Im Conergy-Werk Frankfurt an der Oder (im Bild) sollen laut aktuellen Berichten in Zukunft nur noch

Im Conergy-Werk Frankfurt an der Oder (im Bild) sollen laut aktuellen Berichten in Zukunft nur noch Solarmodule produziert werden, die Herstellung von Wafern und Zellen soll eingestellt werden (Bild: Conergy).

DÜSSELDORF (Dow Jones)–Das Solarunternehmen Conergy will auf die anhaltenden Verluste offensichtlich mit einem Stellenabbau reagieren. So sollen bei dem einst mit großen Hoffnungen verbundenen integrierten Werk in Frankfurt/Oder künftig nur noch Solarmodule hergestellt werden. Auch im Verwaltungsbereich seien Anpassungen geplant, wie eine mit den Planungen vertraute Person am Wochenende zu Dow Jones Newswires sagte. Die Hamburger Conergy AG leidet wie andere Branchenvertreter unter der sehr schwachen Nachfrage und schrieb in den ersten sechs Monaten einen Verlust von 40 Mio Euro. Ausgelöst von der Unklarheit über den Fortgang der Förderung sind mit Deutschland und Italien die beiden im vergangenen Jahr größten Märkte der Welt zu Anfang dieses Jahres regelrecht eingebrochen. Gleichzeitig haben vor allem die chinesischen Hersteller massiv in Fertigungskapazitäten investiert und drücken ihre Produkte über den Preis in den Markt. Fast halbiert hätten sich die Preise seit Ende 2010, berichten Branchenvertreter.

Die deutschen Unternehmen, die ihre Produkte mit dem Siegel “Made in Germany” mit Aufschlag verkaufen, müssen nachziehen, um überhaupt noch Abnehmer zu finden. Das drückt die ohnehin knappen Margen zusätzlich, zuletzt schrieben viele Hersteller Verluste. Wie Q-Cells, das die Hälfte der Zellproduktion am Stammsitz schließt und Personal in der Verwaltung abbaut, reagiert nun auch Conergy mit einschneidenden Maßnahmen.

Bislang war das Hamburger Unternehmen dem Trend zur Verlängerung der Wertschöpfungskette gefolgt und war 2006 mit der 250 Mio Euro teuren Fabrik in Frankfurt/Oder in die Produktion eingestiegen. Vom Sägen der Siliziumscheiben, den so genannten Wafern, über die Herstellung von Solarzellen bis zur Fertigung der kompletten Module deckt die Anlage derzeit bis auf die Siliziumherstellung alle Produktionsschritte ab.

Jetzt will Conergy die Waferfertigung und die Zellproduktion in dem Werk einstellen. Das sei momentan die wahrscheinlichste Option, sagte der Insider. Das Unternehmen würde dann in Asien produzierte Zellen einsetzen und daraus Module bauen. Erklärtes Ziel: Die Kosten müssen runter.

Aktuell arbeiten in der Fabrik rund 700 Mitarbeiter, davon 450 Festangestellte. Zuletzt wurden wegen der geringen Auslastung schon weniger Leiharbeiter eingesetzt. In Zukunft werden demnach wahrscheinlich nur noch die festen Mitarbeiter benötigt, von denen ein Teil in der Modulproduktion eingesetzt werden soll. Der Rest soll sozialverträglich abgebaut werden. “Ohne Personalmaßnahmen wird es nicht gehen”, so der Informant. In den kommenden Tagen soll die Belegschaft über die Pläne informiert werden.

Auf der Hauptversammlung am Freitag hatte der mangels Vorstandschef an der Spitze stehende Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf vom Zwang berichtet “die Zukunftsfähigkeit unserer Produktion in Frankfurt zu überprüfen und gegebenenfalls unser Geschäftsmodell anzupassen”. Es bleibe nicht viel Zeit dafür, kurzfristige Entscheidungen müssten getroffen werden. Man werde um Anpassungen nicht umhin kommen, wolle aber am Standort festhalten.

Auch im administrativen Bereich sind Einschnitte geplant. Laut Biedenkopf “haben wir ein Konzept zur Neuausrichtung der Stabsfunktionen sowie der operativen Supportfunktionen ausgearbeitet, das noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll”. Die mit den Plänen vertraute Person bestätigte, dass auch dabei Personal abgebaut werden soll. Wie viele von den aktuell 1.600 Mitarbeitern am Ende übrig bleiben, ist derzeit aber noch unklar.

Für Conergy ist es nicht die erste Schrumpfkur. 2007, als sich das Unternehmen auf einen wagemutigen Expansionskurs begeben hatte, waren fast 3.000 Menschen bei dem Unternehmen beschäftigt. Nachdem die Insolvenz nur knapp vermieden wurde, wurden Bereiche geschlossen oder abgegeben, Personal abgebaut. Genutzt hat es nicht viel, Conergy schreibt nachhaltig Verluste und wurde in diesem Jahr nach einem Schuldenerlass von Gläubigern übernommen. Diese, vornehmlich Hedgefonds mit angelsächsischem Hintergrund, werden sich rote Zahlen nicht lange anschauen. Die aktuellen Pläne geben einen ersten Vorgeschmack.