Serviceingenieur Günter Reichart hatte vor sechs Jahren seinen letzten Einsatz an der Sinumerik

Serviceingenieur Günter Reichart hatte vor sechs Jahren seinen letzten Einsatz an der Sinumerik 550C von CNC-Technik Leidig. Damals führte ein defekter Notausschalter zu einem Softwareausfall. Mit der richtigen Lochstreifen-Software konnte er in kurzer Zeit das Basisprogramm aufspielen und die CNC war wieder einsatzfähig.

FELLBACH (cb). Für Rolf Leidig, Inhaber der Firma CNC-Technik Leidig, ist das 34 Jahre alte Dreiachs-Fräszentrum Steinel BZ30 mit der ebenso alten Steuerung Sinumerik 550C eine wichtige Maschine. Noch heute fertigt der Mechanikermeister mit ihr unter anderem Einzel- und Kleinserienteile für den DTM-Rennsport. Er schätzte insbesondere die hohe Zuverlässigkeit und Präzision von CNC und Maschine, so Leidig.

Bereits in den frühen 1970er Jahren baute der Werkzeugmaschinenhersteller Steinel mit der BZ30 eines der ersten CNC-Fräszentren, dass von einer computerbasierten Lösung der Firma Siemens gesteuert wurde: einer Sinumerik 550C. Eine Maschine dieser Serie, Baujahr 1976, ist samt originaler CNC mit Lochstreifentechnik noch heute im täglichen Einsatz. Auf ihr werden vom Kleinbetrieb CNC-Technik Leidig im schwäbischen Fellbach präzise Einzelteile und Kleinserien für verschiedene Branchen gefertigt.

„Als ich die Firma frisch übernommen hatte, konnte ich mir so eine Maschine nicht leisten.”

Das Unternehmen Leidig gibt es ebenso lange wie die Maschine, seit 1976. Damals übernahm Handwerks-Mechanikermeister Rolf Leidig den Lohnfertigungsbetrieb seines Schwiegervaters und führt ihn noch heute. In seinem Besitz ist die Steinel BZ30 jedoch erst seit 1986. Er erklärt: „Als ich die Firma frisch übernommen hatte, konnte ich mir so eine Maschine nicht leisten. Auch zehn Jahre später musste ich mit 64.000 DM für meine Verhältnisse noch viel Geld hinlegen. Aber das habe ich nie bereut, denn ich konnte durch die Investition auch Geld sparen. So war es beispielsweise zu dieser Zeit üblich, dass ein Bediener stets an der Maschine ist, um die Werkzeuge einzuwechseln. Bei der BZ30 muss er nur noch Werkstücke wechseln, hatte also Zeit für andere Aufgaben. Außerdem ist das Fräszentrum, bei dem der Rundtisch als vierte Achse arbeitet, universell einsetzbar, produktiv und noch immer hochpräzise.“

Seine Kunden stammen nicht nur aus dem klassischen Maschinenbau, sondern auch aus dem Automobil-, Nutzfahrzeug- und Motorradsektor. Dabei sollen ihn Oldtimer-Clubs ebenso schätzen wie hochmoderne Lieferanten des DTM-Rennsports. „Wir sind darauf spezialisiert, kleine Serien und verschiedenste Einzelteile herzustellen, bei denen Späne fliegen. Absolute Zuverlässigkeit, hohe Oberflächenqualität und geringe Fertigungstoleranzen sind dabei für uns selbstverständlich“, bekräftigt Rolf Leidig.

Nicht zuletzt diese Eigenschaften sollen den Fellbacher Lohnfertiger bei seinen Kunden zu einer festen Größe werden lassen. Entscheidend für die hohe Fertigungsqualität seien neben der Kompetenz des Mechanikermeisters seine Maschinen, mit denen er jegliche Dreh-, Bohr- und Fräsbearbeitung erledige. „Brot- und Butter-Maschine“ nennt er nach wie vor das alte CNC-Fräszentrum. Um verschleißbedingte Ungenauigkeiten zu verhindern, habe Leidig im Jahr 1993 die Geometrie der Maschine nacharbeiten lassen. Dabei hätten lediglich zwei von insgesamt 20 Panzerrollen ersetzt werden müssen. So erreiche sie laut Leidig noch immer Eilganggeschwindigkeiten von 8 m/min und eine Bewegungsgenauigkeit von weniger als 0,03 mm in allen Achsen.

