Bosch entwickelt leistungsstarke elektrische Maschinen mit bis zu 50 Kilowatt Leistung, die in den

Bosch entwickelt leistungsstarke elektrische Maschinen mit bis zu 50 Kilowatt Leistung, die in den Antriebsstrang des Hybridfahrzeugs integriert werden können. (Bild: Bosch)

von Ulrich Schamari

FRANKFURT (mg). Nach Auffassung von Prof. Jörg Franke, Lehrstuhlinhaber Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematisierung an der Universität Erlangen-Nürnberg, wird die Montage- und Handhabungstechnik gegenüber der Produktion von E-Mobilität nicht nur eine dienende, sondern auch eine gestaltende Funktion haben.

Er sagte: „Die Produktions- und Montageprozesse, die wir entwickeln – z.B. die Möglichkeit, Magnete dreidimensional magnetisieren zu können, wird dazu führen, dass wiederum die Entwickler von elektrischen Maschinen völlig neue Motoren entwickeln können.“

Da sehe er, so Franke, in der Tat die Chance auf beiderseitige Befruchtung. Man werde in der Montagetechnik nicht nur das ausführen müssen, was die Gestalter, Entwickler und Konstrukteure der elektrischen Maschinen vorgeben, sondern man könne auch umgekehrt neue Möglichkeiten in der Gestaltung des Produktionsprozesses angehen und den Motorenentwicklern neue Ideen geben.

„Man muss sich auch als Maschinenbauer Gedanken machen, wie denn eine solche Maschine aussieht, und wie man die Maschine gegebenenfalls optimieren könnte“, stellte er fest. Nach seiner Auffassung braucht die Elektromobilität querdenkende Anlagenbauer, um durch neue Montageprozesse für neue Antriebe zu neuen Mobilitätskonzepten zu gelangen.

Elektrik muss mindestens zehn Jahre betrieben werden können

Den Erfahrungsbericht eines deutschen Batterieherstellers im Bereich Montage lieferte Sven Schulz, Geschäftsführer der Akasol Engineering GmbH. Er betonte: „Wir sind der Überzeugung, dass man nur dann hervorragende Batteriesysteme entwickeln und bauen kann, wenn man versteht, wie eigentlich der elektrische Antrieb funktioniert.“

Sein Unternehmen habe eine Supply Chain aufgebaut, die es ermögliche, sehr schnell auf die Anforderungen der Hersteller von Elektroautos zu reagieren. Eine Batterie funktioniere im Elektrofahrzeug nur als System in Kombination einer gewissen Anzahl von Zellen.

Zur Steuerung des Systems müsse entsprechende Elektrik und Elektronik verbaut werden, damit die Batterietechnologie in einem Fahrzeug mindestens zehn Jahre lang betrieben werden könne. Genau hier sei eine hochqualitative Produktions- bzw. Montagetechnik unentbehrlich.

Die Erwartungen eines Autobauers an den Maschinenbau formulierte Frank Leuschner von der Fertigungsplanung und Fahrzeugmontage bei Opel/Vauxhall. Zunächst gab er zu bedenken: „Wir haben niedrige Stückzahlen. Das heißt, wir können uns nicht leisten, Anlagen für viele Millionen Euro zu kaufen, nur um diese Autos zusammenzubauen.“

Vielfalt an Elektroantrieben bedingt flexible Anlagen

Da aber bei Elektroautos eine große Vielfalt – vom elektrischen Hilfsmotor bis zum reinen Elektroantrieb – bestehe, brauche man eine hohe Flexibilität auf den Anlagen, die beispielsweise für die Montage der Batterie im Auto eingesetzt werden. Für die Elektroautos habe man gegenüber Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb veränderte Montageinhalte mit zusätzlichen Bauteilen.

Von den Anlagenbauern erhofft sich Leuschner die Bereitstellung einer Montagetechnik, die auf die speziellen Bedürfnisse der Elektromobilität eingeht und den Automobilherstellern auch in diesem Bereich die Null-Fehler-Toleranz gewährleistet. Entscheidend für die Gestaltung der Montagekonzepte ist laut Leuschner, dass es das Elektroauto so ohne weiteres gar nicht gibt. „Wir sprechen nicht umsonst von Elektromobilität und nicht nur von dem Elektroauto“, unterstrich er.

Der Vielfalt von Fahrzeugen, die elektrisch angetrieben sind, müssten jeweils individuelle Montagelösungen entsprechen. Bei großen Voll-Hybridfahrzeugen befinde sich beispielsweise die Batterie aus Sicherheitsgründen unter den Rücksitzen, während bei sogenannten Mild-Hybriden die Elektromotoren, die den Verbrennungsmotor ergänzen, samt Batterie an den Rädern sitzen.