Audi produziert künftig selbst: Windstrom für E-Fahrzeuge und ‚e-Gas‘ für die neue

Audi produziert künftig selbst: Windstrom für E-Fahrzeuge und ‚e-Gas‘ für die neue TCNG-Flotte, die ab 2013 auf den Markt kommen soll (Bild: Audi).

Um neue und klimafreundlichere Antriebe am Markt durchzusetzen, begeben sich viele Automobilhersteller auf Terrain jenseits ihres bisherigen Kerngeschäfts.

von Michaela Neuner

LANDSBERG (ks). Bislang war die Aufgabenverteilung klar: Autohersteller bauen Autos, für die Tankfüllung sorgen andere. Im Streben nach einer besseren CO2-Bilanz und um den Weg für neue Antriebskonzepte auf der Basis von Gas, Strom oder Wasserstoff zu ebnen, werden die Karten neu gemischt: Nun investieren Automobilhersteller in Tankstellen und steigen in die Treibstofferzeugung ein.
So will Daimler mit Linde Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland bauen – eine „Initialzündung in Sachen Infrastruktur“, erklärt Daimler-Vorstand Dieter Zetsche der hofft, „20 neue Wasserstoff-Tankstellen werden dem Markt einen wichtigen Impuls geben.“ Mit den 20 neuen wird sich die Zahl öffentlicher Wasserstofftankstellen in Deutschland mehr als verdreifachen und es sollen erstmals alle Orte im Land mit Brennstoffzellenfahrzeugen erreichbar sein.
Opel kooperiert mit Ökostrom-Anbietern – ca. 30 waren es Ende Juni – und bietet seinen künftigen Ampera-Kunden ein „Vorteilspaket“ aus Fahrzeug und verbilligtem Stromtarif an. BMW möchten seine Kunden künftig ebenfalls bei der Tankfüllung ihrer Stromer unterstützen: „Der Anspruch ist da“, so BMW-Sprecher Glenn Schmid, nur über das passende Konzept werde noch nachgedacht.
Schließlich ergab die Auswertung eines E-Mobility-Modell-Projekts von BMW, dass 59 % der Teilnehmer finden, E-Fahrzeuge sollten ausschließlich erneuerbare Energie tanken. Mercedes-Fahrer denken ähnlich. Zwar liegen die Auswertungen der aktuellen Kundenbefragungen erst Ende des Jahres vor: „Aber rein qualitativ lässt sich heute schon sagen, dass es den meisten Kunden sehr wichtig ist, wie der Strom erzeugt wird“, verrät Unternehmenssprecher Matthias Brock.
Bis 2020 sollen nach Plänen der Bundesregierung mindestens 1 Mio Elektro-Pkw in Deutschland unterwegs sein und bis 2030 sechs Millionen. Der Strom hierfür soll aus erneuerbaren Energien kommen. Audi steigt deshalb verstärkt in die Produktion regenerativer Energien ein: „Wir wollen neue Kapazitäten schaffen und nicht den Elektromobilitätsbedarf an regenerativen Energien vom Markt abziehen“, erklärt Oliver Strohbach von Audi – und so investieren die Ingolstädter künftig auch in Windkraft.
Vier Off-Shore-Anlagen in der Nordsee sollen ab 2013 jährlich ca. 53 GWh Strom liefern. Die vier Windkraft-Anlagen sind Teil des Audi ‚e-Gas‘-Projekts, dessen zweiter Baustein derzeit im niedersächsischen Werlte ensteht – eine Anlage, die aus Strom zunächst Wasserstoff und aus diesem und dem konzentrierten Kohlendioxid einer Abfall-Biogasanlage schließlich Methan in Erdgasqualität herstellt. Der jährliche Ertrag an Windstrom und Methan soll laut Audi ausreichen, um rund 2500 A1 e-tron- und A3- bzw. A4-TCNG-Kunden ein Jahr lang mobil zu machen. Zusätzlich soll der Windstrom für die Produktion von 1000 A1 e-tron genügen und auch ein Gasüberschuss würde noch anfallen.
Audi verwendet Strom und Gas jedoch nicht direkt, sondern speist beides in das jeweilige Netz ein. Für die Weitergabe an die Kunden ist ein Bilanzkreisverfahren angedacht: Kunden, die CO2-neutral unterwegs sein möchten, erwerben die entsprechenden Zertifikate bei Audi. Sie tanken dann Erdgas oder Strom aus dem allgemeinen Netz, in das Audi die entsprechende Menge nachliefert. Durch seinen Einstieg in die Energieerzeugung will Audi sein Portfolio zwar erweitern, aber nur als Investor. „Wir werden uns nicht komplett als Energieanbieter auf dem Markt positionieren und in den Wettbewerb mit anderen Energieanbietern treten. Das haben wir nicht vor“, betont Strohbach.

aus Produktion Nr. 28, 2011