Sinumerik 500C: Grundstein für das CNC-Zeitalter im Jahr 1973

Basis der guten Fertigungsergebnisse seien die stabile und schwere Grundkonstruktion sowie der solide mechanische Aufbau der Steinel BZ30. Auch das Messsystem, über das die CNC alle 8 ms die Bewegung der Antriebe kontrolliert, trage einen wichtigen Teil bei. Darüber hinaus erscheint Leidig die zuverlässige Ansteuerung der Achsen entscheidend. Mit der CNC Sinumerik 550C ist dafür eine Lösung von Siemens zuständig, die zur ersten „Computerized Numerical Control“-Generation (Sinumerik 500C) gehörte; diese legte im Jahr 1973 den Grundstein für das CNC-Zeitalter in Europa.

Siemens hatte damals die Sinumerik 500C/550C als erster europäischer Steuerungshersteller auf einem handelsüblichen Prozessrechner aufgebaut – dem PR310. Dank dieser Technik ließen sich etwa zwei Drittel der bis dato notwendigen Hardware einsparen und ergänzende Funktionen integrieren. Zudem war die Entwicklung weiterer Verbesserungen viel einfacher und schneller umsetzbar, da diese erstmals per Softwareupdate erfolgen konnten.

Die integrierte Bahnsteuerung der Sinumerik 550C mit geschlossenem Lage-Regelkreis erreicht eine Auflösungsgenauigkeit von 2 µm und kann in den Hauptsätzen mehrere G-Funktionen verarbeiten. Dies bestätigt der selbstständige NC-Berater und Sinumerik-Spezialist Günter Reichart und ergänzt: „Die Sinumerik ist mit zwei Ferritkernspeicherkarten ausgestattet, die über je acht Kilobyte Speicherkapazität verfügen. Damit können in der Steuerung das Systemprogramm mit etwa 10 Kilobyte und umfangreiche Lochstreifen-NC-Programme mit bis zu 1000 Einzelsätzen (sogar mit Unterprogrammtechnik) abgelegt werden.“

Die Erstellung der Lochstreifenprogramme an einem externen Computer übernimmt bei CNC-Technik Leidig der Chef selbst. Einfache Formen erstelle er klassisch in der ISO-Programmiersprache. Für komplexe Werkstücke bekomme Rolf Leidig meistens Daten im DXF-Format, die er entsprechend konvertiert und anpasst. Mit einer CAD-Software kann der Mechanikermeister aber auch komplexe Programme auf Basis von Konstruktionszeichnungen erstellen. Diese schreibe er im G-Code, übernimmt die Feinanpassung für die Maschine, stanzt sie auf seinem Lochstreifenschreiber aus, legt sie in die CNC der Steinel BZ30 ein und rüstet die Maschine mit den notwendigen Werkzeugen auf .

In 24 Jahren nur zwei Serviceeinsätze an der Sinumerik 550C

Rolf Leidig hatte in seiner beruflichen Laufbahn verschiedene CNC im Einsatz. Nicht immer erlebte er Zuverlässigkeit. „Manchmal musste ich den Service zwei- bis dreimal pro Jahr anrufen“, erzählt er. Für die Sinumerik 550C  soll dies in den vergangenen 24 Jahren nur zweimal der Fall gewesen sein. „Das ist schon eine tolle Sache. Auf die Siemens-Steuerung kann ich mich immer verlassen. Die fällt nicht aus“, erzählt Rolf Leidig und erinnert sich an den letzten Serviceeinsatz im Jahr 2004. „Einer der beiden Notausschalter ging kaputt und hat zu einem kompletten Softwareausfall geführt.“ Hintergrund: Die Notausschalter müssen einen Einschaltstrom von bis zu 80 A schalten. Dies führte zu einer Störeinkopplung in die Elektronik und legte die Software lahm. „Damals hat uns der Serviceingenieur Günter Reichart in kürzester Zeit die Software wieder in Gang gebracht. Außerdem hat er mir gezeigt, wie ich die Software bei Bedarf selbst wieder einspielen kann“, ergänzt Leidig. Dies sei inzwischen durchschnittlich alle zwei Jahre notwendig, da der Ferritkernspeicher des Computers in etwa diesen Zeitabständen sporadisch gestört wird. Gewusst wie, lasse sich das Problem jedoch in wenigen Minuten beheben.