Conergy war 2007 nach einem letztlich zu wagemutigen Expansionskurs knapp an der Pleite

Conergy war 2007 nach einem letztlich zu wagemutigen Expansionskurs knapp an der Pleite vorbeigeschlittert, die Aktionäre mussten Kapital nachschießen. Jetzt hat der Aufsichtsrat gegen die damaligen Vorstände geklagt (Bild: Conergy).

DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Nach gescheiterten Vergleichsverhandlungen mit dem Gründer Hans-Martin Rüter und drei weiteren Managern sei gegen diese am Vortag Klage beim Landgericht Hamburg eingereicht worden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Schmelzle am Freitag auf der Hauptversammlung des Unternehmens.

Das Unternehmen wirft Rüter sowie dem ehemaligen Finanzvorstand Heinz Piossek und den Vertriebsvorständen Albert Edelmann und Christian Langen vor, die Existenz des Unternehmens durch ihre Entscheidungen gefährdet zu haben. Dazu zählten verschiedene Einzelgeschäfte wie etwa Akquisitionen oder der Abschluss von Lieferverträgen, so Schmelzle. Ende 2007 und 2008 war das Unternehmen nach einem letztlich zu wagemutigen Expansionskurs nur knapp der Insolvenz entgangen, die Aktionäre mussten Kapital nachschießen, der Vorstand musste gehen.

Im April 2009 hatte der Aufsichtsrat beschlossen, den für das Jahr 2007 verantwortlichen Vorstand nicht zu entlasten. Dazu sollten Vergleichsgespräche mit den Managern aufgenommen werden, die im Fall des Scheiterns Klagen nach sich ziehen sollten. Neben den vier Vorständen, die jetzt beklagt werden, waren seinerzeit noch zwei andere Männer im operativen Führungsgremium vertreten.

Rüter streitet die Vorwürfe ab und will deshalb auch keinem Vergleich zustimmen. “Ich sehe im Vorgehen des Aufsichtsrats den Versuch, durch nicht haltbare Vorwürfe im wesentlichen Geld von der Versicherung zu erlösen sowie von eigenen eklatanten Versäumnissen abzulenken”, sagte er in einer schriftlichen Stellungnahme. Die von ihm angesprochene Managerhaftpflichtversicherung haftet Schmelzle zufolge höchstens mit 40 Mio Euro. “Wir gehen davon aus, dass die Versicherung für etwaige Ansprüche einsteht”, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Rüter sieht nach eigener Aussage dem Gang vor Gericht “gelassen entgegen”.

Rüter steht neben Piossek und seinem Nachfolger an der Conergy-Spitze, dem früheren Tchibo-Chef Dieter Ammer, und anderen Managern auch im Visier der Hamburger Staatsanwaltschaft. Diese hat im Juni wegen angeblicher Bilanzfälschung und Insiderhandels bei Conergy Anklage erhoben.