Wer den Überblick über den Energieverbrauch im Unternehmen behalten will, braucht mehr als einen

Wer den Überblick über den Energieverbrauch im Unternehmen behalten will, braucht mehr als einen Stromzähler (Bild: Energieagentur.NRW).

von Michaela Neuner

LANDSBERG (ks). Für Privathaushalte mag es ein Stromzähler tun. In produzierenden Unternehmen sind die Energiebedürfnisse einzelner Maschinen oder Unternehmensbereiche wesentlich breiter gefächert. Hier reicht eine Messstelle nicht aus, wenn man Energieflüsse überwachen und Einsparpotenziale aufdecken will. Beim Erfassen und Bewerten der Daten der verschiedenen Messtellen hilft Energie-Management-Software (EMS).
Sie rechnet sich vor allem für größere Unternehmen mit höheren Energiekosten. Unternehmen mit 20 oder 30 Mitarbeitern kommen dagegen meist schon mit einfachen Lösungen aus: „Excel-Tabellen oder kleinere Programme, die man sich selbst baut und mit denen man dann entsprechende Auswertungen machen kann“, weiß Gerd Marx, Leiter der Energieberatung bei der EnergieAgentur.NRW.
„Für Unternehmen, die mehrere Produktionsstandorte in Deutschland haben, über die sie Benchmarks bilden wollen, macht Energie-Management-Software dagegen wieder Sinn“, sagt Marx. Für sie ist es essentiell, den Einfluss unterschiedlicher Energiepreise an den verschiedenen Standorten, den CO2-Ausstoß oder die Anzahl der Schichten und deren Energieverbrauchsanteile zu kennen und darauf reagieren zu können.
Die angebotenen Programme zur Erfassung von Energiedaten sind so unterschiedlich wie die Aufgaben, die sie bewältigen sollen. Eine Übersicht verschafft ein Online-Marktspiegel der EnergieAgentur.NRW. Er vergleicht rund drei Dutzend Software-Pakete, die derzeit auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich sind. Energie-Beauftragte in Unternehmen können im ‚EMS.marktspiegel‘ anhand verschiedener Kriterien nach der Software suchen, die zu ihren Bedürfnissen passt. Abgefragt werden u. a. EDV-Voraussetzungen wie Betriebssystem und Schnittstellen zu ERP-Systemen, die Anzahl der Messstellen oder die geplante Investitionssumme.
Grundlage des Marktspiegels sind Angaben der Software-Hersteller, die ihre Produkteinträge selbst laufend aktualisieren können. Der Martkspiegel strukturiert das Angebot zwar, bewertet die einzelnen Software-Lösungen jedoch nicht. „Die Energieagentur arbeitet an diesem Produkt neutral. Die Systeme müssen natürlich einen gewissen Standard erfüllen, aber wir greifen nicht in den Markt ein“, erklärt Energieberater Thomas Gentzow von der EnergieAgentur.NRW.
Energie-Management-Software ist häufig zentraler Bestandteil von Energie-Management-Systemen (EnMS): Ab 2013 will die Bundesregierung den Spitzenausgleich bei Energie- und Stromsteuern nur noch Unternehmen gewähren, die ihren Energieverbrauch nachweislich reduzieren wollen. Auch für andere steuerlichen Vergünstigungen in diesem Sektor sei angedacht, sie ab diesem Zeitpunkt an ähnliche Gegenleistungen zu koppeln, gibt Gentzow zu bedenken.
Als Nachweise sind „die zertifizierte Protokollierung in Energie-Management-Systemen oder durch andere gleichwertige Maßnahmen“ im Gespräch. EnMS dokumentieren, verfolgen und bewerten Energieströme. Sie legen Zuständigkeiten fest und definieren die Politik des Unternehmens im Umgang mit Energie. Die Standards dafür schreibt derzeit noch die DIN EN 16001 vor, die Ende des Jahres von der ISO 50001 abgelöst werden soll.
Doch systematisches Energiemanagement lohnt sich nicht nur unter steuerlichen Aspekten und für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch. Das zeigen Erfahrungen aus Ländern wie Schweden oder Dänemark, die bereits seit Anfang 2000 Standards für Energie-Management-Systeme eingeführt haben. Hier konnten Unternehmen durch EnMS ihren Energieverbrauch um zehn Prozent und mehr reduzieren.
www.energieagentur.nrw.de/emsmarktspiegel

aus Produktion Nr. 27, 2011