Ulf Kapitza, Agtos

Ulf Kapitza, Agtos

Die Anforderungen an die Reinigung steigen aufgrund von Qualitätsanforderungen stetig. Welche typischen Kundenwünsche müssen Sie in letzter Zeit vermehrt erfüllen?

Neben der sauberen Oberfläche, diese definiert jeder Kunde anders, wird stets vermehrter Wert auf die Strahlmittelfreiheit der Oberflächen nach dem Strahlprozess geachtet. Dies kommt besonders bei nachgeschalteter Beschichtung zum Tragen. Bei sehr sensiblen Oberflächen kommt die Forderung nach absolut staubfreien Oberflächen hinzu. Ganz wichtig ist dies z.B. bei der dem Strahlprozess folgenden Beschichtung von MDF-Platten mit Pulverlack. Aber auch für die Beschichtung von Metall gibt es zahlreiche Beispiele.

Einige unserer Kunden müssen bereits verzinkte Oberflächen aufrauen, um eine bessere Pulveradhäsion zu ermöglichen. Auch das ist ein Anspruch, der in den letzten Jahren vermehrt aufkam. Dabei muss für glatte Oberflächen eine geringe und für eine besonders große Haftkraft eine hohe Rauigkeit erzielt werden. Auf diesem Gebiet konnten wir umfangreiche Erfahrungen sammeln.

Zeit wird als Produktionsfaktor stets wichtiger. So werden z. B. viele unserer Anlagen mit Programmen ausgestattet, die den Werkstücktransport in Strahlpausen beschleunigen.

Die Reinigung entwickelt sich hin zum wertschöpfenden Prozess – woran können Sie diese Entwicklung festmachen?

Bei Kunden, die ihre Werkstücke auch beschichten, könnte sagen, die Reinigung, in diesem Fall das Strahlen, verschmilzt mit den anschließenden, wertschöpfenden Prozessen. Ermöglicht wird dies durch stets bessere Logistikkonzepte und die programmtechnische Einbindung der Bearbeitungsschritte.

Daneben kann Strahltechnik auch die Eigenschaften der Oberflächen verbessern. Das ist Wertschöpfung pur! Was wäre der Getriebebau ohne durch Strahltechnik verfestigte Zahnräder? Federn verschiedenster Formen und Größen werden gestrahlt, damit sie Ihre Aufgabe überhaupt erfüllen können.

Wo spart der Kunde, wenn die Reinigung stimmt?

Der Beschichter profitiert zunächst einmal davon, dass er weniger Reklamationen seiner Oberflächen erhält, da weniger Fremdkörpereinschlüsse homogene Oberflächen ermöglichen.

Der Strahlprozess ersetzt chemische Vorbehandlungsverfahren. So haben wir eine Durchlaufhängebahn-Strahlanlage an einen Hersteller von Stabzäunen geliefert. Er brachte es auf den Punkt: „Erst musste ich die teuren Chemikalien kaufen, um sie später ebenfalls teuer entsorgen lassen zu müssen. Dazwischen hatte ich den Ärger mit Umweltbehörden und das schlechte Gewissen den Mitarbeitern gegenüber.“ Dieser Tatbestand hat sich durch Ersatz der chemischen Vorbehandlung durch Strahltechnik grundlegend geändert. Hinzu kommt, dass eine Menge Platz gespart wurde.

Warum ist die deutsche Reinigungstechnik besonders gut aufgestellt?

Das hängt einerseits mit den hohen Qualitätsstandards der deutschen Hersteller zusammen. Diese wiederum ist auf sehr anspruchsvolle Kunden zurückzuführen. Der Kunde erwartet eine individuell auf sein Problem abgestimmte Lösung zum bezahlbaren Preis. Hinzu kommt, dass die Gesetzgebung in Europa und dann noch einmal in Deutschland weltweit die strengste ist. Das stellt die Hersteller vor Aufgaben, die andere gar nicht angehen. Erfreulicherweise ist das Ausbildungsniveau der Mitarbeiter so hoch, dass die Herausforderungen auch gemeistert werden können.