit jährlich 500 Mio EUR ausgestattet, mit denen unter anderem Aufklärung gestiftet und Handlungsemfehlungen gegeben werden sollen. Zudem soll die Klimaschutzinitiative des Umweltministeriums, durch die etwa die Installation von kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gefördert wird, um 200 Mio EUR pro Jahr aufgestockt werden.

Neben der Wichtigkeit der erneuerbaren Energien und der Brückenfunktion der Kernenergie sieht das Konzept auch den Neubau flexibler Gas- und Kohlekraftwerke vor. Bei letzteren will die Bundesregierung Investitionen in neue Anlagen fördern, wenn sie für die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid geeignet sind. Stromproduzenten mit einem Anteil an deutscher Erzeugungskapazität von mehr als 5% müssen dafür alte Anlagen abschalten. Diese Bedingung zielt auf die vier großen Stromkonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, die zusammen mehr als 80% der Kapazitäten besitzen.