Weniger Primer und Trocknerleistung benötigt diese Konservierungsanlage für Schiffsbleche und

Weniger Primer und Trocknerleistung benötigt diese Konservierungsanlage für Schiffsbleche und –profile. (Bild: Rösler Oberflächentechnik GmbH)

Barbara Müller

Untermerzbach (rm). Ein Hersteller von Kreuzfahrtschiffen und Offshore-Ausrüstungen entschied sich für dieses anwendungsspezifische Konzept. Ausgelegt ist die Anlage als voll automatisierte Linie, die von einem rund 300 m entfernten Büro aus gesteuert wird. Hier gibt ein Mitarbeiter vor, welche Teile wann bearbeitet werden sollen.

Basierend auf diesen Informationen, beschickt ein automatischer Kran die Anlage, die dann das teilespezifische Programm startet. Es beinhaltet neben der Regelung der Bearbeitungsgeschwindigkeit zwischen 1,5 und 6 m/min die Breiten- und Höhenanpassung sowie die Steuerung der Turbinen. Die Einhaltung der individuell festgelegten Prozessparameter wie Geschwindigkeit, Temperatur und Feuchtigkeit wird durch Lichtschranken, Sensoren und Kameras überwacht. Darüber hinaus unterstützt das System eine vollständige Prozessvisualisierung.

Gelagert werden die Bleche mit Abmessungen bis 20 000 x 3 500 x 50 mm (LxBxH) und die bis 600 mm hohen Profile links und rechts neben der Halle. Dies erforderte zwei mit Hubtischen ausgestattete Transportsysteme im Außenbereich, die durch eine vierfache Speziallackierung vor den Angriffen der aggressiven See-/Salzluft geschützt sind. Der Transport der Profile und Bleche erfolgt mit 20 m/min zur Anlage. In der für das Teil individuell festgelegten Geschwindigkeit durchläuft es eine Bürst-Abblas-Station, um anhaftenden Sand, Blätter und Schmutz zu entfernen. Danach wird das Werkstück im Vorwärmer auf eine Temperatur von 40°C (+/- 5°C) gebracht.

Unabhängig davon, ob die Bleche und Profile im Ausgangszustand den Rostgrad A, B, C oder D nach DIN ISO 8501-1:2007 aufweisen, muss das jeweils definierte Strahlergebnis von SA 2, SA 2,5 oder SA 3 erzielt werden. Dafür strahlen acht Turbinen EVO 38 mit einer Antriebsleistung von je 37 kW und einem Strahlmitteldurchsatz von jeweils bis zu 500 kg/min von oben und unten auf die Teile. Eine zweite Bürst-Abblasstation bewirkt, dass Strahlmittelrückstände und Staub vor der eigentlichen Konservierung von den Teilen entfernt werden.

Die am Boden der Strahlanlage platzierten Turbinen lassen sich durch eine spezielle Auszugvorrichtung zur Seite herausziehen. Einerseits erleichtert diese Lösung die Wartung der Turbinen, andererseits verringert sie die erforderliche Fundamenttiefe deutlich. Dies vereinfacht insbesondere bei einem hohen Grundwasserspiegel die Integration der Anlage und reduziert die Baukosten.

Abgestimmt auf die Anforderungen, hat die Lackieranlage zwei Lackierkreise mit jeweils acht Spritzdüsen, je vier zur Lackapplikation von Ober- und Unterseite. Dadurch lässt sich auf die Bleche und Profile entsprechend ihrem späteren Einsatz gleichzeitig roter und grauer Schweißprimer auftragen.

Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass die aufgebrachte Primerschicht bei einer Dicke von 15 µm Abweichungen von maximal +/- 3 µm aufweist. Die enge Toleranz trägt zu weniger Verbrauch des lösemittelhaltigen Primers und damit zur Senkung der Betriebskosten bei. Einen Beitrag dazu leistet auch der Einsatz der Abwärme des Vorwärmers bei der Lacktrocknung. Dadurch konnte die Leistung des Trockners auf 9 kW statt der sonst üblichen 100 kW reduziert werden.

Da sowohl im Schiffsbau als auch im Offshore-Bereich bisher nicht auf lösemittelhaltige Lacke verzichtet werden kann, ist eine effiziente Aufbereitung erforderlich, um die Vorgaben der VOC-Richtlinie einzuhalten. Dafür hat Rösler eine besondere selbstreinigende Bürstenvorabscheidung entwickelt, die den überwiegenden Teil der lösemittelhaltigen Lackpartikel bereits in der Lackierkabine abscheidet. Zum Entfernen der verbliebenen Lackpartikel wird die Luft durch ein Filtersystem geleitet und anschließend das Lösemittel durch eine thermische Nachverbrennung geführt.