Wie ein Insekt laufen die Rohrinnenmanipulatoren von Ibass durch Rohre und Leitungen. Neben

Wie ein Insekt laufen die Rohrinnenmanipulatoren von Ibass durch Rohre und Leitungen. Neben Schleifaufgaben lassen sich auf diese Weise auch Inspektions-, Prüf- oder Bergungsaufgaben erledigen. Dazu muss nur das vordere Modul gewechselt werden. (Bild: Atlas Copco Tools GmbH)

Von Thomas Preuß

ESSEN (rm). In Rohren und Rohrleitungssystemen übernehmen diese Manipulatoren mit sechs Laufrollen alle anfallenden Arbeiten: Sie schleifen und schweißen, prüfen und inspizieren, saugen Schleifstaub ab oder bergen Sedimente.

Die Schweißnähte der Leitungen, die beispielsweise eine Bohrinsel mit dem Festland verbinden, müssen sicher halten. Daher wird die Nahtüberhöhung im Rohrinnern weggeschliffen, um einerseits den Rohrinnenwiderstand zu minimieren, andererseits um potenzielle Rissstarter durch Kerbwirkung zu verhindern. Die glatte Oberfläche erleichtert zudem die Prüfung der Nähte, da die Mitarbeiter nicht mehr entscheiden müssen, ob es sich bei einer Auffälligkeit um einen Riss oder nur um eine Kante handelt.

Zum Schleifen erhalten die Rohrinnenmanipulatoren einen Aufsatz, der aus einer Rotationsscheibe mit zwei Schleifhebeln besteht. Diese werden beim Rotieren per Fliehkraft nach außen gedrückt und pressen so die Schleifsteine an die Rohrinnenwand. Dafür wird ausreichend Leistung benötigt.

Anfängliche Versuche, eine aus dem Vollen gefräste Luftturbine zu entwickeln, führten nicht zum Ziel – der Antrieb war zu schwach. Kompakt und trotzdem leistungsstark sind dagegen die Druckluftmotoren LZB von Atlas Copco Tools mit hoher Leistungsdichte. Sie sind rund 75 % leichter und 85 % kleiner als ein gleich starker elektrischer Asynchronmotor.

In den größeren Manipulatoren für die Nennweiten DN 150 bis 1000 finden drei Druckluftmotoren Platz, die jeweils über ihr Ritzel in den Zahnkranz der Rotationsscheibe greifen. Unterhalb der Nennweite DN 150 genügt ein Motor, der zentral sitzt und gleichzeitig den Grundkörper für den Aufbau des Manipulators bildet.

In diesem Fall greift Ibass auf ein anderes Schleifverfahren zurück, nämlich das Pendelschleifen mit nur einem Hebel. Genügend Drehmoment stellen die Lamellenmotoren in jedem Fall bereit, je nach Ausführung bis zu 680 Nm. Da sie außerdem gegen elektrische Störungen unempfindlich sind und selbst keine verursachen, eignen sie sich auch für risikoreiche Einsatzbedingungen.

Baukonzept und Robustheit der Motoren haben Ibass jedenfalls überzeugt, ebenso die ölfreie Arbeitsweise. Sie ist wichtig, da man nur trockene und saubere Druckluft einsetzt. Denn andernfalls müsste man in kritischen Anwendungen eine zusätzliche Ausblasleitung verwenden, um die ölbelastete Abluft wieder aus dem Rohr herauszubekommen. Durch ihre Konstruktion mit Lamellen geringer Reibung und versiegelten Lagern geben die ölfreien Motoren kein Schmiermittel an die Luft ab und eignen sich damit auch für heikle Umgebungen.

Die Druckluft verwendet Ibass auch zum Spreizen der sechs Laufrollen, mit denen die Manipulatoren im Rohrinnern geführt werden. Das ist die elastischste Lösung. Die Laufrollen selbst werden dagegen über Elektromotoren angetrieben, da hier deren leichtere Regelbarkeit ein Vorteil ist und keine hohe Leistung benötigt wird. Wie weit ein Gerät in ein Rohrsystem hineinfahren kann, hängt nur von der Anzahl der Bögen ab. Nach fünf bis sieben Bögen wird jedoch mit dem wachsenden Umschlingungswinkel der Reibwiderstand an den Versorgungsleitungen zu groß.

Obwohl das Schleifen die Hauptaufgabe der Rohrinnenmanipulatoren ist, lassen sie sich durch ihren modularen Aufbau einfach umrüsten und für andere Aufgaben einsetzen. Inspektionen mittels einer Kamera sowie Farbeindring- oder Wirbelstromprüfungen sind dann ohne Schwierigkeiten durchführbar.

Bei den größeren Nennweiten genügt es, für den Modulwechsel eine Schraube zu lösen. Auch Arbeiten wie das Laserscannen der Oberfläche sowie Absaug- oder Bergungsaufgaben sind machbar. Zuletzt wurde eine Manipulatoren-Variante mit Roboterarm entwickelt, der sich von außen steuern lässt – nützlich insbesondere bei Bergungsarbeiten.

Alle Manipulatoren stehen auch im Mietservice bereit, optional mit Bedienpersonal.