Walter AG
Fräser der Walter AG. - Bild: AG

Produktion: Wird die Trockenbearbeitung ihren Siegeszug fortsetzen?

Drobniewski: "Die Nassbearbeitung ist in manchen Fällen ungeschlagen und wird das auch bleiben. Das gilt besonders für ISO M und ISO S Materialien. Speziell bei den Titan- und Nickelbasislegierungen kann auf die Nassbearbeitung nicht verzichtet werden. Vorteilhaft zum Einsatz kommt die Trockenbearbeitung beim Fräsen von Stahl und Guss. Der Anwender profitiert dann in Form von längeren Standzeiten, weil die thermischen Schocks reduziert werden. Auch dabei gibt es aber Schruppbearbeitungen, bei denen große Mengen an heißen Spänen entstehen und bei denen daher für den Abtransport dieser Späne nicht auf den Kühlschmierstoff verzichtet werden kann.

Das Thema Kühlschmierstoff ist übrigens ein gutes Beispiel für den erweiterten Entwicklungsfokus bei den Zerspanungswerkzeugen. Intensive Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet, auch in enger Zusammenarbeit mit den Maschinenherstellern, haben zu neuen Technologien wie Hochdruckkühlung oder kryogener Kühlung geführt. Letztendlich kommt es beim Thema naß/trocken immer auf eine Enzelfallbetrachtung an, bei der die vielen Für und Wider gegeneinander abgewogen werden müssen."

Produktion: Höhere Standzeiten oder schnellere Prozesse: Was bevorzugen die Anwender?

Drobniewski: "Bis vor ein paar Jahren wurde bei gleicher Standzeit auf schnellere Prozessparameter gesetzt. In den letzten zwei Jahren hat sich die Konjunktur etwas abgeflacht und die Maschinen sind nicht voll ausgelastet. Deshalb gibt es einen eindeutigen Trend zu unveränderten Schnittdaten bei höherer Standzeit."

Produktion: Fürchten Sie die additiven Fertigungsverfahren als künftige Konkurrenz zu spanenden Prozessen?

Drobniewski: "Es ist abzusehen , dass in Zukunft einige Bauteile aus dem 3D-Drucker kommen, die heute noch spanabhebend hergestellt werden. Wir beschäftigen uns aber auch damit, weil dieser Prozess auch für die Herstellung von Sonderwerkzeugen interessant ist. Es werden Geometrien möglich, die mit herkömmlichen Verfahren nicht realisiert werden können. Additive Fertigungsverfahren spielen deshalb eine wichtige Rolle in unserer Grundlagenforschung, sowohl hinsichtlich der herstellbaren Geometrien als auch der Werkstoffe."

Produktion: Macht Ihnen ein eventueller Durchbruch der Elektromobilität Sorgen?

Drobniewski: "Etliche spanend bearbeitete Teile würden dann entfallen. Auf der anderen Seite gibt es aber in allen Branchen den Trend zu schwer zerspanbaren Werkstoffen, bei denen Standzeiten und Schnittdaten in aller Regel deutlich nach unten gehen. Mit unserer Entwicklungs- und Anwendungskompetenz bei Werkzeugen und speziell Schneidstoffen sehen wir hier die Möglichkeit, unseren Kunden bei diesen Herausforderungen leistungsfähige und effiziente Lösungen zur Verfügung zu stellen. Es gibt also gegenläufige Tendenzen und Zerspanwerkzeuge werden weiter ein wichtiger Teil der produzierenden Industrie bleiben."

Sebastian Moser

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