Die deutsche Montagetechnik muss sich als letztes Glied in der Wertschöpfungskette auch den

Die deutsche Montagetechnik muss sich als letztes Glied in der Wertschöpfungskette auch den Herausforderungen der Globalisierung stellen. (Bild: Sortimat)

von Annika Mentgen

MÜNCHEN. Die Exporte des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus nach China stiegen im vergangenen Jahr um 35 %, es wurden Maschinen und Anlagen im Wert von über 15 Mrd Euro nach China geliefert. Dazu Oliver Wack, Referent Ost- und Südasien beim VDMA: „Der Anteil Chinas an den deutschen Ausfuhren liegt nun bei rund zwölf Prozent. Damit hat der chinesische Markt im Jahr 2010 eine phänomenale Entwicklung genommen.“

Und der chinesische Maschinenbau wächst weiter enorm. Nach Angaben des VDMA hat sich die Produktion vor Ort seit 2005 pro Jahr durchschnittlich um nominal 28 % erhöht. Damit sei das Land seit 2008 zum größten Maschinenproduzenten der Welt aufgestiegen. „Mit dem starken Wachstum im Außenhandel geht auch eine verstärkte Präsenz im Ausland einher“, erklärt Wack. China sei für die deutschen Maschinenfirmen bereits seit Jahren der bei weitem wichtigste Auslandsstandort in Asien.

Das gilt auch für Unternehmen der deutschen Montagetechnik als letztes Glied in der Wertschöpfungskette. Der 23. Deutsche Montagekongress beleuchtet vor diesem Hintergrund am ersten Kongresstag den Wachstumsmarkt China und was es für deutsche Firmen bedeutet, den Schritt nach China zu wagen. Wo liegen die Chancen und Risiken der Montage in, aus und für China?

Prof. Dr.-Ing. Gunther Reinhart, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) der TU München, sieht für die deutsche Montagetechnik aktuell drei wesentliche Herausforderungen, die es zu meistern gilt: den Kostenaspekt, die steigende Variantenvielfalt und den demographischen Wandel. Dies gelte für Deutschland ebenso wie für China – jedoch mit unterschiedlichen Prioritäten. „Momentan ist beispielsweise der Kostenfaktor in Deutschland wichtiger und hat einen größeren Einfluss, da die Lohnkosten im Vergleich zu China um ein Vielfaches höher sind“, erläutert Prof. Reinhart.

In China gehe es hingegen heute noch eher um das Thema Qualifikation sowie Mitarbeiter- und Materialverfügbarkeit. Das Lohnniveau der Chinesen steigt aber jetzt schon, so dass dem Kostenaspekt zeitversetzt auch auf dem chinesichen Markt eine größere Bedeutung zukommen wird. Vergleicht man die Montageprozesse in Deutschland und China, so fällt auf, dass der Automatisierungsgrad in der chinesischen Montagetechnik bisher äußerst niedrig ausfällt. „Wenn, dann wird, ganz anders als in Deutschland, aus Qualitätsgründen automatisiert, um die Einheitlichkeit und Güte der Produkte verbindlich sicherzustellen“, sagt Prof. Reinhart.

Auch die Unterschiede beim Aufbau eines Produktionsstandortes sind in Deutschland und China gravierend. „In China kann es, verglichen mit dem deutschen Markt, zum Beispiel schnell zu komplizierten Änderungen bei Gesetzen und Verwaltungsverfahren kommen“, erklärt Reinhart. „Behörden können getroffene Zusagen schnell revidieren, eingekaufte Halbzeuge und Waren können in der Bemusterung durchaus von höherer Qualität sein als die tatsächlich gelieferten Produkte.“

Deutschen Unternehmen empfiehlt Prof. Reinhart, sich vor Ort in China in jedem Fall eine andere deutsche Firma als Partner zum Erfahrungsaustausch zu suchen. Gegenseitige Unterstützung sei hier unabdingbar. Außerdem sei es wichtig, immer sowohl eine chinesische als auch eine deutsche Führungskraft zur Leitung der Produktion vor Ort zu haben.

Das beherzigte auch Continental Automotive Systems (Shanghai) Co., Ltd., China. Das Unternehmen ist in China sehr erfolgreich, legte erst jüngst zwei Standorte in ein neues Werk in China unter laufender Produktion zusammen. Continental hat heute 18 Produktionsstätten, 15 Verkaufsbüros und rund 14 000 Mitarbeiter in China.

Verständins für chinesische Kultur und Belange ist äußerst wichtig

„Besonders wichtig ist es, früh ein Verständnis für die chinesische Kultur und Belange aufzubauen“, erläutert General Manager Felix Bietenbeck die landesspezifischen Fragestellungen. „Die Abstimmung der Interessen von Continental und der lokalen Behörden benötigt viel Zeit und eine kontinuierliche Einbindung aus dem Top-Management.“ Bei der Umsetzung wurde Continental von einem lokalen Planungsbüro mit internationaler Erfahrung unterstützt.

Die deutschen Unternehmen der verarbeitenden Industrie können das hohe Wirtschaftswachstum Chinas also für sich nutzen – der Erfolg hängt dabei aber entscheidend von der Einhaltung einiger wichtiger Regeln ab. „Deutsche Unternehmen müssen auf dem chinesischen Markt als vollwertiger Partner anerkannt werden. Nur dann wird sich ein dauerhafter und nachhaltiger Erfolg der ins Ausland verlagerten Produktion einstellen“, fasst Prof. Reinhart zusammen