Die Speerspitze der europäischen Blechbearbeitungsbranche nimmt den asiatischen Raum ins Visier

Die Speerspitze der europäischen Blechbearbeitungsbranche nimmt den asiatischen Raum ins Visier (Bild: Trumpf).

Nach den Dellen 2009 kommen positive Impulse vor allem aus Asien. Trumpf belegt im exklusiven Produktion-Ranking unverändert Platz eins.
Von Klaus Hiemer

LANDSBERG: „Der Aufschwung ist da. Seit Monaten steigen die Auftragseingänge kontinuierlich an, so dass wir optimistisch in die Zukunft blicken“, sagt Dr. Mathias Kammüller, Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH + Co. KG, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen. Dennoch sei klar, dass es noch eine Weile dauern werde, bis Trumpf das Umsatzniveau der Vor-Krisenzeit wieder erreicht.
„Im Moment erleben wir, wie sich als Folge der Krise Märkte verschieben und Asien immer stärker an Bedeutung gewinnt. Entsprechend wichtig sind China, Indien und Japan für uns“, sagt Dr. Kammüller. „Wir bauen unsere dortigen Standorte und Aktivitäten weiter aus und haben ehrgeizige Ziele, was die Umsatzentwicklung auf dem asiatischen Markt betrifft. Europa bleibt jedoch unser Kernmarkt und zeigt auch schon deutliche Erholungstendenzen“, schildert Dr. Kammüller.
Trumpf liegt mit einem Umsatz von 1,06 Mrd Euro im Jahr 2009 erneut auf Rang 1 des exklusiven Rankings zur Blechbearbeitung und musste ein Minus von 24,3 % im Vorjahresvergleich hinnehmen.
Schuler landete mit einem Jahresumsatz von 823 Mio Euro (minus 14,9 %) auf dem zweiten Rang. „Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch Schuler getroffen und sich sehr deutlich in unseren Aufträgen niedergeschlagen“, heißt es aus Vorstandskreisen. Die Entwicklung des Auftragseingangs im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/10 zeige, dass für Schuler die Talsohle erreicht ist. Für die kommenden Monate sehe man wieder positivere Perspektiven. Schuler rechnet mit einer langsamen Verbesserung der Geschäftslage. „Speziell der Großanlagenbau profitiert traditionell erst zeitversetzt vom Umschwung“, heißt es.

Auf Platz drei des Rankings landete der Umform- und Laserspezialist Bystronic. Die Schweizer erzielten einen Jahresumsatz von 250 Mio Euro und damit 50 % weniger als im Vorjahr. Von Rang fünf auf Rang vier verbesserte sich der schweizerische Feinschneid-Spezialist Feintool mit einem Jahresumsatz von 245 Mio Euro und einem Minus von 35 % im Vergleich zum Vorjahr. Platz fünf belegt die italienische Gruppo Prima Industrie mit 231,9 Mio Umsatz (minus 36 %). Keine Angaben zur Umsatzentwicklung machten die italienischen Maschinenbauer Salvagnini und BLM Group, das belgische Unternehmen LVD und der Wasserstrahl-Spezialist Flow International. Arku Maschinenbau erzielte in 2009 einen Umsatz von 30 Mio Euro (minus 25 %) und kam auf den zehnten Rang. Das Unternehmen rechnet für 2010 mit einem Umsatz in Vorjahreshöhe.
Auch Feintool nahm „im ersten Halbjahr 2009/10 eine allgemeine Belebung der wesentlichen Märkte“ wahr. „Ein Fokus unserer globalen Wachstumsstrategie liegt auf den asiatischen Märkten, allen voran China. Der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten lässt diesen Trend im Investitionsgüterbereich erkennen“, heißt es im Halbjahresbericht 2009/10. Im Automobil-Premiumsegment verzeichnet das Unternehmen seit Jahresbeginn eine deutliche Zunahme der Verkäufe. In Europa und Japan sorgten zahlreiche Bestellungen für gute Auslastung, das US-Geschäft ist ebenfalls „sprunghaft angestiegen“, heißt es, auch wenn das dortige operative Niveau noch nicht an die Effizienz der Betriebe in Japan und Europa heranreiche.
Die Krisenzeit haben zahlreiche Unternehmen der Branche genutzt, sich Gedanken um Produktinnovationen zu machen. Dr. Mathias Kammüller: „Wir haben die zurückliegende Phase geringerer Aufträge genutzt, um unsere Marktposition nicht nur zu behaupten, sonder auszubauen. In diesem Zusammenhang hat sich die Innovationsoffensive, die wir bereits im Jahr 2008 gestartet haben, als richtige Strategie erwiesen: Die neuen Produkte konnten bereits vielen Kunden entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.“
Die Schuler-Gruppe sieht im Bereich Erneuerbare Energien einen Zukunftsmarkt. „Ziel ist die Entwicklung und Produktion kompletter Windenergieanlagen für den Betrieb im Binnenland. Dies ist Teil der langfristigen Diversifikationsstrategie des Konzerns, um zusätzliche Bereiche über die Automobil- und Automobilzuliefererindustrie hinaus zu erschließen“, heißt es. Die Kompetenzen von Schuler aus dem Großanlagenbau entsprächen in vielen Aspekten den Anforderungen in der Windenergiebranche. Im Windkraftmarkt zeichnet sich laut Schuler ein Technologiewechsel hin zu wartungsarmen, getriebelosen Anlagen ab. Hier könne das Unternehmen sein Know-how bei der Entwicklung komplexer elektro-mechanischer Systeme und hochmomentiger Antriebssysteme übertragen. Auch Feintool hat seine Aktivitäten auf dem Gebiet des Feinschneidens erfolgreich intensiviert.