Mit der Änderung der staatlichen Förderung für die Photonik-Industrie in Asien brechen für die

Mit der Änderung der staatlichen Förderung für die Photonik-Industrie in Asien brechen für die deutschen Unternehmen härtere Zeiten an. - Bild: Lasys

In Asien ändert sich die Förderpolitik. Eine Studie ergab, dass sich alleine in der Photinik die entsprechenden Mittel verdoppeln werden. Der VDMA warnt vor einem Verdrängunswettbewerb.

Die erfolgsverwöhnte deutsche Photonik-Branche muss sich warm anziehen. Wie Gerhard Hein, Geschäftsführer der AG Laser im VDMA, in München erklärte, würden China, Korea und Japan ihre staatliche Unterstützung für die Branche in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. Das ergab eine Studie im AUftrag von VDMA, Spectaris und BMBF.

Dieser Paradigmenwechsel in der Fördeung der Photonik stelle eine nicht unerhebliche Gefahr für die hiesigen Photonik-Unternehmen dar. Hein verwies auf den erfolgreich betriebenen Verdrängungswettbewerb bei Photovoltaik-Modulen und Displays. Er warnte davor, dass den Laserprodukten ein ähnliches Schicksal drohen könnte.

Produktion: Welche Risiken bestehen für die deutsche Laserindustrie?

Gerhard Hein: Die in den erwähnten “Gravitationszentren” für (empfindlichen) Wettbewerb vorgesehene Verdopplung des Fördermittelaufkommens bis 2020 spricht für sich – selbst wenn man in der Recherche allein auf Suchkriterien unter der in Asien nicht durchgängig üblichen Nomenklatur der Photonik abstellt und die Förderung für priorisierte Anwendungsfelder nur streift (Automotive, Aerospace, Elektronik)!

Die Ziele asiatischer Forschungs- und Innovationspolitik werden sich in den nächsten Jahren stark auf die heutige Domäne deutscher und europäischer Photonik-Anbieter verlagern (Optische Produktionstechnik/Lasermaterialbeareitung, Lithographie, Industrielle Bildverarbeitung, Medizintechnik und Life Sciences)! Die in China angelegte “Lernkurve” in Sachen der Ausgestaltung staatlicher Fördermaßnahmen weist ab 2017 auf industriegeführte Agenda-Prozesse hin!

Statt regierungsseitiger Themenauswahl und Institutsgetriebenheit wird man sich auf die Reduzierung des ‘Valley of Death’ hinsichtlich der Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte ausrichten. Dieser Paradigmenwechsel dürfte sehr wohl auch auf andere Bereiche des Maschinenbaus durchschlagen. Direkt mit adressiert ist somit die Frage, in welchem Ausmaß und über welche Optionen sich ein europäisches/deutsches Unternehmen für die Kooperation mit asiatischen Partnern öffnen muss/sollte, um Marktverlust vorzubeugen.”

Produktion: Wie hätte man entgegenwirken können/sollen?

Hein: Lassen Sie mich an dieser Stelle grundsätzlich festhalten, dass es bei dieser Untersuchung nicht um Jammertiraden im Interesse höherer Fördermittelaufkommen in Deutschland und Europa geht. Wir sehen das Ganze aus einer derzeit gegebenen Position der Stärke heraus als Signal an die Herstellerfirmen in Deutschland und Europa. Gerade auch gegenüber Investoren ist es sicherlich günstiger, auf Gefahrenpotenziale hinzuweisen, die seitens deutscher Industrie und BMBF bewusst auf das Radar gestellt wurden, statt sich vor dem Hintergrund von aktuellem Know How-Vorsprung und vorübergehend erhöhter Preiswettbewerbsfähigkeit zurückzulehnen.

Natürlich würde ein höheres Fördermittelaufkommen helfen, aber es geht um gesteigerte Aufmerksamkeit für strategische Ziele der Asiaten und mehr Transparenz der Inhalte entsprechender Förderprogramme dort. Mit angesprochen ist sicher auch direkt der oben im Zusammenhang mit Risiken erwähnte vierte Aspekt. Also noch einmal: Es geht nicht um Subventionierung, es geht um Awareness mit Blick auf hungrige Wettbewerber.”

Produktion: Ab wann und wie ändert sich chinesische Förderpolitik?

Hein: Chinesische Förderpolitik ist bisher geprägt gewesen durch den totalen Top Down Approach: Regierungskreise definieren Forschungsziele, das Ganze wird stark institutsgetrieben aufs Gleis gesetzt. Naturgemäß gibt es hier hohe Sickerverluste und vergleichsweise geringer Effizienz, was die Überführung von Institutsforschung in marktfähige Produkte angeht.

Ab 2017 wird man dem Vorbild industriegetriebener Agendaprozesse für die Themenauswahl folgen, so wie es in Deutschland und Europa vorgemacht wird. Ergo: Wie bei uns erfolgt dann die Definition von Förderthemen und -zielen durch die Industrie selbst und ihre Verbände. Das vielzitierte “Valley of Death” wird viel schmaler, die chinesische Fördermethodik effizienter und die Wirkungen für den “Rest der Welt” (und insbesondere uns) wird nicht auf den Bereich der Photonik beschränkt bleiben! Dann treffen sich die Durchsetzungsstärke eines zentralstaatlichen Gebildes mit dem Markt-KnowHow der chinesischen Industrie.

Produktion: Hätte man entgegenwirken können?

Gerhard Hein: Hier sind wir im Prinzip wieder bei meiner Antwort zu Frage 2. Entsprechende Mahnungen mit Blick auf Endprodukt-Kategorien wie Photovoltaik-Modulen oder Displays sind bereits im Februar 2014 auf dem von zwei Ministerien, nämlich BMBF und BMWi, unterstützten Photonik-Kongress in Berlin formuliert worden. Natürlich verbunden mit dem Hinweis auf die Tatsache, dass Öffnung für Kooperationen dazu helfen kann, Märkte zu sichern.

Der frühere Botschafter in Korea, Dr. Seidt, heute Auswärtiges Amt, Professor Kagermann, Präsident acatech, und Dr. Peter Leibinger, Trumpf-Gruppe, haben sich konkret zum Globalisierungsthema geäußert. Die jetzige Studie ist konsequente Fortsetzung dieses “Weckrufs”. Ergo: Industrie und Staat hirnen bereits seit geraumer Zeit, und das auch in vernünftigem Einverständnis. Aber nochmals: es geht nicht vordergründig um finanzielle Unterstützung angesichts der in Asien gedrehten, ganz großen Räder, sondern um gemeinsame und rechtzeitige Positionierung in Deutschland und Europa.”

Stefan Weinzierl